Boeing 737-200 PP-SPI (M.A. Silva)
VASP - Viaçao Aérea Sao Paulo S.A.
brasilianisches Luftverkehrsunternehmen                                               Sitz: Sao Paulo-Congonhas
Dreilettercode : VSP            Zweilettercode : VP        ICAO call sign: VASP       Web: www.vasp.com.br
Teil der VOE/Canhedo-Gruppe

Im Unterschied zu vielen anderen frühen Fluggesellschaften Südamerikas wurde VASP (Viaçao Aérea Sao Paulo) nicht mit Unterstützung des Syndicato Condor, sondern in erster Linie vom Staat, der Staatsbank und der Stadt Sao Paulo gegründet. Politiker und Bankiers hatten die Bedeutung des Luftverkehrs für ihre Region erkannt und mehr als 75 Prozent des Aktienkapitals gezeichnet, als am 4. November 1933 die neue Airline entstand. Ihre ersten Flugzeuge, zwei Monospar ST.4, erwarb VASP in Großbritannien. Nachdem am 31. März 1934 die nötigen Betriebsbewilligungen und Verkehrsrechte erteilt worden waren, konnte sie am 16. April den planmäßigen Passagier- und Luftpostdienst eröffnen. Die ersten beiden Routen verbanden Sao Paulo mit Ribeirao Preto und Uberaba sowie mit Sao Carlos und Rio Preto.

Das Flugfeld in Ribeirao Preto erwies sich schon bald als ungeeignet und mußte geschlossen werden, doch VASP ließ sich nicht beirren und führte am 1. November eine de Havilland D.H.84 Dragon, damals das größte Landflugzeug in Brasilien, ein. Ihr erster Flug führte von Sao Paulo nach Rio de Janeiro, doch es vergingen zwei Jahre, bis VASP diese Verbindung als Liniendienst anbieten konnte. Inzwischen gab es auch in Sao Paulo durch häufige Überschwemmungen des Flugplatzes Campo de Marte Probleme, und die junge Airline sah sich schließlich gezwungen, in Congonhas einen neuen Flughafen zu bauen. Ende 1935 bestellte sie zwei dreimotorige, für 17 Passagiere ausgelegte Junkers Ju 52/3m, die im Juli 1936 in Sao Paulo eintrafen und am 5. August die Route Sao Paulo - Rio eröffneten. Leider wurden beide Maschinen noch am selben Tag beschädigt, so daß sich der regelmäßige Betrieb dieser Strecke bis zum 30. November verzögerte.

Für die 373 km lange Strecke von Sao Paulo bis Rio brauchte die Eisenbahn Central do Brasil damals 15 Stunden. Mit ihren staatlich subventionierten, wöchentlich sechsmal betriebenen Liniendiensten verkürzte VASP diese Reisezeit anfangs auf 100 und später auf 75 Minuten. Die Nachfrage war so groß, daß die Gesellschaft die Flugfrequenz verdoppelte und täglich zwei Flüge anbot. Im September 1937 wurde die Flotte durch eine dritte Ju 52/3m verstärkt. Damals erhielt VASP die Erlaubnis für Flüge in andere brasilianische Bundesstaaten und am 4. April 1938 die Verkehrsrechte für den neuen Liniendienst zwischen Uberaba in Minas Gerais und Goiás (später bekannt als Goiânia), der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates.

