Airbus A320-200 TS-IMI (Foto: Airfan)

Tunisair

tunesische Fluggesellschaft         Sitz: Tunis             Web: www.tunisair.com.tn
Zweilettercode: TU                  Dreilettercode: TAR     Call-sign: TUNAIR
staatlich

Die 1948 gegründete Tunisair ist heute an allen großen Flughäfen Europas, des Mittleren Ostens und Nordafrikas zu Hause. Seit Gründung hat die Airline keine einzige ihrer insgesamt 121 Maschinen, die sie geflogen hat, durch einen Unfall verloren. Die Flotte setzt sich aus den Mustern Airbus A300, A319, A320 und Boeing 737 zusammen. Die Wartung bis zum D-Check erfolgt im eigenen Hangar. Auch Lufthansa, Air France und Turkish Airlines sind hier Kunden. Die Triebwerke der gesamten Airbus-Flotte werden von Tunisair/Lufthansa Technik gewartet, während die der Boeing 737-Flotte ausschließlich von Lufthansa Technik gewartet wird.
Douglas C-54 TS-APM (A. Picollet)
Caravelle III TS-IKM (P. Duijnmayer)
Boeing 707-329 OO-SJD von Sabena (A.Demonty)
Boeing 727-200 TS-JHT (airlinehobby.com)
Boeing 737-200 TS-IOS (Samml.Pritzkow)
Airbus A300B4-200 TS-IMA (airlinehobby.com)
L-1011 TriStar TF-ABM (auctiontransportation.com)
Boeing 737-800 OY-SEI von Sterling (O.Pritzkow)
A320 TS-IMI im 50-years-Look (S.Reinke)
Boeing 737-500 TS-IOI (A. Kuhnt)
Zur Fussball-WM wurde der A320 TS-IMG verziert (M. Schulz)

Tunis Air wurde am 21. Oktober 1948 mit Unterstützung der Air France und einem Startkapital von 60 Mio. Franc gegründet. Damals war Tunesien noch ein französische Protektorat. Am 7. Dezember 1948 fand die erste konstituierende Sitzung statt. Die neue Airline sollte für die Franzosen einige Nordafrika-Dienste übernehmen und erwarb dafür vier Douglas DC-3 aus US-Militärbeständen für 56,5 Mio. Franc. Am 1. April 1949 lief der Flugbetrieb an. Erste Routen führten zunächst von Tunis nach Korsika und Algier. Doch schon bald flog man die gesamte Mittelmeerküste bis nach Libyen an. 1949 nahm Tunis Air auch Inlandsdienste auf. 1953 erhielten die Tunesier eine erste DC-4 und nutzten sie für Flüge nach Paris, Nizza und Marseille. 1956 folgen zwei weitere DC-4. Genf und Frankfurt kamen am 14. Oktober 1961 als neue Europa-Ziele hinzu. Nach Erlangung der Unabhängigkeit 1956 erlebt der junge Staat eine Zeit des Aufschwungs und wandelte sich zum Touristenziel

Der erste Jet
Das Jet-Zeitalter brach für Tunis Air, insbesondere im Hinblick auf andere afrikanische Airlines, recht früh an. Am 2. September 1961 flog erstmals eine französische SE.210 Caravelle, ausgestattet mit 76 Sitzen, nach Paris via Nizza. 1962 wird der neue Flughafen El Aouina bei Tunis eröffnet. 1964 wird bereits die dritte Caravelle in Dienst gestellt und Djerba per DC-3 mit Tunis verbunden. Neue Europa-Routen nach Amsterdam (1. April 1967), Mailand, Lyon, Kopenhagen (1. April 1968) folgten.

Inzwischen war die Caravelle als Jetgerät der 1. Generation technisch veraltet. Mangels eines französischen Nachfolgers entschied sich Tunis Air 1971 für die amerikanische Boeing 727-200. Sie wurde ab 1. April 1973 für den Anflug von London genutzt. Wien kam zum 5. April 1975 als weiteres Ziel hinzu. Die Caravelle verabschiedete sich 1977.

1974 brachte Tunis Air unter Beteiligung der Banque Nationale Tunisienne und einer französischen Interessentengruppe die Chartertochter Tunisavia (heute Tuninter) auf den Weg. 1979 führten Techniker der Tunis Air den ersten Großen Check an einer 727-200 durch - es war der erste in der afrikanischen und arabischen Welt. Die erste Boeing 737-200 stieß am 29. Oktober 1979 zur Flotte. Dakar taucht im März 1982 als neues Ziel im Streckennetz auf.

Mit dem A300B hatten die Europäer bald wieder ein eigenes Flugzeug, das ab Mai 1982 auch bei Tunis Air als deren erstes Großraumflugzeug zu finden war. 1985 lief Monastir - Genf sowie Tunis - Athen - Istanbul an. Ein Jahr später brachen aber die Passagierzahlen um 13 % aufgrund einer Wirtschaftskrise ein. Doch 1988 war die Krise überwunden und man verzeichnete einen operativen Gewinn von 69 Mio. Dinar - 50 % mehr als 1987.

1990 führte Tunis Air den A320-200 ein und gab sich zeitgleich ein neues Erscheinungsbild. Acht Maschinen dieses Typs waren 1997 in der Flotte. Doch auch Boeing konnte im April 1992 vier 737-500 unterbringen.

