
ehemalige deutsche In-house-Airline des Reiseveranstalters Frosch Touristik Sitz: München ex-Dreilettercode: FTI ex-ICAO call-sign: FROG-LINE
Der deutsche Reisemarkt hat in den letzten Jahren eine starke Konzentration von Reiseveranstaltern erlebt. Mittlerweile haben sich zwei dominierende Lager herausgebildet, die jeweils auf mit ihnen verbundene Fluggesellschaften zurückgreifen können. Während die LTU gemeinsam mit Hapag Lloyd im sogenannten "roten Lager" steht, dem neben diversen Reiseveranstaltern der LTU-Gruppe (Tjaerborg, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen, LTT) vor allem der Marktführer TUI angehört, ist die Condor Teil der "gelben Gruppe" um den Reiseveranstalter Neckermann.
Erfolgsstory der Reisebranche: FTi
Hecht im Karpfenteich dieser arrivierten Veranstalter ist der Münchener Reisekonzern FTi, der
in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum von einem kleinen regionalen Nischenanbieter hin
zu einem "Vollsortimenter" geworden ist. 1981 als Sprachreiseveranstalter LAL mit
Schwerpunkt Maltareisen gegründet, hat FTi seinen Umsatz in den letzten Jahren auf annähernd
1,5 Mrd. DM mehr als verzehnfacht. Dieses starke Wachstum brachte es mit sich, daß FTi
immer größere Flugzeugkapazitäten bei deutschen Airlines einkaufen mußte. Aufgrund der
starken Anlehnung der meisten deutschen Chartergesellschaften an mit FTi konkurrierende
Reiseveranstalter war es ein zunehmend schwierigeres Unterfangen, günstige Konditionen
auszuhandeln. Die Überlegung, sich selbst eine Partner-Airline ins Haus zu holen, war daher
naheliegend. Besonders drängend war für FTi das Problem im Langstreckenbereich, da alle drei
dort tätigen deutschen Airlines mit der Konkurrenz kooperierten. Resultat war die
Unterstützung der Gründung der Britannia GmbH, die seit ihrem Start im November 1997 vor
allem Kunden des FTi-Konzernunternehmens CA Ferntouristik in die USA und Karibik
transportiert hat. Nicht zuletzt diese Partnerschaft - Britannia GmbH ist mittlerweile
Marktführer bei Flügen in die Dominikanische Republik - trug zu einem weiteren Wachstum
der FTi bei.
Airtours kommt bei FTi an Bord
Auf die Erfolgsstory von FTi aufmerksam geworden, begann sich die zweitgrößte europäische
Reiseveranstaltergruppe, die britische Airtours plc, für FTi zu interessieren. 1998 erwarb
Airtours einen 29,03 prozentigen Anteil am deutschen Reiseveranstalter. Der Einstieg der
Airtours International definierte die Vorzeichen für FTi völlig neu: Größter Konkurrent der
Airtours auf dem britischen Heimatmarkt ist der Reiseveranstalter Thomson Travel - und
dessen hausinterne Fluggesellschaft heißt Britannia Airways. Kein Zweifel daher, daß unter
dieser Prämisse die Tätigkeit der Britannia für FTi bei der englischen Gesellschafterin Airtours
auf wenig Begeisterung stößt. Gleichwohl laufen die Verträge mit der Britannia GmbH noch bis
2001. Bis dahin sind die Langstreckenpassagiere der FTi-Gruppe Gast der Britannia. Anders im
Mittelstreckenbereich, hier hatte sich FTi bislang auf kurzfristig laufende Kontrakte mit
verschiedenen Airlines beschränkt.
