Boeing 767-300 (ER) OO-SLR in der letzten Bemalungsvariante (Oliver Pritzkow, BRU 24.7.01)
Sobelair N.V
belgisches Luftverkehrsunternehmen                                        Sitz : Brüssel-National
Dreilettercode : SLR                Zweilettercode : Q7                   IATA-Nr. 644
ICAO call sign: SOBELAIR                                                  Web: www.sobelair.be
Tochter der Belgian World Airlines N.V.

Sobelair wurde am 30. Juli 1946 von ehemaligem fliegenden Personal des belgischen Flagcarriers SABENA gegründet, um einen touristischen Flugweg aus dem Ostkongo den Nil entlang nach Belgien zu eröffnen. Das Anfangskapital von 3,5 Mill. Bfrs. wurde im Oktober 1947 durch Einlagen im Kongo tätiger Gesellschaften auf 18 Mill. Bfrs. erhöht. 1949 traten diese Unternehmen ihre Anteile an Sabena ab.
1947 nahm Sobelair als erste Fluggesellschaft überhaupt eine Verbindung mit Äthiopien auf. Zunächst standen Douglas DC-3, später auch DC-4 und DC-6 für die Flüge zur Verfügung, die nur am Tage stattfanden - nachts wurden die Reisenden in Hotels untergebracht. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kongo 1960 operierte Sobelair als Chartergesellschaft hauptsächlich im Touristik-Charterbereich (Flugpauschalreisen) und setzte seit 1971 auf Jetgerät. Hier kamen ehemalige Sabena-Caravelle zum Zuge.
Von 1957 bis 1962 baute Sobelair im Auftrag der Sabena mit Cessna 310 auch ein inlandisches Streckennetz auf.
Douglas DC-3 Cessna 310 für Inlandsstrecken Fokker 27-400


Douglas DC-6 (alle Fotos Sobelair.be)

Am 1. März 1980 beschlossen die Aktionäre der Sobelair eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft von 125 Mill. Bfrs. auf 451 Mill. Bfrs., wobei die Sabena-Beteiligung bei 470 Mill. Bfrs. lag, was 72,29 % entsprach.
1988 wurde die letzte Boeing 707 verkauft und man hatte nun eine reine Boeing-737-Flotte. Im Frühjahr 1993 wurde eine neue helle Bemalung eingeführt, die sich am Vorbild der Muttergesellschaft Sabena orientierte. 1994 traf die erste Boeing 767-300ER ein; eine zweite folgte zwei Jahre später. Nun wurden auch wieder Fernziele angesteuert.

1995 beteiligte sich die Swissair mit 49,7 % am Mutterunternehmen Sabena. Vom Zusammenschluß mit der Sabena erhoffte sich die Swissair vor allem einen ungehinderten Zugang zum europäischen Binnenmarkt (die Schweiz war noch immer kein EU-Mitglied) und zum immer wichtiger werdenden Flughafen Brüssel. Sobelair nahm 1996 Verhandlungen auf, um sich bis zu 40 % an der privaten schweizerischen TEA, die seinerzeit Boeing 737-300 einsetzte, zu beteiligen. Damit würde die Achse zwischen Sabena und Swissair auch im Charterbereich aufgewertet, wobei vorherige Überlegungen einer gemeinsamen Chartertochter ad acta gelegt wurden. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollten die Langstreckennetze im Charterbereich aufeinander abgestimmt werden, wobei die beiden Sobelair Boeing 767-300ER gemeinsam genutzt werden sollten. Die angedachte Allianz wurde dann seitens der Belgier abgebrochen, da Sobelair ihre Aktivitäten mit der Swissair-Tochter Crossair im Charterbereich ausweitete.
Caravelle VI-N OO-SRB in der älteren Bemalung
(S.Williams, Palma 15.1.1972)
Caravelle VI-N OO-SRB in der späteren Bemalung
(E.Marmet, Basel 04/1976)
Boeing 707-373C OO-SBU
(K.Nilsson, Stockholm 1.10.1986)
Für den Sommer 1995 mietete Sobelair eine Boeing 727-212 von Sterling European. Es kam allerdings zu einigen Lärmbeschwerden, so daß sich der Carrier im nächsten Sommer nach anderem Fluggerät umsehen wollte. Es wurden aber sogar zwei Boeing 727-200 der selben Fluggesellschaft im nächsten Jahr angemietet. Sobelair ließ gleichzeitig verlauten, daß eine Flugzeugbestellung kurz vor dem Abschluß steht. Am 4. Oktober 1995 gab der Carrier eine Boeing 737-229 an die Mutter Sabena zurück, ebenso wie eine Boeing 737-3Y0 am 23. Oktober an GPA/ GECAS retourniert wurde, die diese wiederum an EuroBelgian vermietete. Von der türkischen Birgenair wurde am 11. Mai eine Boeing 737-3M8, die zuvor an Cameroon Airlines vermietet war, geleast. Mit Beginn Juni 1996 wurde eine Boeing 767-328ER für zwei Jahre von Air France angemietet. Es folgte ein Airbus A300B4-103 von der irischen Translift, der auf Wet-Leasing-Basis für die Charterspitzen vom 26. Juni bis September 1996 für Sobelair flog.

