CRJ200 G-DUOH (Thomas, Berlin-TXL 22.8.03)

Duo Airways

britisches Luftverkehrsunternehmen                                      Sitz: Birmingham
Dreilettercode: DUO                Zweilettercode: VB                   IATA-Nr.: 555
Callsign: FLY DUO                                                       Web: www.duo.com

Duo Airways wurde 2003 durch ein Mangement-buy-out aus der Maersk Air (UK) geschaffen. Sie konnte ihre Wurzeln (und ihren Airlinecode VB) auf BEA - Birmingham Executive Airways zurückführen, die am gleichnamigen Airport 1983 gegründet wurde.

Wie der Name nahe legt, war man auf Bussiness-Flüge spezialisiert. Anfangs nutzte man zwei, später drei BAe Jetstream 31. Am 6. Juni 1983 begann BEA Subcharter für British Airways nach Aberdeen durchzuführen. Regelmäßige Liniendienste begannen zwei Tage später und Kopenhagen sowie Zürich/Genf wurden von Birmingham aus bedient. Durch Erwerb einer Saab 340 konnte BEA schnell wachsen und orderte bald eine zweite Maschine. Nur wegen Problemen beim Hersteller musste diese zweite Order später gestrichen werden.
Stattdessen erwarb man vier Grumman Gulfstream I und wurde erster kommerzieller Nutzer dieses Musters im Vereinigten Königreich. Drei dieser Maschinen flogen dann bei BEA; die vierte diente als Ersatzteilspender. Zum Winter 1987 war das Streckennetz um Ziele wie Amsterdam, Düsseldorf, Frankfurt/M., Genua, Mailand, Oslo und Stuttgart gewachsen. Um die Entwicklung auch nach außen hin zu demonstrieren, entfiel der Namensbestandteil "Executive" und wurde durch "European" und den Spruch "straight from the heart" (gemeint waren die Midlands) ersetzt.

Im Oktober 1983 traf die erste Jetstream 31 G-WMCC ein. (T.Allett)
Von Maersk Air kamen 2 Fokker 50 - hier OY-MMV (T.Allett)
Die BAC 1-11 G-AVGP kam im April 1990 (T.Allett)
BAC-1-11-416EK G-AWBL im Brymon European-Look
DHC-8-300 G-BRYI der kurzlebigen Brymon European (P.Wedel)
Boeing 737-5L9 G-MSKA in BA-Blue Poole-Bemalung(S.Reinke)
CRJ200 G-MSKO in BA-Crossing Borders-Bemalung (O.Pritzkow)
CRJ700 G-MRSG in BA-Union flag-Bemalung (D.Werner)
CRJ700 G-DUOD in neuer eigener Bemalung (W.Kmiecik)

Plimsoll Line, eine Holding-Company zu der Brymon Airways gehörte und an der die Danish Maersk Line Shipping Group seit 1988 einen Anteil von 40 % besaß, investierte 1989 in die Airline und kümmerte sich um zwei Fokker 50, die man von der dänischen Maersk Air erwarb. Diese beiden Props wurden nur ein Jahr - bis zum Eintreffen von Jets - genutzt. Im Januar 1990 kam die erste von fünf BAC 1-11. Sie ermöglichten der BEA einen Ausbau der Dienste und 1992 standen Amsterdam, Belfast, Kopenhagen, Cork, Genf, Mailand, Newcastle und Stuttgart im Flugplan. Die kürzen Strecken inkl. Newcastle wurden von den Jetstream 31 bedient.