flyFTi - die FTi-Hausairline
Airtours war seit der Gründung 1972 über die Jahre vom kleinen Reisebüro Pandle in
Lancastershire zum Milliardenunternehmen Airtours gewachsen. 1990 hatte man eine eigene
Hausairline, Airtours International, gegründet. Im Rahmen der europäischen Expansion hatte
Airtours nach dem Einstieg bei Reiseveranstaltern bereits in Skandinavien mit Premiair und in
Belgien mit Air Belgium nationale In-House-Airlines geschaffen. Es war daher naheliegend,
nach diesem Vorbild auch für Deutschland und FTi einen Airline-Ableger aus der Taufe zu
heben. Es überraschte Insider nicht sehr, als FTi im Oktober 1998 die Gründung der flyFTi, der
"Airline der FTi-Gruppe", ankündigte. Zum Motiv hieß es vom FTi-Geschäftsführer, Dietmar
Gunz, damals: "Die Reiseveranstalter der FTi-Unternehmensgruppe werden durch flyFTi in die
Lage versetzt, noch flexibler auf die Wünsche des Marktes zu reagieren." Beim Launch der
Airline konnte flyFTi bereits ein schlagkräftiges Führungsteam präsentieren: Flugbetriebsleiter
Herbert Kracker war in der Vergangenheit bei Condor und Britannia tätig. Chefpilot Sinasi
Senbay kam von der Deutschen BA zu flyFTi. Leiter Erwin Siebzehnrübl konnte bei LTU
abgeworben werden, die für die Kabine verantwortliche Susanne Hollenberg kam von Condor.
Anfang 1999 stieß als Geschäftsführer Peter Steiner zur Gesellschaft. Besonders pikant, denn
Steiner war zuvor Geschäftsführer von Britannia GmbH.
Flottenmuster A320
Die Frage nach dem passenden Gerät war für FlyFTi schnell beantwortet. Da Airtours
annähernd zwanzig Airbus 320 betreibt, fiel die Wahl auf das bei Charterairlines beliebte
Muster. Mit drei Maschinen dieses Typs ging FlyFTi in die erste Saison. Es handelt sich
ausnahmslos um gebrauchte Flugzeuge, die man von der Leasinggesellschaft ORIX gemietet
hat. Der erste A320 wurde am 27. März von der Airtours-Wartungsbasis noch mit der alten
Registrierung N444RX nach München abgeliefert, um bis zur Betriebsaufnahme für
Schulungen und Training genutzt zu werden. Die D-ACAF flog zuletzt bei der türkischen Onur
Air, während ihre beiden Schwestermaschinen, die D-AFRO und die D-AFTI zuvor an die
Oman Aviation vermietet waren. Die Maschinen präsentieren sich in der Grundbemalung der
Airtours-Gruppe, lediglich das vordere Rumpfdrittel weicht aufgrund der großflächigen
"flyFTi"-Bemalung vom Airtours-Standard ab. In der Kabine herrschen "englische"
Verhältnisse: mit 180 Sitzplätzen sind die Maschinen maximal bestuhlt. Für den Passagier
bedeutet dies einen Sitzabstand von knapp 74 cm. Wenn die Kunden nicht bei der Raumfreiheit
verwöhnt werden, so soll als Entschädigung das In-flight-Programm Maßstäbe setzen. Die
A320 sind mit moderner Unterhaltungselektronik ausgestattet, die ein abwechslungsreiches
Entertainmentprogramm mit Musikkanälen und Videos (mehrere Monitore in den Overhead-Bins) bietet; darunter auch spezielle Programme für Kinder. Außerdem gibt es für die Kinder
jeweils ein kleines Begrüßungsgeschenk während die Eltern mit dem Catering bei Laune halten
will. Ein hochqualifiziertes Team ist notwendig, um diesem hohen Ziel gerecht werden zu
können. Die Piloten und Cabin Crews von flyFTi wurden daher bei Swissair geschult.
Betriebsaufnahme mit größeren Schwierigkeiten
fly FTi mußte viel negative Presse einstecken, nachdem es zu erheblichen Problemen bei der
Abwicklung des Flugprogrammes gekommen ist. Es gelang nicht, aus Mangel an
ausreichendem technischem Personal zur Wartung der Airbus A320, den dritten Airbus A320
wie geplant in Dienst zu stellen. Die Airline mußte daher langfristig eine Boeing 737 der
Pegasus Airlines unter Vertrag nehmen sowie Flugzeuge von über 20 verschiedenen Airlines
fallweise sub-chartern, um die Passagiere transportieren zu können. Da zum Teil ausländisches
Gerät angemietet wurde, kam es zu erheblichen Mißstimmungen bei den Fluggästen; im Fall
eines heruntergekommenen ex PIA Airbus A300 für einen Flug von München nach Lamezia
Terme sollen sich Passagiere sogar geweigert haben, an Bord zu gehen. Besonders ärgerlich,
dass nur wenige Tage nach dem verheerenden Presseecho am 30. Juli endlich der dritte Airbus
A320 eingesetzt werden konnte; diese Maschine ist nunmehr in Berlin SXF stationiert.