Im Sommer 1997 kam die Boeing 767-300ER auch auf den Swissair-Leisure-Flügen ab Zürich nach San Francisco und Las Vegas zum Einsatz, da sich der Airbus A310-300 der Balaircta für diese Nonstopflüge nicht eignete. Zum Jahreswechsel 1997/98 verständigte man sich mit der Sabena, die 767-300 in der kommenden Saison dreimal wöchentlich nach Dakar und weiter nach Banjul sowie nach Bangkok und weiter nach Phuket einzusetzen. Mit Pembroke Capital vereinbarte Sobelair die Anmietung einer neuen Boeing 737-300 für fünf Jahre ab März 1998. Zusätzlich mietete man von der französischen L'Aeropostale zum 30. März 1998 eine Boeing 737-3B3 (QC) für sieben Monate. Im Sommer kam erneut der A300B4-103 EI-CJK der irischen TransAer sowie neu auch eine 737-400 der Luxair (LX-LGF) bei Sobelair zum Einsatz. Im folgenden Jahr besorgte man sich von Virgin Express eine 737-400.
Boeing 737-229 OO-SBT in der alten Bemalung
(P.Tonna, Malta-Luqa 13.5.1993)
Boeing 737-429 OO-SBM in der alten Bemalung
(J.Simmrock, SXF Anfang 90er Jahre)
Boeing 727-200 OY-SEZ von Sterling
(T.Marimon, Palma 08/1996)

Im November 1998 steuerte Sobelair mit 767-300ER einmal wöchentlich die Karibikinsel Curacao von Brüssel aus an. Von Flightlease besorgte sich Sobelair zwei neue Boeing 767-300ER mit PW4000-Triebwerken, die die beiden bisher eingesetzten Maschinen ersetzten. Die erste 767-300ER OO-STF ging im März 2000 an den Vermieter zurück und wurde durch die OO-SLR ersetzt. Diese erhielt als erste Maschine den neuen Anstrich der Sobelair. Am 12. April nahm sie den Liniendienst auf. Am 2. Dezember 2000 wurde dann die OO-SBY durch die neue OO-SLS ersetzt. Die Maschine wurde direkt aus der LTU-Werft geliefert. Die ältere 767-300ER ging via Ansett Worldwide an Vietnam Airlines. Für die Sommersaison 2000 mietete man sich für den Kurz- und Mittelstreckenbereich diesmal einen A320-231 EI-TLI von TransAer, der bis September in der Sobelair-Flotte verblieb.

Beim Reiseveranstalter Jetair konnte man einen 3-Jahresvertrag unter Dach und Fach bringen und verpflichtete dann zwei 737-300 für dessen Flugangebote. Gleichzeitig konnte man neue Konkurrenz außer Landes halten, denn ursprünglich wollte Hapag Lloyd mit einer neuen Tochter namens Hapag Lloyd Belgium zum März 2001 eben jene Kontrakte abfliegen. Später kaufte sich der deutsche Touristik-Konzern bei Jetair ein.