Der am 1. August eröffnete Dienst mußte nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden, weil die Behörden glaubten, die Dragon sei für diese Strecke ungeeignet, und konnte erst 18 Monate später wieder beginnen. Inzwischen hatte VASP am 28. Oktober 1939 die sechs Jahre zuvor im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná gegründete Aerolloyd Iguassú und ihre beiden dreisitzigen Eindecker Klemm 31A übernommen, mit denen sie ab 20. Juli die neue Route Curitiba - Sao Paulo bediente. Später wurde diese Strecke bis Joinville (1934) und Florianapolis (1935) im Bundesstaat Santa Catarina verlängert. Nach dem Absturz einer Klemm kaufte VASP drei fünfsitzige Stinson Reliant.
Am 21. Dezember 1939 bestätigte die Regierung VASPs Verkehrsrechte für die Verbindung Uberaba - Goiânia, allerdings unter der Bedingung, daß sie in Sao Paulo beginnen und mit 17sitzigen Dreimotorigen (ein Hinweis auf die Ju 52/3m) betrieben werden sollte-VASP eröffnete die Strecke am 2. Januar 1940 und verlängerte sie am 28. November bis nach Porto Alegre, mußte aber Ende 1941 trotz zusätzlichen Geräts den Flugbetrieb südlich von Sao Paulo einstellen. Der Zweite Weltkrieg traf die Gesellschaft hart, weil er die Ersatzteillieferungen für ihre in Deutschland gebauten Flugzeuge unterbrach.

Nach Kriegsende erwarb VASP aus Überschußbeständen der US-Streitkräfte umgerüstete Militärtransporter Douglas C-47 und baute ab Januar 1946 innerhalb von zwei Jahren eine Flotte von 16 Maschinen dieses Typs auf. In ihrem Heimatstaat dehnte VASP ihr Streckennetz nach Presidente Prudente und Tupa und in Paraná nach Londrina und Maringa aus. Im Februar 1949 übernahm der Staat Sao Paulo die Aerovias Brasil und betraute VASP mit ihrer Leitung. Sie hatte den Flugbetrieb im Oktober 1942 mit zwei Lockheed 14 eröffnet und bot Frachtdienste von Rio de Janeiro über Uberaba, Goiânia und einige andere Zwischenlandeplätze nach Belém an. Von dort aus flogen die Maschinen weiter nach Paramaribo, Fort of Spain, Ciudad Trujillo und Miami im US-Staat Florida. 1944 verlegte sie den Firmensitz nach Sao Paulo und setzte den Miami-Dienst unter irregulären Bedingungen fort.
Die Integration der Aerovias Brasil bereicherte die VASP-Flotte um einen neuen Flugzeugtyp, die 24- oder 32sitzige Saab Scandia. Nachdem VASP im März 1950 den Prototyp gekauft und Aerovias vier Serienmaschinen bestellt hatte, wurden zwei Scandia noch im Dezember ausgeliefert. Am 21. Dezember war die Übernahme der Aerovias durch VASP perfekt, und alle danach gelieferten Scandia trugen bereits die VASP-Farben. Die DC-3 und die neuen Scandia ließen die VASP-Flotte auf 25 Maschinen anwachsen. VASP nutzte diese Kapazität, um die Frequenz auf bereits bestehenden Strecken zu erhöhen und neue Dienste zu eröffnen, wie zum Beispiel 1955 nach Curitiba, der Hauptstadt von Paraná, und 1956 nach Campo Grande sowie Cuiabá (Mato Grosso) und Belo Horizonte (Minas Gerais). Als Aerovias an REAL verkauft wurde, flogen die Scandia weiter für VASP. Auch alle von SAS in Auftrag gegebenen Scandia gingen 1957 nach Brasilien, und VASP besaß schließlich 18 Maschinen dieses Typs. Die letzte Scandia wurde erst am 22. Juli 1969 ausgemustert.
Die lange Nutzungsdauer beweist, wie intensiv VASP ihre Flotte nutzte, denn immerhin hatte sie bereits am 10. Mai 1957 56sitzige Viscount bestellt. Fünf Viscount 827 wurden zwischen Oktober 1958 und Februar 1959 ausgeliefert, und ihr erster Liniendienst begann am 3. November 1958. Die Viscount waren Brasiliens erste turbinengetriebenen Verkehrsflugzeuge.

