
Lowcost-Markennamen der SAS Scandinavian Web: www.flysnowflake.com
Der skandinavische Luftverkehrsmarkt wurde in den letzten 50 Jahren von SAS Scandinavian Airlines, dem Gemeinschaftsunternehmen von Schweden, Dänemark und Norwegen, dominiert. Es hat immer wieder Versuche unabhängiger Carrier gegeben, aber diese existieren meist nicht lange oder wurden von SAS als Partnerairline absorbiert. Da aber immer mehr europäische Low-coster auf den Markt drängten, traf SAS im Dezember 2002 die Entscheidung, eine eigene Low-cost-Tochter zu gründen.
SAS war seit Gründung eine innovative Airline. Schon ein Jahr nach Betriebsaufnahme begann man mit Flügen über den Nordpol als erste Fluggesellschaft der Welt. 1952 führte man als Erster die Tourist Class ein. So ist es eigentlich nicht verwunderlich , dass man nun mit einem eigenen Low-cost-Modell ein neues Kapitel aufschlägt.
Hintergrund
In den letzten zehn Jahren betraten einige Low-cost-Anbieter den skandinavischen Markt. Sie hatten aber nur geringen Erfolg. Sowohl Color Air (Norwegen) als auch Good Jet (Schweden) boten den Skandinaviern Billig-Flüge an. Sie konnten aber letzten Endes nicht gegen die starke SAS bestehen. Beide Airlines konnten nicht genug Nachfrage für ihre Dienste generieren. Trotzdem spielten sie eine wichtige Rolle in der Verbreitung des Low-cost-Modells in der Region. Die Geschäftsideen waren gut - nur fehlte der finanzielle Hintergrund oder man konnte nicht tief genug in den Markt eindringen, um Profite einzufahren.
In den Tagen nach dem 11. September 2001 brach das Passagieraufkommen zusammen. SAS musste Möglichkeiten erörtern, wie die eigene Zukunft abzusichern sei. Wie viele andere Airlines war auch das skandinavische Unternehmen stark betroffen. Das Steuerjahr 2001 wurde mit einem Defizit von 1,1 Mrd. Schwedischen Kronen (165 Mio. €) abgeschlossen. Ein Rettungsplan war nötig, um einen Bankrott abzuwenden. SAS hatte natürlich das Treiben der Color Air und Good Jet genauestens beobachtet und wollte nun die eigentlich gut klingende Geschäftsidee ohne die Fehler der beiden Airlines als Restrukturierungs- und Kostensparprogramm umsetzen.
Betriebsaufnahme
Nach Monaten der Spekulation bestätigte SAS im Dezember 2002 die Absicht, eine eigene Low-cost-Tochter unter dem Arbeitstitel "SAS Lite" ins Leben zu rufen. Am 30. März 2003 begannen die Dienste mit vier Boeing 737-800 ab Kopenhagen und Stockholm.
Die Airline glaubte an eine starke Nachfrage von Privatreisenden, die einfach nur günstig fliegen wollten und offerierte diesem Marktsegment eine einfache One-Way-Ticket-Struktur und die Möglichkeit an Bord Verpflegung zu kaufen. Gleichzeitig sollten die bekannten SAS-Qualitätsstandards erhalten bleiben.
Nach langer Diskussion verständigte man sich auch auf einen endgültigen Namen für die neue Schwester: Anfang 2003 wurde "Snowflake" ausgewählt. Man wollte keinen Standard-Airlinenamen. Gewünscht war etwas poetisches mit Skandinavien-Touch. Der Countdown zur Betriebsaufnahme 30. März 2003 lief. 90.000 Tickets waren bereits verkauft. Snowflakes erstes Flugzeug hob um 8.00 Uhr in Stockholm-Arlanda (ARN) Richtung Istanbul ab, während um 15.50 Uhr eine weitere Maschine von Kopenhagen nach Bologna flog. In den nächsten sieben Tagen liefen weitere Dienste nach Alicante, Athen, Bologna, Lissabon, Malaga, Palma, Pristina und Sarajevo ab Kopenhagen und von Stockholm ARN nach Alicante, Athen, Barcelona, Bologna, Budapest, Dublin, Istanbul, Malaga, Nizza, Prag und Rom an.

Expansion
Die große Nachfrage während der ersten zwei Monate ermunterte Snowflake zur Ausdehnung ihres Low-cost-Angebotes und so folgten zum Oktober 2003 ab Stockholm-Arlanda Dienste nach Beirut, Belgrad und Lyon und ab Kopenhagen nach Istanbul. Diese neue Strecken wurden durch Frequenzreduzierungen auf den anderen Routen ermöglicht - man nutzte weiterhin nur vier Boeing 737-800.
Zum Sommerflugplan 2004 fuhr Snowflake die Kapazitäten hoch und stellte für weitere Routen und neue Ziele eine fünfte Maschine in Dienst. Einher ging ein Wechsel zum Flugzeugmuster MD-80 - mit ihr werden heute viele Routen beflogen. Ab Stockholm-Arlanda kommen nun zwei 737-800 und eine MD-80 sowie ab Kopenhagen zwei MD-80 zum Einsatz. Einzige Ausnahmen sind nur die Montagsflüge von Kopenhagen nach Beirut und Istanbul, die mit dem 184-sitzigen Airbus A321 der Mutter SAS bedient werden.