Kurz nach Jahresbeginn 2001 scheiterte die erst unlängst gegründete Brussels International - Sobelair übernahm hier aus der Konkursmasse die Boeing 737-400 OO-RMV (per Leasing für drei Jahre via Sunrock Aircraft), die als erste Maschine dann auch gleich die neue dunkelblaue Bemalung erhielt. Im Sommer 2001 waren zusätzliche JetAir Company-Sticker aufgebracht. Eine weitere 737-400 stiess im Sommer mit der OO-SLW (ex Eco SU-HMD) zur Flotte.

Zum 1. April 2001 endete der Vertrag mit dem Reiseveranstalter Van der Valk, für den man mit Boeing 767-300ER nach Curacao geflogen war. Dieser nutzte fortan die Boeing 757-200 der Air Holland. In Air ALM fand Sobelair aber sofort einen neuen Partner und flog für diese dann das Routing Curacao-Amsterdam. Air ALM hatte zuvor auf die MD-11 der CityBird zurückgegriffen, was sich aber als zu kostpielig erwies. Auch mit der schweizer Balair trat man zwecks deren Boeing 767-300 und Boeing 757-200 in Verhandlungen, bewegte sich diese doch schon am Rande des Bankrotts.
Airbus A300B4-204 EI-CJK -geleast von TransAer
(O.Pritzkow, Malta 7.9.1999)
Boeing 767-328 (ER) OO-STM
(O.Wendt, SXF Dez. 2000)
Boeing 737-46B OO-SBJ mit Jetair-Sticker
(O.Pritzkow, BRU 24.7.01)

Am 7. November 2001 musste die Muttergesellschaft der Sobelair, Sabena, in Folge der Swissair-Bauchlandung ebenfalls Konkurs anmelden. Sabena übertrug die Streckenrechte ihrer 100-prozentigen Tochter Delta Air Transport (DAT), die sich bald darauf SN Brussels Airlines nannte. Diese bekam aber nicht genug Geld zusammen, um auch entsprechende Flugzeuge zu übernehmen und verhandelte nun mit verschiedenen Airlines über die Aufnahme von neuen Routen nach Afrika. Neben der belgischen Neugründung VG Airlines (später Delsey) war auch Sobelair mit 767-300 im Gespräch. Letztendlich übernahm Birdy Airlines, eine Ausgründung aus der SN-Masse, diese Routen.
Aber auch Sobelair war seit einigen Wochen ein Wackelkanditat und der deutsche Touristikkonzern Preussag (TUI) bekundete im Herbst 2001 sein Interesse an einer Übernahme, zog sich dann im Februar 2002 aber wieder zurück, da man längerfristig keine Überlebenschancen sah. Stattdessen übernahm im Juni 2002 eine Investorengruppe namens Belgian World Airlines die Sobelair. Die Investoren planten, Sobelair auch im Liniengeschäft zu etablieren und Flüge von Brüssel nach Athen, Istanbul, Kairo, Moskau und Tel Aviv aufzunehmen. Ab Herbst 2002 wollte man zudem auch Flüge nach Johannesburg und Kapstadt aufzunehmen. Von der schweizer Belair (Ausgründung aus der bankrotten Balair) mietete man zum 25. Juni 2002 die Boeing 767-300 HB-IHV, die auf OO-IHV umregistriert wurde. Mit der OO-SDV kam eine Boeing 737-300 der ehemaligen Sabena vom 28. Juni bis Ende Dezember zum Einsatz. Von Germania leaste man bis Ende September die Boeing 737-300 D-AGEJ. Am 21. November 2002 gab es einen weiteren Flottenzuwachs, als Sobelair ihre vierte Boeing 767-300 übernahm; rechtzeitig zur Streckeneröffnung nach Johannesburg. Anfang Dezember traf auch die erste Boeing 737-800 OO-VAS ein. Die Maschine war mit Winglets ausgerüstet und von Boullion Aviation gemietet. Zugleich wurde die Miete der 737-300 OO-SBX verlängert.

