Dornier 328-110 D-CATS (M. Winkler)

Tempelhof Express GmbH - TEX

ehemals deutsches Luftfahrtunternehmen                                                     Sitz: Berlin-Tempelhof
ex-Dreilettercode: SBY             ex-Zweilettercode: FC             ex-IATA-Nr.: 859      ex call sign: BRANDY

Am 1. November 1998 rollte die Dornier 328 D-CATS der Tempelhof Express in Berlin an den Start und hob zum Jungfernflug der Airline gen Köln/Bonn ab. Vorher hatte der Airline-Chef, Hans-Henning Romberg, das Credo der Airline umrissen: Die neue Fluggesellschaft wolle ein auf Geschäftsreisende ausgerichtetes Angebot schaffen und vornehmlich den interessanten und durch den damals bevorstehenden Regierungsumzug wachsenden Markt Berlin-Köln bedienen. "Unsere Kunden sind von Tempelhof aus in fünf. Minuten am Potsdamer Platz und profitieren am Flughafen von einem Check-In von zehn Minuten.

Aus TAL Thuringia entstanden
Die Wurzeln der Airline liegen in der Regionalfluggesellschaft TAL Thuringia. Diese dümpelte seit ihrer Gründung durch Fusion der BSF Berliner Spezialflug und der SAL Saxonia im Jahr 1996 mit ihren Regionaldiensten ab Erfurt mehr schlecht als recht vor sich hin. Hans-Henning Romberg, seit 1997 in der Luftfahrtbranche tätig, erkannte als profunder Kenner der deutschen Airline-Landschaft gleichwohl ein interessantes Potential für einen Re-Launch der Airline, für die er zuvor bereits als Berater tätig war. Gemeinsam mit dem TAL Gesellschafter und Geschäftsführer der Piper Generalvertretung Deutschland AG, Wilfried Otto, und einem ungenannt bleiben wollenden Hamburger Geschäftsmann kaufte er im Spätsommer 1998 die TAL Thuringia auf, deren Geschäftstätigkeit zum Ende des Sommerflugplans 1998 auslief. Die Tempelhof Express GmbH entstand, die sich in Windeseile daran machte, ein Flugprogramm für den Winterflugplan 1998/99 zu organisieren. Mit 22 Mitarbeitern, davon 12 Mann fliegendes Personal, ging Romberg an den Start. Als Fluggerät stand die einzige Dornier 328-110 der TAL zur Verfügung, die seit Frühjahr 1997 im Auftrag der Eurowings auf deren Streckennetz und in deren Farben eingesetzt worden war. Romberg erachtet die Do328 als ideales Flottenmuster für seine Pläne: Die Dornier 328 bietet den höchsten Komfort aller Turbopropflugzeuge, den niedrigsten Geräuschpegel und die schnellste Reisegeschwindigkeit."

Der Name ist Programm
Tempelhof Express - der Name der neuen Airline spiegelt das angepeilte Marktsegment wider: Ein attraktives Alternativangebot für eilige Geschäftsreisende vom Berliner Cityflughafen Tempelhof. Eurowings hatte es mit der Aufnahme von Flügen nach Frankfurt 1996 vorgemacht, und auch die RAS Airlines mit ihren Flügen von Tempelhof zum Düsseldorfer Express Airport setzt auf das Konzept, mit einem attraktiven Nischenangebot gegen die übermächtige Konkurrenz von Lufthansa und Deutsche BA anzukämpfen und insbesondere High-Yield-Kundschaft zu gewinnen, die bereit ist, persönlichen Service, schnellen Check-In und günstige Verkehrsanbindungen mit etwas teureren Tickets und kleinerem Fluggerät zu bezahlen. Im Visier der Tempelhof Express war die Strecke nach Köln/Bonn. Durch den Umzug zahlreicher Bundesbehörden in die neue "alte" Hauptstadt Berlin und die daraus resultierende Zweiteilung der Bundesverwaltung verspricht sich TEX eine starke Nachfrage nach Flügen zwischen beiden Städten. Da der Flughafen Tempelhof nur weinige U-Bahn-Stationen vom Regierungsviertel entfernt liegt, ist er nach Einschätzung des TEX-Teams die erste Wahl für Pendler zwischen Köln/Bonn und Berlin.

Man setzt bis 2007 auf Tempelhof
Doch ein Problem bleibt - der Beschluß der Politiker, den Flughafen Tempelhof im Jahr 2002 zu schließen. Tempelhof Express hat die Gefahr, ihrer Heimatbasis beraubt zu werden, gleichwohl nicht abgeschreckt. Romberg ist zuversichtlich und hofft, daß Tempelhof mindestens bis zum Jahr 2007 geöffnet bleiben wird - in diesem Jahr sollte der neue Flughafen Berlin-Brandenburg International in Schönefeld in Betreib gehen. Aufgrund einer Klage des unterlegenen Bieterkonsortiums ist aber mit Verzögerungen auch dort zu rechnen. Romberg geht davon aus, daß gegen die geplante Schließung Tempelhofs bis vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt werden und deshalb der Cityairport bis 2007 dem Flugbetrieb zur Verfügung stehen wird. Deshalb sei Tempelhof ein Wachstumsmarkt und weise seit zwei Jahren hohe Zuwächse und zunehmende Beliebtheit bei den Passagieren auf. Eine positivere Zukunft für Tempelhof, so darf gemutmaßt werden, erhofft sich die Gesellschaft auch mit Blick auf die neue SPD-geführte Regierung, ist doch deren neue Parteizentrale lediglich zweieinhalb Minuten vom Flughafen Tempelhof entfernt.