VASP hatte zwei wichtige Verbindungen eröffnet, eine zur neuen Bundeshauptstadt Brasilia (seit 21. April 1960) und die andere von Rio entlang der Küste nach Natal, mit Zwischenlandungen in allen an der Strecke gelegenen Landeshauptstädten. Von großer Bedeutung für den brasilianischen Luftverkehr war die am 6. Juli 1959 erfolgte Unterzeichnung des Poolabkommens zwischen VASP, VARIG und Cruzeiro do Sul über einen gemeinsamen Pendelverkehr zwischen Rio und Sao Paulo - mit Abflügen in kurzen, festen Zeitintervallen ohne vorherige Platzreservierungen. VASP stellte für diese Dienste 15 Scandia bereit.
Nach wie vor spielte die DC-3 eine wichtige Rolle für die Entwicklung des brasilianischen Luftverkehrs. Im Juni 1960 nahm VASP mit diesem Typ eine neue Verbindung nach Belém mit zahlreichen Zwischenlandungen auf. Zur selben Zeit eröffnete man auch eine mit Viscount betriebene Direktverbindung von Rio und Sao Paulo. Im Januar 1962 schluckte VASP die Loide Aereo Nacional, gegründet 1949, mit einer Flotte von neun Curtiss Commando, die sich bald auf 16 Maschinen vergrößerte. Im August 1951 hatte sie Linhas Aéreas Paulistas und ihre Küstenstrecke von Sao Paulo und Rio nach Fortaleza übernommen. Zur gleichen Zeit fusionierte VASP mit Transportes Aéreos Bandeirantes. Loide, die primär nach langen Inlandsstrecken strebte, bestellte 1957 bei Douglas vier DC-6A und kaufte sechs gebrauchte DC-4 von United Air Lines beziehungsweise Western Airlines. Als sie mit VASP fusionierte, führten ihre wichtigsten Verbindungen von Sao Paulo und Rio nach Sao Luis und Fortaleza über Belo Horizonte. Nur drei Monate, bevor sie selbst ihre Eigenständigkeit verlor, hatte Loide noch die Navegacao Aerea Brasileira erworben, die preiswerte "Bus"-Flüge zwischen Rio und Belém anbot.
Nach Übernahme der Loide umfaßte VASPs Streckennetz nicht weniger als 72 Städte. Sie brauchte daher modernere Flugzeuge, und so folgten auf eine im Oktober 1960 ausgelieferte sechste Viscount im Herbst 1962 noch zehn von British European Airways erworbene Maschinen dieses Typs. Weitere Modernisierungen kündigte VASP im April 1965 mit einem Auftrag über zehn Handley Page Herald an, bestellte aber im Juni 1967 statt dessen zwei BAC One-Eleven 400 und stellte die erste am 8.Januar 1968 in Dienst. Im Februar 1968 wurde ein Auftrag über sechs NAMC YS-11A unterzeichnet.

Aber auch Boeing und Douglas rührten in Brasilien die Werbetrommel. VASP entschied sich für Boeing und bestellte im März 1968 fünf 727-200, wandelte die Order aber rasch in 737-200 um. Die erste 737 traf bereits im Juli 1969 ein. Die 727 blieb dennoch im Rennen, denn im April 1977 übernahm VASP zwei 727-200 und stockte diese Flotte bis 1981 auf acht Maschinen auf. Zwei 727-100 waren ab Januar 1979 für ein oder zwei Jahre im Einsatz. In den folgenden Jahren entwickelte sich die 737-200 zum Arbeitspferd der Gesellschaft, die in den siebziger und achtziger Jahren nie weniger als 20 gekaufte oder gemietete 737 flog. 1986 kam die 737-300 hinzu, als VASP zwischen April und Dezember fünf Exemplare bei GPA mietete. Eine andere große Anschaffung waren drei Airbus A300B2-200, die ab November 1982 ausgeliefert wurden.
Die achtziger Jahre verliefen bis auf die Eröffnung einer ersten internationalen Strecke (nach Aruba) äußerst ruhig. Weil die Airline als chronisch defizitär, notorisch unpünktlich und völlig ineffizient galt, wollte sich der Bundesstaat von ihr trennen. Am 15. Oktober 1990 erfolgte dann die Privatisierung der VASP. Unter der Führung von Wagner Canhedo bot ein Konsortium erfolgreich 43 Mio. US-Dollar für 60 Prozent des Aktienkapitals, und ein Drittel dieser Anteile erwarb das Unternehmen VOE, das man gegründet hatte, um VASP-Mitarbeitern die Beteiligung an ihrer Fluglinie zu erleichtern. VASPs Schulden von 700 Mio. US-Dollar wurden im wesentlichen neu verhandelt, und man leitete ein entsprechendes Expansionsprogramm ein.

