Airbus A310-300 D-AHLZ (Foto: M. Schulz)
S7 Airlines


russische Airline                                                     Sitz: Novosibirsk, Irkutsk, Moskau
2-/3-Lettercode: S7 / SBI         Call-sign: SIBERIAN AIRLINES        Web: www.s7.ru
privat

S7 Airlines firmierte bis Ende 2004 als Siberia Airlines und nutzt seitdem ihren 2-Lettercode S7 als Firmennamen. Grund für diese Umbenennung war die Hinwendung zu Europa – man wollte nicht mehr mit dem kalten und unwirtlichen Sibirien assoziiert werden. Zwar ist die Heimatbasis weiterhin am Novosibirsker Tolmachovo Airport zu finden, doch eine Niederlassung samt Wartungskomplex gibt es auch in Moskau-Domodedovo.
Das Streckennetz der S7 erstreckt sich über das gesamte Russland: vom westlichen St. Petersburg bis zum östlichen Petropawlowsk sowie vom nördlichen Norilsk bis zum südlichen Sochi. Auslandsrouten führen nach Deutschland sowie in Saisonzeiten zu beliebten Ferienzielen am Mittelmeer und der bulgarischen Schwarzmeerküste. Geleitet wird S7 Airlines vom Ehepaar Filyew.

Geschichte
Wie so viele russische Airlines entstammt auch S7 Airlines einem ehemaligen Aeroflot-Direktorat. 1992 wurde nach dem Zerfall des tönernen Riesen Aeroflot aus der Novosibirsk-Tolmachovo-Abteilung die Siberia Airlines gebildet. Als Starthilfe gab es glücklicherweise 57 Flugzeuge meist jüngeren Baudatums. Auch viele erfahrene Piloten blieben der Airline treu. Daneben erhielt die Airline die größten Wartungsanlagen östlich des Urals sowie eine Pilotenschule. Doch die ersten Jahre waren hart. Aufgrund weggefallener Subventionen auf Flugtickets, konnten sich immer weniger Menschen das Fliegen leisten. Auch die marode Flugsicherung und –technik war nicht gerade vertrauenerweckend. Siberia musste also ganz von vorne anfangen.
Tu-154M RA-85693 im alten Look (O.Pritzkow)
Ilyushin 86 RA-86081 nur mit Titel (O.Pritzkow)
Tu-204-100 RA-64017 (O.Pritzkow)
Ilyushin 86 im letzten Anstrich (S7)
A310-300 F-OGYO im alten Look (R.Vandervord)
Tu-154M RA-85699 mit S7-Sticker (C.Rohde)
A310-300 F-OGYQ nur mit neuem Titel (O.Pritzkow)
Tu-154M RA-85687 in neuen Farben (Sky Media)
Boeing 737-500 VP-BSV (J.Lehle)
Airbus A319-100 im Steigflug (S7)
Grafik der bestellten 787-800 (Boeing)

1998 überarbeitete ein neues, westlich orientiertes Management das Streckennetz und passte es dem wirklichen Bedarf an. Die Flottenvielfalt wurde auf 12 Il-86 und 33 Tu-154 reduziert und zwei neue Tu-204 bestellt, um den künftigen europäischen Lärmvorschriften zu entsprechen. Mit diesen Maßnahmen setzte Siberia zum Höhenflug an. Novosibirsk entwickelte sich immer mehr zur Drehscheibe zwischen Europa und Asien. Um auch bei der Wartung der Flugzeuge Überführungen und Ausfallzeiten zu minimieren, errichtete man im Jahr 2000 regionale Wartungskomplexe in Barnaul, Kemerovo, Tomsk, Novokuznetsk und Irkutsk.

Tragischer Irrtum
Am 4. Oktober 2001 explodierte eine aus Tel Aviv kommende Tu-154 über dem Schwarzen Meer und riss alle 78 Insassen in den Tod. Die noch durch die Anschläge vom 11. September 2001 aufgeputschten Medien sprachen schnell von einem Terroranschlag. Doch die eingeleiteten Untersuchungen föderten einen anderen Schuldigen zu Tage: die ukrainische Schwarzmeerflotte hatte bei einem zeitgleich stattgefundenem Manöver die Tupolev versehentlich ins Visier genommen.