Innerdeutsch nach Köln/Bonn
Gegenwärtig umfaßt das Flugprogramm der Tempelhof Express drei werktägliche Flüge zwischen Rhein und Spree, wobei die Maschine einen Nachtstop in Köln/Bonn einlegt, um dort bei NAYAK über Nacht in die Wartung zu gehen. Anfang 1999 wurde das Flugprogramm umgestaltet, um die Maschine über das Wochenende an der Heimatbasis Berlin zu haben. Freitags wird daher ein spätabendlicher Flug nach Berlin angeboten. Im LInienbereich ist TEX am Wochenende nur am Samstagmorgen und Sonntagabend mit je einem Umlauf aktiv und man hat damit begonnen, für das Wochenende Kurzketten, u.a. für den Sommer nach Österreich, zu akquirieren.

Attraktivität durch Top-Service
Mit siebzig Minuten liegt die Blockzeit der Dornier 328 auf der Strecke Köln/Bonn-Berlin nur fünf Minuten über jener der Jetkonkurrenz von Lufthansa und Deutsche BA. Auf einen Preiskampf will sich TEX nicht einlassen. Mit Preisen von 129 DM bis 349 DM für die einfache Strecke CGN-THF liegt man leicht über den arrivierten Marktführern. Überzeugen will man vielmehr nicht nur durch die Vorteile des Standorts Tempelhof, sondern auch durch Verzicht auf Vorausbuchungs- und Mindestaufenthaltsrestriktionen. Zudem soll dem anspruchsvollen Reisenden ein individueller Service geboten werden, zu dem man sich als kleine Airline eher in der Lage sieht als große Gesellschaften.

Erstes Auslandsziel Göteborg
Für die Mittagszeit schließt Tempelhof Express die Lücke mit einer Auslandslinie von Tempelhof nach Göteborg. Zunächst dreimal wöchentlich fliegt man mit einer Flugzeit von neunzig Minuten in die schwedische Metropole. Die Ticketpreise liegen auf dieser Strecke zwischen 399 DM und 1016 DM für den einfachen Flug, allerdings ist die Nachfrage zurückhaltend. Während die Köln/Bonn-Strecke bereits nach acht Wochen eine durchschnittliche Auslastung von über 50 % verzeichnen konnte und der load factor mittlerweile deutlich darüber liegt, mußten die Flüge Richtung Göteborg anfangs nicht selten ganz gestrichen werden. Seit Anfang Februar 1999 hat TEX einen eigenen Repräsentanten in Göteborg und die Buchungszahlen nehmen zu. Verhandlungen mit der am 3. März 1997 gegründeten Cosmos Air (am 1.5.'99 von Cirrus übernommen), zu der freundschaftliche Kontakte gepflegt wurden, liefen an, damit diese ihre Mannheim-Flüge auf den Göteborg-Anschluß mit TEX abstimmte.

Blick in die Zukunft
Göteborg soll nicht die einzige Auslandsdestination bleiben. Für den Spätsommer 1999 plante man eine weitere Expansion mit einer zweiten Dornier 328. Sobald das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und Polen dies ermöglicht, möchte TEX nach Katowice oder Krakau fliegen. Verkaufschefin Gleissner wünscht sich auch die Destinationen Lyon und Nizza. Ebenfalls im Visier ist eine Strecke nach Graz via Linz. Ob sich hingegen die Hoffnungen erfüllen, daß Tempelhof Express die Airline sein wird, die in Nachfolge der Conti-Flug mit Flügen zum London City-Airport endlich wieder die Express-Flughäfen zwei der wichtigsten europäischen Hauptstädte miteinander verbindet, ist unsicher. Das bedächtig rechnende Führungsteam bei TEX scheint sich zur Aufnahme dieser in Berlin einst beliebten Strecke nicht drängen zu lassen. Kein Wunder, denn in den low-yield-Markt London als kleine, unabhängige Airline einzusteigen, ist sicherlich kein risikofreies Unterfangen.

Ab dem 4. Mai reduzierte TEX die Strecke Köln/Bonn-THF auf zwei tägliche Umläufe, um so die Dornier 328 einmal täglich (Mo-Sa) auf der von Rheintalflug aufgegebenen Linie Berlin-FDH am Tagesrand einsetzen zu können. Man fliegt auch eine neue Sommerlinie von Berlin nach Heringsdorf/Usedom, dies in Konkurrenz zu Augsburg Airways.

Die Aufnahme der neuen Linien nach Polen verzögert sich indes, weil die verkehrsrechtlichen Abkommen zwischen Deutschland und Polen von Berlin aus keine Interregionalverbindungen von anderen Gesellschaften als Lufthansa, Eurowings und LOT zulassen. Als Ausweg wird TEX nunmehr von Heringsdorf aus nach Polen fliegen, das keinen derartigen Einschränkungen unterliegt, und ein Routing Köln/Bonn-Berlin THF-Poznan anbieten. Der Einsatz einer zweiten Dornier 328 wurde wegen dieser Verzögerung verschoben.

September 1999

Quelle: Matthias Kilian jetstream 3/99

ex Streckennetz:

innerdeutsch von Berlin THF nach Köln/Bonn, Friedrichshafen, Heringsdorf internationale Routen führen nach Göteborg, Poznan, Nizza

Flotte:

1 Dornier 328-110 - gemietet aus privater Quelle