Die neuen Dienste führten ab 28. März 2004 nach Ankara, Split und Valletta (sowohl ab Stockholm als auch Kopenhagen), während Beirut, Lissabon und Skopje neue Ziele ab Dänemark und Bilbao, Inverness, Lissabon, Olbia, Palma und Venedig neue Ziele ab Schweden waren. Diese neuen Routen waren aber nur für die nachfragestärkere Sommersaison gedacht. Für die Strecke Stockholm - Inverness sprach auch der starke Messeflugverkehr sowie Golf und Irischer Whiskey.
Obwohl einige Ziele von beiden Hauptstädten aus bedient werden, weisen sie doch unterschiedliche Marktcharakteristiken auf. Bisher steuerte Snowflake hauptsächlich Zentral- und Südeuropa aber man schaut sich nach Zukunftsoptionen um - besonders in Richtung Nordafrika.
Ein neuer Aufbruch
Snowflake wurde nicht als eigenständige Low-cost-Airline gegründet sondern als Geschäftsmodell innerhalb der SAS. Das Flugzeug, die Cockpit- und Cabin-Crew kommen alle direkt von SAS, um die Snowflake-Dienste durchzuführen. Das heisst, schon am nächsten Tag könnten sie auf einem SAS-Flug Business Class-Passagiere bedienen und danach wieder Getränke und Snacks bei Snowflake verkaufen.
Die Beziehung SAS-Snowflake führt aber auch zu Problemen, da prinzipiell jedes SAS-Flugzeug auch für Snowflake fliegen könnte. So ist eine 737-800, die ab Stockholm fliegt, im normalen SAS-Europa-Standard bestuhlt: 150 Passagiere inklusive kleiner Business Class vorn. Realistisch gesehen hat das Flugzeug zu wenig Sitze. 179 Standard-Economy wären besser, so Ludmilla Lindecrantz, Chefin von Snowflake. Die Airline ist wahrscheinlich der einzige Low-coster, die ihren Passagieren den Komfort einer Business Class-Kabine zu Billigpreisen bietet. Aber dies änderte sich bald, als besagte Maschine im Sommer 2004 auf 164 Sitze umgerüstet wurde. Gleichzeitig wurden zwei MD-80 von 145 auf 150 Sitze umgebaut. Dies sollte die Airline schneller profitabel machen. Zum 1. Geburtstag legte Snowflake ein besseres 12-Monats-Ergebnis vor als gedacht. Trotz hoher Auslastung werden aber noch Verluste eingeflogen. Eine signifikante Kosteneinsparung konnte aber durch Verlagerung des Buchungsvorgangs, der nun über ein Web-Portal abgewickelt wird, erreicht werden. Um beim 2. Geburtstag aber ein positives Ergebnis vorzeigen zu können, sind noch weitere Maßnahmen notwendig. Gegenwärtig kostet die Durchführung eines Snowflake-Fluges genauso viel wie ein SAS-Flug, da das gleiche Flugzeug und die gleiche Crew eingesetzt werden. Snowflake operiert aber mit niedrigerem Yield und muss daher eine höhere Auslastung erreichen. Mit den Gewerkschaften wurden schon wichtige Änderungen beschlossen und eventuell wird Snowflake doch eine eigenständige Tochter der SAS. Als Ende 2003 die Aufspaltung der SAS in fünf eigenständige Teilbereiche zur Diskussion stand, sah es schon sehr danach aus.

Zum Sommeranfang wurde das Ziel Belgrad wegen geringer Auslastung ab Kopenhagen und Stockholm gestrichen. Im Juli und August startete SAS ein neues Low-cost-Experiment und liess ein bestimmtes Kontingent der regulären Flüge ab Stockholm ARN nach Amsterdam, Brüssel, Dublin, Edinburgh, Mailand MXP und Paris CDG über die Low-cost-Tochter Snowflake vertreiben.
Ab Oktober sollte zweimal wöchentlich Kairo ab Kopenhagen bedient werden. Snowflake wollte dafür die Routen von Stockholm ARN nach Bologna und Venedig zu Ende Oktober beenden. Doch kaum nahte der Winterflugplan gab SAS drastische Einschnitte bei Snowflake bekannt. So strich man die Routen von Kopenhagen nach Ankara, Lissabon, Palma de Mallorca, Skopje und Split sowie von Stockholm Arlanda nach Alicante, Ankara, Beirut, Bilbao, Bologna, Lissabon, Lyon, Malaga, Malta, Olbia, Palma de Mallorca, Split und Venedig Marco Polo. Snowflake fliegt weiterhin sechsmal wöchentlich von Stockholm nach Budapest, 2x wöchentlich von Kopenhagen nach Alicante und Malaga, von Stockholm Arlanda nach Athen, Istanbul, Nizza und Rom Fiumicino sowie wöchentlich von Kopenhagen nach Beirut, Istanbul, Pristina und Sarajevo. Zudem wird man an Bord der SAS-Maschinen ein kleines Lowfare-Kontingent über Snowflake ab November verkaufen.
Streckennetz:
Budapest, Alicante, Malaga, Athen, Istanbul, Nizza, Rom FCO, Beirut, Pristina, Sarajevo
2 MD-80 von SAS 2 Boeing 737-800 von SAS