Moskau wird neues Standbein
Der Schock über das Unglück lähmte das Management nur kurz und eine weitere Expansion, diesmal ab Moskau, wurde in Angriff genommen. Bislang flog Sibir nur einzelne Charterdienste ab der russischen Hauptstadt. Die seit 1999 in Moskau-Vnukovo existierende Tochter konnte aber nicht selbstständig von hier aus operieren. Eine Lösung versprach man sich durch die Übernahme der finanziell angeschlagenen Vnukovo Airlines. Doch als man die Bücher einsehen konnte und die enormen Schulden ans Licht kamen, drehten Sibirs Geldgeber den Hahn für eine Übernahme zu. Stattdessen kaufte man nur die 37 Flugzeuge auf, die Vnukovo schon zuvor in eine Tochtergesellschaft ausgelagert hatte. 2002 beendete dann Sibir alle Flüge ab Moskau-Vnukovo und zog zum moderneren Moskauer Flughafen Domodedovo. Die nun leere Firmenhülle namens Vnukovo Airlines wurde in den Konkurs geschickt.

Weitere Töchter
Sibir hatte aber auch noch ein armenisches Abenteuer: 2002 übernahm man die Mehrheit an der seit 1996 existierenden Armavia. Die neue Tochter wurde 2003 benutzt, um mehrere A320-200 anzuschaffen, die dann ab Jerewan flogen. Somit umging Sibir die hohen russischen Einfuhrzölle (rund 40 %), mit denen westliches Fluggerät belegt ist. 2005 zog sich Sibir aus der Armavia aber wieder zurück.
Auch am anderen Ende Russlands baute die Airline ihren Einflussbereich aus. Im Mai 2003 übernahm Sibir-Chef Filyew über eine dafür gegründete Tochtergesellschaft mehrheitlich die Chelyabinsk Air Enterprise. Diese betrieb neben dem Flughafen von Chelyabinsk eine Flotte bestehend aus 16 Maschinen der Typen Tu-134, Tu-154 und Yak-42D. Auch die Moskauer Airline Enkor gehörte zur Mitgift.

Neuer Name und frische Farben
Um die Effizienz der Flotte zu steigern und weitere Linienexpansionen zu ermöglichen, musste sich Sibir nun langsam um neue Flugzeuge kümmern. Die russische Flugzeugindustrie war und ist weitestgehend unterfinanziert und produziert pro Jahr nur wenige Maschinen. Bei der Fertigungsqualität und Effizienz reicht man zudem (noch) nicht an westliche Maschinen heran. Da Sibir bei Armavia bereits Erfahrungen mit dem A320 sammeln konnte, fiel die Wahl auf langstreckentaugliche A310-300. Die günstigen Gebrauchtpreise dürften zusätzlicher Anreiz gewesen sein. Von Airbus übernahm man im Frühjahr 2004 zwei ehemalige Aeroflot-Muster. Weitere A310s folgten 2005 von Hapag-Lloyd. Die deutschen Airbusse waren dann auch die ersten, die den neuen Firmennamen S7 Airlines, abgeleitet vom Zweilettercode, und das neue grellgrüne Farbkleid trugen. Nun konnte auch die ukrainische Schwarzmeerflotte eindeutig erkennen, dass hier Zivilmaschinen unterwegs sind. Für kürzere Strecken schaute sich S7 zunächst die glücklose und daher zu günstigen Neupreisen zu bekommende Boeing 717-200 an. Doch dann nahm man Gebrauchtmaschinen der zweiten Boeing 737-Generation sowie ab Ende 2006 neue Airbus A319. 2007 beschloss S7 die Anschaffung von werksneuen Boeing 737-800 und Airbus A320 und auch die Langstreckenflotte wird durch Boeing 787 Dreamliner und Airbus A350XWB auf den neuesten Stand gebracht.

Stand Juni 2007

Streckennetz:
50 Inlandsziele, Europa (Deutschland, Österreich, Bulgarien, Montenegro, Moldawien, Spanien, Türkei, Ukraine), Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadshikistan, Turkmenistan, Georgien, Armenien, Aserbaidshan), Golfregion (VAE), Fernost (China, Südkorea), Südostasien (Thailand)

Flotte:
10 Ilyushin 86 (2 abgestellt)
.5 Airbus A310-200
.2 Airbus A310-300
.7 Tupolev 154B (6 abgestellt)
27 Tupolev 154M
.1 Tupolev 204-100 (abgestellt)
10 Airbus A319-100 (2 vermietet)
.2 Boeing 737-400
10 Boeing 737-500

bestellt:
25 Airbus A320-200
.. Airbus A350XWB
10 Boeing 737-800
15 Boeing 787-800

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