Brymon European
Im Oktober 1992 kam es zu einem weiteren Namenswechsel: man fusionierte mit der unabhängigen Brymon zu Brymon European. Da beide Airlines in unterschiedlichen Regionen tätig waren, erschien den Beteiligten eine Fusion sinnvoll, um die Airlineaktivitäten auf eine breitere, schlagkräftigere Basis zu stellen. Die neue Gesellschaft erhielt den Namen Brymon European Airways. Die im November 1992 wirksam gewordene Fusion (im Mai bereits angekündigt) hatte über die Namensänderung hinaus eine weitere Konsequenz: Brymon zog sich vollständig aus London-City zurück und gab ihre Linien nach Brüssel und Paris auf (die Dienste nach Amsterdam hatte man bereits 1991 eingestellt). Der Schritt kam überraschend, wenngleich Brymon durch die kurz zuvor erfolgte Kündigung der Partnerschaft seitens Air France sieben der zuletzt zehn täglichen Flüge nach Paris sowie die Auftragsdienste nach Lille und Strassburg verloren hatte. Gleichwohl hatte man für die verbliebenen Flüge diese Entwicklung durch ein Codesharing-Abkommen mit der British Airways aufgefangen. Auch war die Anschaffung von grösseren und moderneren BAE 146-200 für die Paris- und Brüsselflüge und neue Linien nach Berlin, Düsseldorf, Zürich, Dublin Frankfurt und Mailand erwogen worden. Der Grund für die Entscheidung war die neue Schwerpunktsetzung der Brymon European Airways, die ihre Operationen auf Birmingham und Bristol konzentrieren wollte. Brymon European führte im Frühjahr 1993 neue Flüge von Bristol nach Frankfurt und von Newcastle nach Paris ein, doch existierte die Kunstschöpfung Brymon European kaum ein Jahr. Zum 1. August 1993 kaufte British Airways den Original-Brymon-Anteil heraus (und schuf daraus eine 100-prozentige Tochter). Maersk übernahm den BEA-Anteil und kreierte Maersk Air Ltd. (UK). Diese trat dann sofort als BA-Franchisepartner in kompletter Farbgebung der British Airways auf. Auch das Kabinenpersonal trug BA-Uniformen.

Maersk Air UK
Die Kontrolle hatten nun die Dänen inne und leiteten mit zunächst drei Boeing 737-500 eine erneute Expansion ein. Die erste Maschine wurde Ende 1996 geliefert. 1998/99 stießen nochmals zwei 737-500 zur Flotte. Insgesamt 200 Mio. Pfund wurden in die Airline investiert. Das Liniennetz zwischen Dänemark und dem Vereinigten Königreich verdichtete sich seitens Maersk Air. Um auch die letzten drei BAC 1-11 zu ersetzen, evaluierte man die RegionalJet-Konzepte von Embraer und Canadair. Vier 50-sitzige Jets wollte Maersk Air bestellen. Das Rennen machte der CRJ200LR und ein Vertrag über zunächst drei Maschinen mit Auslieferung im 2. Quartal 1998 wurde unterschrieben. Für zwölf weitere Jets aus der CRJ200/700-Familie nahm man Optionen. Mit dieser zweiten Modernisierungsphase sollte eine Expansion hauptsächlich in Mittelmeer-Märkte eingeleitet werden. Aber auch stark gefragte Hauptstrecken sollten entlastet werden. Mit dieser Order wurde Maersk Air UK zum Erstbesteller in Großbritannien. Zu Jahresbeginn 1998 legte Maersk Air nochmals nach und orderte zwei weitere CRJ200 mit Auslieferung Januar und März 1999. Kurz darauf wurde ein sechster CRJ200 zu August 1999 bestellt.
Der erste CRJ200LR (G-MSKK) traf dann schließlich am 26. Mai 1998 in Birmingham ein. Nachdem man neun Monate erfolgreich mit dem Regionaljet operierte hatte, nahm Maersk Air ihre Optionen wahr und bestellte zwei weitere CRJ200 mit Ablieferung März/April 2000. Im Herbst 1999 wurde man erneut Launch Customer für den größeren CRJ700 in Großbritannien. Drei Maschinen wurden beim Hersteller Bombardier platziert (und 50 Optionen gezeichnet) und zwei weitere CRJ200 folgten. Insgesamt standen nun 10 CRJ200 im Auftragsbuch (sechs bereits geliefert).
Zum 1. November 1999 begann man mit sechs Flügen pro Woche zwischen Birmingham und Stockholm sowie Rom. Dies sparte gut 2,5 Stunden Zeit, die der Passagier sonst beim Umsteigen via London, Amsterdam oder Kopenhagen verlor. Insgesamt bot Maersk Air (UK) nun 370 wöchentliche Flüge ab Birmingham an.