VASP eröffnete ihren neuen Dienst Porto Allegre - Buenos Aires. Für die ab Oktober 1991 geplanten neuen internationalen Strecken von Sao Paulo nach Los Angeles und San Francisco mietete sie einige Maschinen, darunter drei McDonnell Douglas DC-10-30, die sie anfangs für Charterflüge nach Miami und Orlando einsetzte. Die Gesellschaft erhielt zudem Verkehrsrechte nach Miami und New York und übernahm auf Leasingbasis drei 737-400 sowie vier Frachter DC-8-71F.

Die weltweite Rezession ließ auch Brasilien nicht unberührt, und Anfang 1992 gingen bei allen führenden Fluglinien die Passagierzahlen drastisch zurück. Gespräche mit TransBrasil mündeten in eine Wartungs- und Betriebsvereinbarung. VASPs finanzielle Probleme waren damit aber noch längst nicht gelöst, und so zog GPA ihre 737-300 zurück. Auch die DC-10-30 gingen an ihre Vermieter zurück, nachdem sie im Februar und März durch zwei bei Mitsui geleaste MD-11 ersetzt worden waren. Mit diesen Großraumflugzeugen eröffnete VASP die wöchentlich zweimal betriebene Route Rio - Sao Paulo - Brüssel. Da wollte VASP ursprünglich gar nicht hin. Doch die Strecke wurde aus Brasilia “dringend empfohlen, weil Varig dort noch nicht präsent war.” Bei den ersten von VASP beantragten internationalen Strecken ging es immer wieder darum, ob Varig dort schon vertreten war, der nach wie vor größte und mit Abstand politisch einflußreichste Carrier des Landes. Wenn ja, ließ die zuständige Luftfahrtbehörde des Landes nicht mit sich reden. Inzwischen hat die Regierung aber eingesehen, daß Konkurrenz statt Bevormundung die bessere Lösung ist. Mit dem Ergebnis, daß neben Brüssel noch Zürich, Barcelona, Athen, Frankfurt, Osaka und Seoul sowie diverse Ziele in Nord- und Südamerika im Flugplan stehen. Und Lissabon hängt in der Warteschleife. Die Liberalisierung machts möglich.
Die geplante Verlängerung des Los Angeles-Dienstes nach Seoul verzögerte sich bis zum 15. Juli. Trotz aller Schwierigkeiten blieb VASP zuversichtlich und beantragte für Oktober 1993 Verkehrsrechte nach Taipeh und Tel Aviv. Im Herbst 1993 verschärfte sich die Finanzkrise jedoch, und weitere Flugzeuge mußten ihren Besitzern zurückgegeben werden. VASP sah sich gezwungen, einige Strecken stillzulegen und VARIG und TAM (Transportes Aéreos Regionais S.A.) zu überlassen. Am 26. März 1994 hatte sich die Flotte auf 26 Maschinen reduziert: 17 737-200, zwei 737-300, drei A3O0B2, eine DC-10-30, zwei MD-11 sowie einen 707-Frachter. Dennoch konnte sie im Geschäftsjahr 1994 2.860.500 Passagiere und 61.400 Tonnen Fracht befördern. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Von ihren DC-10 hatte sie sich bereits 1992/93 getrennt.
Seitdem geht es aufwärts mit der blau-weißen Linie: der Jahresumsatz stieg, der Anteil am brasilianischen Verkehr verdoppelte sich annähernd auf rund 27 %. Auch der Ladefaktor stieg kontinuierlich, aktuell liegt er bei 70 %. Und was den Reingewinn angeht, belegt die Airline mit ihren 1996 erwirtschafteten 157,5 Mio. US $ mittlerweile Rang 17 aller brasilianischen Unternehmen. Zudem - für die Passagiere besonders wichtig - avancierte der notorische Zuspätkommer seitdem zur pünktlichsten aller brasilianischen Linien. In Anerkennung dieser Leistung hat die nationale Luftfahrtbehörde VASP 1996 als zuverlässigste Fluglinie Brasiliens ausgezeichnet - zum drittenmal in Folge.