Mit Beginn des neuen Jahres 2003 trat man wieder an den TUI-Konzern (zuvor Preussag) heran und wollte für diesen zwei Boeing 737 in der neuen hellblauen "World of TUI"-Bemalung betreiben. Sobelair gehörte zwar nicht zum TUI-Verbund, war aber Hauptauftragnehmer der belgischen TUI-Reiseveranstalter. Umlackiert wurden je eine 737-300 und 737-400, die für Jetair flogen. Kurz darauf gab es Berichte von einer bevorstehenden Kooperation mit SN Brussels Airlines. Diese war dann im Juni unterschriftsreif und so setzte Sobelair gelegentlich zwei der drei A319-100 der SN Brussels auf Charterflügen ein.

Ende Mai 2003 nahm Sobelair erneut Kontakt zu SN Brussels Airlines auf, da man sich nach eigenen Angaben in Liquiditätsproblemen befand und die Möglichkeiten einer Kooperation mit oder Übernahme durch SN Brussels Airlines auszuloten. SN Brussels Airlines machte konkrete Verhandlungen von der Reduktion der Personal- und Leasingkosten abhängig.
Boeing 737-86Q OO-VAS
(F.Sanchez, BRU 2.1.04)
Boeing 737-8BK OO-VAC in World of TUI cs.
(N.Deblauwe, OST 11.1.04)
Boeing 767-3BG OO-SLT in Dutch Caribbean cs.
(T.de Groot, AMS 12.10.03)

Ab 26. Juni 2003 flog Sobelair einmal wöchentlich mit 767-300 von Brüssel nach Sansibar. Die erst kürzlich eingeführte Bedienung Johannesburgs wurde zum 1. Juli 2003 nach nur wenigen Monaten eingestellt. Auf der Amsterdam-Curacao-Route flog die jüngst übernommene 767-300 OO-SLT inzwischen in voller Bemalung der Dutch Caribbean Airlines (DCA) - so nannte sich nun die ehemalige Air ALM.

Sobelair hat ihre Boeing 767-3BG OO-IHV Ende Juli 2003 an die Leasinggeberin retourniert. Die Maschine fliegt mittlerweile als ET-ALL bei der Ethiopian Airlines. Neu von CIT Aerospace gemietet wurde eine weitere Boeing 737-800 OO-VAC (c/n 33014), die im Auftrag der belgischen TUI-Tochter Jetair eingesetzt wurde.

Der CEO der Sobelair, Leo Mellaerts, hatte Anfang November 2003 sein Amt nach Differenzen mit dem Mehrheitseigner der Sobelair, Aldo Vastapane, niedergelegt. Grund war fehlender Rückhalt Vastapanes für Entscheidungen Mellaerts.
Sobelair beantragte Anfang Januar 2004 Insolvenzschutz. TUI Belgium zeigte sich an einer Übernahme der Flugzeuge und der Angestellten interessiert, um ihre angekündigte Low-cost-Tochter Sunrise an den Start zu bringen. Dieser Vorschlag war jedoch unter der Bedingung gemacht worden, dass vom Handelsgerichtgericht ein Gläubigerschutz über das angeschlagene Unternehmen eröffnet wird. Das Brüsseler Handelsgericht erklärte das Unternehmen jedoch am 19. Januar 2004 für insolvent. Die rund 450 Beschäftigten verloren ihre Arbeit.

Januar 2004

Streckennetz :

einige Liniendienste nach Afrika, hauptsächlich aber Charter vorrangig in die Mittelmeer-Region

Flotte :

1 Boeing 737-329 opf Jetair in World of TUI cs. 1 Boeing 737-3M8 lsf Babcock & Brown 5/96, ex TC-BIR 1 Boeing 737-408 lsf Sunrock 2/01, ex TF-FIA 1 Boeing 737-429 1 Boeing 737-46B opf Jetair in World of TUI cs. 1 Boeing 737-448 lsf UniCapital Group 6/01, ex SU-HMD 1 Boeing 737-86Q (Winglets) lsf Boullion Aviation 12/02 1 Boeing 737-8BK (Winglets) lsf CIT Aerospace, opf Jetair World of TUI cs. 2 Boeing 767-3BG (ER) geleast 1 Boeing 767-330 (ER) lsf ILFC 3/03, ex I-VEIY