Im Frühjahr 2001 kriselte es: ein Ausscheiden aus dem BA-Franchise wurde erwogen; die Entscheidung auf Ende April vertagt. Zumindest im Sommer 2001 wollte man noch in BA-Farben fliegen. Zum 4. Mai kamen neue Verbindungen von Birmingham nach Bordeaux, Nizza und Touluse sowie ab Juni auch Athen, Genf und Venedig hinzu. Für den Sommer 2002 waren als neue Ziele avisiert: Budapest, Helsinki, Neapel, Oslo-Gardemoen und Reykjavik.

Duo Airways
Im Februar 2003 wurde Maersk Air UK von der dänischen Muttergesellschaft zum Verkauf ausgeschrieben. Im April ging die Airline dann an das Management sowie die Angestellten. Die Strecken von Birmingham nach Belfast bzw. Amsterdam wurden wenig später eingestellt. Nach dem Management-Buy-Out sich die Airline im Mai in Duo Airways umbenannt. Das Streckennetz umfasste zu diesem Zeitpunkt u.a. Berlin, Bordeaux, Kopenhagen, Genf, Göteborg, Lyon, Mailand, Nizza, Stockholm, Stuttgart, Toulouse, Turin, Venedig and Wien. Die Flotte bestand aus fünf CRJ700 mit 68 Sitzen und drei CRJ200 mit 48 Sitzen. Die Airline hatte 300 Mitarbeiter und ein eigenes Wartungszentrum.
Mit der neuen Eigentümerstruktur ging auch eine unternehmerische Neuausrichtung einher. So wurde das British Airways-Franchise von vielen als Einengung empfunden und die bisherige Beschränkung auf den Standort Birmingham bedurfte auch einer Überprüfung. Mit Ende des Sommerflugplans wurde das Franchiseabkommen mit BA gekündigt. Ab 1. November operierte man eigenständig als Duo Airways. Zweiter Standort neben Birmingham wurde Edinburgh, von wo aus Duo Airways dank einer Anschubfinanzierung des Scottish Executive vier neue Routen nach Genf, Mailand (jeweils tgl.), Zürich und Oslo (jeweils 6x/W.) aufnahm.
British Airways schickte daraufhin ihre Tochter British Airways Citiexpress in die Spur, um in Konkurrenz mit ERJ-145 von Birmingham nach Mailand-Malpensa und Stuttgart zu fliegen. Duo ließ daraufhin von diesen Verbindungen die Hände. In Birmingham gab es einige Umstrukturierungen, neue Ziele zum 1. November waren Köln/Bonn (2x wöch.), Helsinki (tgl.) und Oslo-Gardemoen (5x wöch.) mit CRJ200 ab Birmingham. Aufgegeben wurden zudem Bordeaux, Toulouse, Turin und Venedig. Im schwächer ausgelasteten Winter erlitten einige "dünnere" Strecken enorme Auslastungseinbrüche. Aber zur Sommersaison 2004 zogen die Passagierzahlen wieder an - besonders Birmingham - Berlin TXL.

Zum 28. März 2004 wollte Duo ihre beiden Standbeine Birmingham und Edinburgh auch untereinander verbinden - erhielt aber nicht die entsprechende Genehmigung. Zum Sommerflugplan 2004 erschienen als neue Strecken Edinburgh - München (6x wöch.) und Edinburgh - Nizza (wöch.). Birmingham - Götheborg wurde aus dem Plan genommen. Auch Bordeaux sollte ab 1. Mai dreimal wöchentlich mit CRJ200 von Birmingham aus bedient werden. Als dritte Basis begann man London-Luton ins Auge zu fassen. Von hier aus wollte man Ziele anfliegen, die von den Billigfliegern bisher nicht bedient wurden. Im Frühjahr 2004 machten auch Gerüchte die Runde wonach Duo Airways ihre CRJ200-Flotte in den nächsten Monaten durch Saab 2000 ersetzen wolle. Einige CRJ200 waren bereits abgestoßen - so übernahm z.B. im April 2004 die dänische Cimber Air eine Maschine.
Zum 1. Juni 2004 sollte das Streckennetz um 20 % wachsen, indem man Shannon und Pisa ab Birmingham sowie Shannon und Bordeaux ab Edinburgh als neue Ziele bedienen wollte.