Die Verbündeten

Früher ausschließlich auf den Binnenmarkt beschränkt, fühlt sich VASP mittlerweile in der gesamten südamerikanischen Hemisphäre zu Hause. Beleg dafür ist neben der wachsenden Zahl eigener Flüge die Absicherung der Wettbewerbsposition durch Zukauf weiterer Airlines. Mit Lloyd Aero Boliviano-LAB (Beteiligung seit 1995: 51 % für 47 Mio. US$), Ecuatoriana (seit 1996 51 %) und der kleinen argentinischen Regionallinie Transportes Aereos Neuquen (seit 1996 85 %) überzieht der brasilianische Carrier den Halbkontinent mit einem immer dichteren Beteiligungsgeflecht. 1997 beteiligte sich VASP mit 90 % an der ebenfalls argentinischen Regionalgesellschaft Servicios Aereos Paragonicas und konnte somit ihre Präsenz in Argentinien weiter ausbauen. Die Flotten beider argentinischer Gesellschaften bestehen aus 2 Saab 340, 7 Metrolinern und diversen Kleinflugzeugen. Darüber hinaus existiert eine Kooperation mit der griechischen Olympic Airways. Und mit der fünftgrößten amerikanischen Gesellschaft Continental Airlines steht man kurz vor dem Abschluß einer Partnerschaft.
Im Frühjahr 1997 verhandelten Vertreter der VASP mit der venezuelanischen Regierung über einen Neustart der in Konkurs gegangenen Staatslinie VIASA, die dann aber zu 100 % privat sein soll. VASP versuchte eine grenzüberschreitende südamerikanische Airline-Allianz aufzubauen und die venezuelanische Airline in das Bündnis mit den anderen Fluggesellschaften aus Argentinien, Bolivien und Ecuador zu integrieren. Kurz darauf kursierte die Nachricht, daß sich Pan Am mit 50 Mio. US$ in einem Joint Venture an der neuen VIASA beteiligen wollte. Der Neubeginn fand allerdings bis zum heutigen Tage nicht statt. Im Gegenteil: durch das neue Code-Sharing der Delta mit der venezuelanischen AeroPostal auf der Strecke Atlanta-Caracas verschlechterten sich die Startaussichten der angedachten VIASA-Nachfolgerin.
Ein Schachzug ging allerdings daneben: die Akquisition von Aerolineas Argentinas. Sie hätte man zu gerne übernommen, doch das war weder Kapitaleigner Iberia genehm noch der Regierung am Rio de La Plata. Denn wenn die VASP sich irgendwo finanziell engagiert, dann nur als Mehrheitsgesellschafter. Dies sei unumstößlicher Bestandteil der Canhedo-Philosophie. “Wenn er bei einem Wettbewerber einsteigt, dann will er dort auch das Sagen haben - ohne daß ihm jemand dreinredet.” Wie ernst es Wagner Canhedo damit meint, beweist seine Personalpolitik. Seit Übernahme von LAB führt Ulisses dort Regie, einer von vier Canhedo-Söhnen. Zwei weitere, Cesar und Rodolfo, sind Vizepräsidenten der VASP und Wagner Filho, der älteste der vier, leitet die Geschäfte der gesamten Canhedo-Gruppe.