1997 gründete Tunis Air mit der Air France-Gruppe die MAS - Mediterranean Air Service, die Frachtflüge nach Europa auf Linien- und AdHoc-Basis durchführte. 1997 zeichnete sich auch das Ende der acht Boeing 727-200 und vier 737-200 ab. Auch der seit 1982 sich in der Flotte befindliche A300B4 musste dringend in die große Wartung. In den Sommer- und Hadj-Monaten, in den man traditionell weiteres Fluggerät anmietete, um der Touristenströme bzw. Pilgerströme gen Mekka Herr zu werden, sammelte Tunis Air mit etlichen Großraummaschinen wie Lockheed TriStar, Airbus A310-200/-300, A300-600, DC-10-15, 747-100SR und 747-200 Erfahrungen.

Noch mehr Europäer in der Flotte
Am 14. Oktober 1997 war Tunis Air die erste Airline der afrikanischen und arabischen Welt, die sich für den Airbus A319-100 entschied. Ausgestattet mit 144 Sitzen im 1-Klassen-Layout gelangten die drei Maschinen ab August 1998 zur Auslieferung. Zusätzlich orderte man vier weitere A320-200 mit 174 Sitzen zum Frühjahr 1999. Die ersten drei 727-200 verließen im November 1998 die Flotte. Doch auch Boeing konnte wieder Maschinen unterbringen und notierte sich vier 737-600 zur Ablieferung zwischen Mai 1999 und 2000 sowie Optionen auf drei weitere Flugzeuge der neuen 737-Generation. Nach der skandinavischen SAS war Tunis Air erst der weltweit zweite Betreiber dieses Typs. Das Thema Großraumflugzeug war aber noch nicht von der Agenda verschwunden: Am 7. Februar 2000 traf der erste Airbus A300-600R in Tunis Air ein. Drei Maschinen dieser neuen Version erwarb man von Airbus. Sie flogen zuvor bei Emirates (Dubai). Sie kommen auf wichtigen Europarouten sowie in den Mittleren Osten zum Einsatz. Erst im Oktober 2001 wurde der alte A300B durch einen A300-600R ersetzt.

Im Jahr 2000 schrieb Tunis Air erstmalig einen Verlust in ihrer Firmengeschichte; das gleiche passierte 2001 im Zuge der Terroranschläge. Der Bombenanschlag von Djerba 2002 tat sein übriges. Gestiegene Versicherungsprämien und höhere Kerosinkosten schlugen neben dem Ausbleiben von Touristen zu Buche Ein Sanierungsplan wurde aufgestellt und von 7.000 Mitarbeitern mussten 2.500 gehen. Bis dahin hatte Tunis Air neben dem eigentlichen Flugbetrieb alles selbst gemacht: Catering, Wartung, Training, Dokumentenerstellung. Nun wurde alles sukzessive in Töchterfirmen ausgegründet. Die Wartung sollte Lufthansa Technik künftig übernehmen. Eine weitere Tochter des Kranichs - Lufthansa Consulting plante für Tunis Air eine neue Geschäftsstrategie, die ab Winter 2005/06 umgesetzt wird. Bereits zum Sommer 2005 wandte man sich mit Prag, Budapest, Warschau und Belgrad neuen osteuropäischen Zielen zu.

Zukunftsaussichten
Die nächsten Schritte werden dann die Ablösung der Boeing 737-500 und der A320-200 sein, da dies die ältesten Maschinen sind. Die Flotenplanung muss dem künftigen Netz Rechnung tragen. 2003 hatte man das afrikanische Streckennetz ausgebaut und steuert nun auch Abidjan und Bamako an, während man in Beirut die Präsenz erhöhen will. Doch die Ambitionen der Tunis Air gehen noch weiter: man hat die Fühler in Richtung Kanada, USA und China ausgestreckt. Gerade bei Montreal/ Kanada rechnet man sich mit Französisch als Zweitsprache gute Chancen aus. Für die Langstrecke wird ein Flugzeug mit etwa 200-250 Sitzen benötigt - die Entscheidung wird wohl zwischen Airbus A330-200 und Boeing 787 fallen. Für die anderen Strecken setzt man wahrscheinlich auf die 737-800. Einer Airline-Allianz wie Star Alliance oder OneWorld gehört Tunis Air nicht an. Mit "Arabesk" wollen die arabischen Airlines nun aber ihren eigenen Allianz-Verbund auf den Weg bringen. Nach gegenwärtigem Stand gehören neben Tunisair noch Egypt Air, Middle East Airlines, Royal Jordanian Airlines, Gulf Air, Oman Air, Yemen Airways und Saudi Arabian Airlines ihr an. Geplant wären eine Abstimmung der Flugpläne, eine Zusammenarbeit im Bereich von Reservations- und informations-Systemen, eine Zusammenlegung von Abfertigungs-Stellen und eine engere technische Zusammenarbeit.

Stand: Oktober 2006

Ziele:
Inland, Nordafrika, Europa, Nahost, Golfregion, Westafrika

Flotte:
..3 Airbus A300-600R
..4 Airbus A319-100
12 Airbus A320-200
..1 Boeing 727-200
..2 Boeing 737-200
..1 Boeing 737-200C
..4 Boeing 737-500
..7 Boeing 737-600

Ausführlicher oder aktueller gewünscht? Schreiben Sie mir: webmaster@berlinspotter.de