Betriebseinstellung
Am 1. Mai 2004 um 0.01 Uhr musste Duo jedoch den Betrieb einstellen, da die Versicherungen für die Flugzeuge nicht mehr gedeckt waren. Die Belegschaft hatte zwar am Vorabend eine leise Vorahnung, erfuhr die Stillegung aber erst aus den Medien. Die Flotte, bestehend aus acht Maschinen, wurde in Birmingham an die Kette gelegt; ein CRJ700 stand in Edinburgh; 1 CRJ200 war zur Wartung in Ljubljana. Ein Konkursverwalter wurde bestellt - die Passagiere, die schon gebucht und bezahlt hatten, hatten das Nachsehen: Duo war bei ATOL (Air Travel Organisers Licensing) nicht registriert.
Nach der schockierenden Nachricht war in der Medienlandschaft viel vom "Ende des Lowcost-Booms" die Rede. Duo war aber weit von einer Budget- oder Lowcost-Airline entfernt und bot ein Full-Service-Produkt auf allen Strecken an. Man wollte ein Business-Class-Produkt zum Economy-Tarif anbieten und ging auf Bedürfnisse der Geschäftskunden ein indem man wichtige europäische Städte untereinander verband. Die Jets verfügten über Ledersitze und einen großzügigen Sitzabstand. Auf allen Flügen wurden eine komplette Mahlzeit und ein passendes Getränk serviert. Gegen einen Aufpreis konnte man mehr Beinfreiheit (am Notausstieg) genießen.
Es gab zwei Kundenklassen: Advantage und Privilege - letztere konnte die Lounges nutzen und mehr Gepäck mitführen. Die Preise wurden gestaffelt in Privilege (kostenlos umbuchbar), Advantage (gegen Gebühr umbuchbar, keine Rückgabe) und Websaver (nicht umbuchbar, keine Rückgabe - aber sehr günstig).
Es ist schon kurios: mit Ankündigung von Routenerweiterungen und anziehenden Passagierzahlen musste Duo Konkurs anmelden. Es wurde der Airline keine Möglichkeit eingeräumt, den profitablen Sommer noch mitzunehmen.
Es gab Spekulationen, wonach Mitbewerber Duo in die Zange genommen haben sollen - besonders easyJet mit ihrem neuen Hub in Berlin SXF. Aber auch British Airways meldete zum Sommer 2004 sofort neue Route ab Birmingham an, die sich teils mit denen der Duo Airways deckten. British Airways begann am 5. Mai mit Flügen auf den Duo-Strecken von Birmingham nach Lyon (2x tgl.), Wien (tgl.) und Nizza. Die slowenische Adria Airways interessierte sich für die CRJ200.

Die Aussicht auf mehr Passagieren, ruft mehr Airlines auf den Plan, wodurch der Wettbewerb verschärft wird. Der Boom bei den Lowcostern macht es für einen Full-Service-Carrier schwierig, sein Produkt an den Kunden heranzutragen. Aus finanzieller Sicht ist das erste Jahr immer auch das schwierigste. Noch weitere sechs Monate und Duo Airways wäre vielleicht erfolgreich gewesen.



Ende für Duo Airways - abgestellte CRJ200 in Birmingham (S.Bunting)


Quelle:
Tony Dixon in Airliner World 7/04, S. 50-52
Matthias Killian in jetstream 6/97, S. 39f
Kurzmeldungen

Streckennetz (2004): ab Birmingham und Edinburgh zu europäischen Zielen

Flotte bei Stillegung 2004:

3 Bombardier CRJ200LR
5 Bombardier CRJ700ER