Die Zielgruppe

“VASP bietet vielleicht nicht den sensationellsten Bordservice, dafür sind wir aber preiswerter als die Konkurrenz.” bringt der Deutschlanddirektor Jorge de Jesus die Dinge auf den Kern. Stimmt beides. Die Unterhaltungs- und kulinarischen Angebote für Reisende sind passabel, mehr aber auch nicht. Wenn ein Rückflugschein von Frankfurt nach Sao Paulo jedoch für rund 850 $ zu haben ist, statt für 1000 oder sogar 1050 $ wie bei Varig oder Lufthansa, verzichtet mancher Gast sicher gern auf mehr Service. “Unsere wichtigsten Kunden,” erklärt Sprecherin Elis Paulucci das Produkt, “sind Urlauber und nicht so sehr Geschäftsreisende.” Vor allem aus diesem Grunde werden zwei der drei wöchentlichen Frankfurt-Sao Paulo-Flüge via Recife bzw. Bahia/ San Salvador dirigiert. Der Nordosten Brasiliens entwickelt sich nämlich zunehmend zu einer touristischen Destination. Das ist Miami für die Brasilianer schon länger. “Florida ist mit Abstand unsere beste internationale Verbindung”, schwärmt Luiz Sergio Chiessi. Egal ob von Recife, San Salvador oder Sao Paulo - “die Flüge sind immer randvoll.” Und die Begründung liefert er auch: “Weil wir Brasilianer am liebsten in Miami einkaufen, der lateinischsten Stadt in den USA.” Der Sao Paulo-Miami-Kurs wurde ab dem 23. November 1995 bis Toronto verlängert. Zum Einsatz kommt hier zweimal wöchentlich eine MD-11. Eine werksneue Schwestermaschine wurde von der niederländischen KLM ab Anfang des Monats angemietet (PP-SPM).

Die Konkurrenz

Bis Anfang der neunziger Jahre waren die Verhältnisse sehr überschaubar am brasilianischen Himmel. Die nationale Behörde wachte über die Routen, sie legte die Preismargen fest und sie unterteilte fein säuberlich in regional und international. Aushängeschild Varig sollte die Fahne des Landes in den entferntesten Winkel dieses Globus tragen, alle übrigen Airlines durften nicht ins Ausland fliegen. Diese Zeiten sind vorbei. VASP überflog 1989 mit Sao Paulo-Buenos Aires zum ersten Mal die nationale Grenze, also bereits ein Jahr vor der Privatisierung. Inzwischen sind mit Transbrasil und TAM zwei weitere Carrier dem Beispiel gefolgt. Dabei macht insbesondere die 1964 als Taxi Aereo Marilia gegründete TAM Furore. Trotz Hochpreispolitik und zweier schwerer Unfälle meldet sie seit Jahren zweistellige Ertragszuwächse. Jetzt sollen fünf A330-200 die aus Fokker 100 und F.50 bestehende Flotte ergänzen und nach Miami, Madrid sowie Frankfurt zum Einsatz kommen.
Bei Varig, VASP und Co. bleibt man - noch - erstaunlich gelassen. “Nicht nur die TAM wächst, sondern der gesamte Markt. Und damit wachsen auch wir.”
VASP erwarb eine neue MD-11 direkt vom Hersteller mit Lieferung Juni 1996. Im Oktober traf bereits eine weitere Maschine ein, womit sich die Anzahl dieses Typs in der Flotte auf neun erhöhte. So startete man mit der MD-11 am 27. Juli einen neuen zweimal wöchentlich bedienten Kurs zwischen Sao Paulo und Osaka (via Los Angeles).