Basen in Köln, Berlin, München
Die drei Airbus A320 sind in München, Berlin-Schönefeld und Köln/Bonn stationiert. Von
diesen drei Flughäfen fliegt flyFTi ein fast identisches Flugprogramm nach Malta, Hurghada,
Banjul, Lamezia Terme, Rhodos, Monastir, Las Palmas und Teneriffa. Weitere Ziele, allerdings
nicht von allen drei Standorten bedient, sind Agadir, Santorin, Heraklion und Lanzarote. Von
anderen Abflughäfen aus ist flyFTi nur geringfügig tätig. Von Basel, Stuttgart, Hannover,
Frankfurt und Nürnberg aus fliegt man am Wochenende nach Lamezia Terme in Kalabrien,
eine Region, auf die sich in der Vergangenheit der wichtigste Reiseveranstalter der FTi-Gruppe,
Frosch Touristik, spezialisiert hat. Das Flugprogramm wird mit Flügen von Düsseldorf und
Frankfurt aus nach Malta sowie von Frankfurt nach Heraklion abgerundet.
Das Kuckucksei Boeing 737-400
In der vorstehenden Liste der Flugziele fehlt des Deutschen liebstes Sonnenreiseziel, die
Baleareninsel Mallorca. Für Flüge dorthin hatte sich die FTi-Gruppe in der Vergangenheit vor
allem ausländischer Airlines bedient. Nach dem relativ kurzfristig angekündigten Ende der
spanischen Iberia-Tochter Viva Air tat sich für flyFTi überraschend eine Angebotslücke auf.
Binnen weniger Wochen entschloss man sich Anfang 1999, ein viertes Flugzeug speziell für
Mallorca-Flüge einzusetzen. Eigentlich sollte mit diesem Flugzeug, einer von der belgischen
Schwestergesellschaft Air Belgium geleasten Boeing 737-400 (OO-ILJ), der Flugbetrieb bereits
zum Sommerflugplanwechsel am 29. März aufgenommen werden, doch das
Genehmigungsverfahren beim LBA konnte für eine frühzeitigere Genehmigung nicht
beschleunigt werden. Die Flüge nach Mallorca wurden daher im April noch von Air Belgium
durchgeführt. Zum 1. Mai konnten die Dienste erstmals unter FTi-Designator durchgeführt
werden. Die in Palma stationierte Maschine fliegt 17x pro Woche von der Baleareninsel zu
deutschen Airports (Dresden, Hannover, Hamburg, Hahn, Nürnberg, Köln/Bonn, Berlin-Schönefeld und -Tegel, München, Paderborn, Stuttgart und Frankfurt. Ab der Mainmetropole
wird die 737-400 auch für einen montäglichen Umlauf nach Las Palmas eingesetzt.
Erstes Ziel: 270.000 Passagiere
Für das Touristikjahr 1999 (bis 31. Oktober 1999) plante FTi, mit der eigenen Airline mehr als
270.000 Passagiere in den Urlaub zu fliegen. Mittelfristig möchte FTi 60 % des Eigenbedarfs
an Urlaubsflügen mit den Kapazitäten von flyFTi abdecken, der Rest soll von anderen Airlines
zugekauft werden. flyFTi ihrerseits verkauft 90 % ihrer Kapazitäten an die Muttergesellschaft.
Noch hält man sich bei FTi mit Äusserungen zurück, ob flyFTi nach dem Auslaufen des
Kontraktes zwischen FTi und Britannia GmbH auch in den Langstreckenmarkt einsteigen wird.
Eine Überraschung wäre dies nicht, Airtours International baut gegenwärtig eine
Langstreckenflotte mit werksneuen Airbus A330-200 auf.
Aufgrund der Balkankrise im Frühsommer 1999 hatte flyFTi ihr umfassendes Kroatien-Programm mit Flügen von zahlreichen deutschen Flughäfen nach Dubrovnik annulliert. Seit
August fliegt man ferner von Stuttgart aus nach Hurghada.
Stand: November 1999
Verwendete Quelle: jetstream 8/99; M.Killian
Streckennetz:
Charter von deutschen Flughäfen zu beliebten Ferienzielen im Mittelmeerraum
Flotte:
3 Airbus A320-231.....................................geleast von Orix