Boeing 737-300 G-MONL (Foto: Samml. Pritzkow)
Euroberlin France

ehemalige französisch-deutsche Fluggesellschaft                             ex-Sitz: Berlin-Tegel
ex 2-/3-Lettercode: EE / EEB                                                ex-Call-sign: EUROBER

Die Geschichte der Euroberlin France geht zurück auf das Jahr 1988. In einer Zeit vor Star Alliance und Skyteam gab es noch Kooperationen, von denen man heute nicht mehr viel redet. Die Berlin-Initiative von U.S. Präsident Ronald Reagan vom Juni 1987 brachte das in seiner eigenen Welt lebende West-Berlin in Bewegung. Ziel dessen war es, West-Berlin politisch und wirtschaftlich mehr ins Weltgeschehen einzubinden. Und das sollte auch am Luftverkehr nicht vorbei gehen. Abgesehen von der schon etablierten Pan Am, zeigten vor allem die großen US-Fluglinien Interesse für Berlin. Letztlich wagte aber nur TWA den Einstieg in den Berlinverkehr. Innerdeutsch gab es mit Ausnahme der Stecke Berlin - Stuttgart, auf der sich Pan Am und British Airways das Aufkommen teilten, sowie Berlin - Düsseldorf, hier flogen Air France und British Airways gemeinsam, seit den frühen 1970er Jahren auf allen anderen Strecken Monopole. Die Briten kündigten nun diesen "Friedensvertrag" und nahmen im Herbst 1987 die Strecke Berlin - München wieder auf. Den Alliierten Luftfahrt-Attachés war die Berlin-Initiative aber zu amerikanisch, so dass British Airways ab 1988 auch Berlin - Frankfurt wieder aufnehmen durfte.

Air France blieb da eher ruhig. Als einzigen Beitrag zum innerdeutschen Verkehr bedienten die Franzosen 4x täglich die Strecke Paris - Düsseldorf - Berlin. Man pflegte aber Kontakte zur Lufthansa, welche nach Berlin wollte, aber aufgrund des Alliiertenstatus der Stadt nicht durfte. Um den zunehmend aktiver werdenden Amerikanern und Briten Paroli bieten zu können, entschloss man sich beide Parteien zu einem Joint Venture. Unter dem Projektnamen Aero Berlin sollte eine Airline aus der Taufe gehoben werden, welche in den innerdeutschen Verkehr als in Frankeich registrierte Fluggesellschaft eintreten sollte. Dem Alliierten-Status entsprechend hielt Air France mit 51 % die Mehrheit, während die restlichen 49 % bei Lufthansa lagen. Die Attachés genehmigten den Einstieg des neuen Unternehmens in den bis dahin von Amerikanern und Briten dominierten Berlinflugverkehr, so dass der Gründung am 9. September 1988 unter dem Namen Euroberlin France nichts mehr im Weg stand.
Mit der britischen Monarch Airlines wurde ein Abkommen zum Betreib von zunächst vier Boeing 737-300 unterzeichnet. Monarch stellte die Flugzeuge, Piloten und Mechaniker, während Lufthansa für die Ausbildung der Flugbegleiter sowie den Verkauf in West-Deutschland verantwortlich war. Als Geschäftsführer bestimmte Air France den ehemaligen Deutschland-Direktor der Air France Jean F. Signoret, der sich auch um die Belange der Berliner und der Alliierten kümmerte. Handlingsagent in Tegel wurde die neugegründete Berliner Lufthansa Airport Service (BLAS), die damit ihren ersten Kunden hatte. Die Beteiligung der Lufthansa an Euroberlin France führte anfänglich zu Protesten seitens der Sowjets, was aber den Flugbetrieb nicht beeinträchtigen sollte. Aus Platzmangel am Flughafen Tegel musste damals der Operations-Bereich anfänglich noch im Novotel am Kurt-Schumacher-Damm untergebracht werden, während die Direktion ihr Büro im Schimmelpfeng Haus in der Kantstrasse bezog.

Mit Beginn des Winterflugplans 1988/1989 wurden Frankfurt (5xl täglich), Köln/Bonn (3x täglich) sowie München und Stuttgart (je 4xl täglich) angeflogen. Um den Bekanntheitsgrad der neuen jungen Airline vor allem bei Geschäftsfliegern zu steigern, wurde anfänglich auch vor den Check-In-Schaltern der Konkurrenz etwas Laufstegmarketing betrieben. Die eingesetzten Boeing 737-300 waren anfänglich mit 116 Sitzen ausgestattet und boten mehr Komfort als die alten Boeing 737-200 der Britisch Airways (106 Sitze) oder die Boeing 727-200 der Pan Am (145 Sitze). Zudem waren sie auch umweltfreundlicher.

Zum Sommer 1989 konnte man die freien Wochenendkapazitäten als Charterflüge beim Berliner Flugring (BFR) platzieren. Als Überführungsflüge zwecks Wartung nach Luton zu Monarch Engeneering anstanden, wurden diese auch als Charterflüge vermarktet. Das erste Betriebsjahr der Euroberlin France endete mit dem Fall der Berliner Mauer. Nun wurde die Flotte verdoppelt, um die Flugfrequenzen erhöhen zu können.

Die Wiedervereinigung Deutschlands besiegelte das Schicksal der alliierten Fluggesellschaften. Bis zum Ende des Sommerflugplans sollten diese ihre innerdeutschen Dienste aufgeben. British Airways rief die Deutsche BA ins Leben und übertrug ihr die Rechte. Lufthansa erwarb im Sommer 1990 die Berlin-Rechte der Pan Am und per Winterflugplan 1990/1991 wurden auch die innerdeutschen Liniendienste der Euroberlin in das Lufthansa-Streckennetz integriert. Die Beteiligungen der Air France und Lufthansa wurden auf je 50 % ausgeglichen und der Namenszusatz "France" getilgt.
Neben den bisherigen Linien kamen die Boeing 737-300 der Euroberlin nun unter LH-Flugnummer auch nach Düsseldorf und Hamburg zum Einsatz. Denn durch die Wiedervereinigung und den plötzlich erweiterten Markt, litt Lufthansa unter Flugzeugmangel und konnte auf die Dienste der Euroberlin nicht verzichten. Die Flotte wurde jedoch kontinuierlich zurückgefahren. 1994, dem letzten Jahr des Flugbetriebs, zählte umfasste diese immerhin noch fünf Boeing 737-300.
Am 31. Oktober 1994 erfolgte der letzte Flug, ein Charter für die Euroberlin-Mitarbeiter nach Neapel. Der Großteil der Flugbegleiter fand in Lufthansa einen neuen Arbeitgeber. Die Mitarbeiter der Monarch Airlines bzw Monarch Engineering kehrten auf die Insel zurück. Damit endete die Geschichte der letzten Berliner Alliierten-Fluggesellschaft.

Quellennachweis:
Luftbrücke nach Berlin, Hans von Przychowski, Brandenburg. V., Berlin 1996
Berlin Flugplan November 1988

Erstellt durch David Greer