VASPEX

Im Frühjahr 1997 kreierte VASP eine neue Cargo-Tochter: VASPEX. Man stattete sie zunächst mit zwei Boeing 737-200C und einer Boeing 727-200F aus. Geplant ist aber auch der Einsatz größeren Geräts. So mietete VASP bereits am 30. Juni eine DC-10-30CF von World Airways an (wet). Der Großraumjet (N107WA) operierte in voller VASPEX-Bemalung auf Frachtrouten, die Sao Paulo (Guarulhos) und Manaus mit Miami verbinden. Für das dritte Quartal 1997 vereinbarte man das Wetleasing von zwei MD-11F ebenfalls von World Airways. Am 12. Juni nahm man die erste von zwei Boeing 727-200F von Pacific Aviation Holding entgegen, die drei Tage später als PP-SFF den Dienst in voller VASPEX-Bemalung aufnahm. Die zweite Maschine erreichte Sao Paulo-Cogonhas am 4. Juli in der kompletten Bemalung des vorherigen Betreibers Qatar Airways. Diese Maschine wurde von VASP erst zum Frachter umgerüstet. Dabei handelte es sich um VASPs erste Umrüstung unter Aufsicht der Hamilton Aviation aus Tucson, die 70-80 Tage in Anspruch nahm. Als PP-SFG trat sie bei VASPEX in die Flotte ein. Der Päckchendienst war so erfolgreich , daß zum Jahresende 1997 bereits eine Ausweitung auf Miami, Orlando, New York und Osaka geplant war. Im Inland wurden zu diesem Zeitpunkt 1815 Orte via Boden und Luft bedient.

Zu einem Beinahe-Unglück kam es am 17. April 1997 über Los Angeles, als eine MD-11 der VASP und eine Boeing 747-400 der KLM aufgrund von Mißverständnissen seitens der VASP-Crew beinahe kollidierten. Zum Glück war der KLM-Jumbo mit dem Anti-Kollisionssystem TCAS ausgestattet, daß sich bestens bewährte und die KLM-Besatzung auf den Plan brachte. Im September 1997 traf ein Airbus A310-300, der zuvor bei Sudan Airways im Dienst stand, ein. Er wurde via Fortis Aviation von Air Invest (Holland) angemietet und anschließend an die Tochter Ecuatoriana naß weitervermietet. Er kam auf Flügen zwischen Quito und Miami zum Einsatz. Airbus erhoffte sich sowieso, von VASP wieder mal eine Bestellung entgegennehmen zu können, da diese erklärt hatte, eventuell bis zu 10 A330-200 zu bestellen. Zunächst unterzeichnete VASP aber eine Absichtserklärung über den Erwerb von zwei Boeing 727-200 von der dänischen Sterling European mit Ablieferung im 1. Quartal 1998. Am 26. März 1998 nahm man von KG Aircraft Leasing Co. eine ex-Western Pacific 737-3S3 (N375TA) in Empfang. Sie wurde als PP-SFL registriert.
Mit der belgischen Sabena konnte man im Frühjahr 1998 ein Code-Share-Abkommen für fünf wöchentliche Flüge ab Brüssel nach Sao Paulo, Salvador und Recife abschließen.

Stand: Juni 1998

bei Bedarf sende ich Ihnen aktuelle Daten in Stichpunkten zu: webmaster@berlin-spotter.de

Streckennetz :
dichtes Inlandsnetz zu 30 Zielen
international nach Aruba, Athen, Barcelona, Brüssel, Buenos Aires, Casablanca, Los Angeles, Miami, New York, Osaka, Seoul, Toronto und Zürich.

Flotte (2004):

19 Boeing 737-200                    1 geleast
 2 Boeing 737-200 (Frachter)         VASPEX cs.
 4 Boeing 737-300                    geleast
 3 Boeing 727-200F                   Frachter, VASPEX cs.
 3 Airbus A300B2-200                 1 geleast

Das Ponte Aerea-Shuttle zwischen Rio und Sao Paulo wird im Pool mit Varig (50 % Kapazität) und TransBrasil (20 % Kapazität) mit fünf Varig-, 3 VASP- und 2 TransBrasil-737-300 durchgeführt.