
Britannia Airways GmbH
deutsche Tochter der englischen Britannia Airways Ltd mit Sitz in Berlin-Schönefeld
Zweilettercode: BN...............Dreilettercode: DBY...............SITA: SXFOOBY
ICAO call sign: WINDSOR
privat; 45% Münchner Bankhaus Merck, Fink & Co, 12 % Frosch Touristik, 43% Britannia Ltd.
Britannia Airways GmbH heißt die deutsche Tochter der Charterairline Britannia aus
London-Luton, die seit 1963 tätig ist und ihren Namen von ihrer damals eingesetzten Flotte von
Bristol Britannias ableitet. Deutschland ist für Britannia Airways keine Unbekannte. Von 1969
bis 1994 setzte sie mehrmals wöchentlich Boeing 737 für das britische Verteidigungsministerium
auf Transportflügen für englische Militärangehörige zu deutschen Stützpunkten ein. Britannia
ließ erstmals aufhorchen, als sie 1995 mit absoluten Niedrigpreisflügen von Maastricht aus nach
Australien abhob. Wenngleich in den Niederlanden startend, war die Zielgruppe dieser Flüge der
deutsche Tourist. 1996 folgten erste Flüge für den Reiseveranstalter PGT Paul Günther Touristik
von Köln/Bonn Lind Berlin aus nach Mexiko und in die Dominikanische Republik.
Deutsche Tochter ab November 97
Die deutsche Britannia setzte ab dem 1. November 1997 für den expandierenden deutschen
Reiseveranstalter FTI (Frosch Touristik International) eine von der Leasingfirma ILFC
bereitgestellte Boeing 767 -300 auf Flügen in die Dominikanische Republik ein. Von Berlin,
München, Frankfurt. Stuttgart, Köln/Bonn und Hamburg aus wird ausschließlich für das
FTI-Tochterunternehmen CA Ferntouristik geflogen. Im Mai 1998 folgte eine zweite B767 und
damit führte man erste Flüge zu Zielen am Mittelmeer durch. Die Maschinen wurden im
deutschen Register eingetragen und mit deutschen Crews eingesetzt. Bei der Wahl des
Firmensitzes machte Berlin-Schönefeld aufgrund der etwas günstigeren Kostenstruktur und
öffentlicher Beihilfen knapp das Rennen vor München. Mit Ablieferung der zweiten B767
wurden in der bayerischen Hauptstadt ebenfalls Flugzeugbesatzungen stationiert. Die Corporate
Identity soll die Herkunft der Airline nicht verleugnen, zugleich aber die Tochter als "deutsche"
Gesellschaft etablieren. Eine entsprechende Marktlücke im deutschen Langstreckenmarkt meinte
man bei Britannia Airways nach sorgfältiger Analyse des deutschen Reisemarktes erkannt zu
haben. Die in jüngster Zeit festzustellenden Konzentrationsbewegungen in der Charterszene
durch die Bildung des sogenannten roten Blocks (LTU, Hapag-Lloyd und TUI) einerseits und
des gelben Blocks andererseits (Condor und NUR) läßt gemäß BritanniaManagement kleineren
Reiseveranstaltern im Langstreckenmarkt keine Alternative. Diese will künftig die Deutsche
Britannia bieten.
Hauptziel Langstrecke
Initialeffekt für den Entschluß des englischen Chartergiganten, in Deutschland groß einzusteigen,
soll der Birgenair-Absturz in der Karibik Anfang 1996 gewesen sein. Die deutsche Kundschaft
sei nicht länger bereit, mit zweifelhaften ausländischen Gesellschaften in den Urlaub zu fliegen.
Ob diese Prognose zutreffend ist, erscheint etwas zweifelhaft, denn gerade auf dem Primärmarkt
des Neueinsteigers der Langstrecke, gibt es mittlerweile praktisch keine ausländischen Airlines
mehr. Hauptkonkurrenten, denen man Marktanteile abjagen möchte, sind daher für die Britannia
GmbH die LTU und die Condor.
Die beiden ersten Jets wurden wie schon erwähnt in Berlin-Schönefeld und München stationiert.
Im Endausbau plant man, acht Maschinen der Boeing 757/767-Familie einzusetzen. Abzuwarten
bleibt, ob sich die Britannia GmbH den deutschen Gepflogenheiten anpassen wird und wie dies
bei den künftigen Konkurrenten üblich ist, auch Einzelplätze außerhalb von
Veranstalterkontingenten verkauft. In England lehnt man dies aufgrund der damit verbundenen
Unsicherheiten strikt ab und erzielt dergestalt mit reinen Veranstalterbuchungen Auslastungen
von durchschnittlich über 90 %.
Plus durch Wettbewerbsvorteile
Neben besserer Marktakzeptanz als deutsche Britannia soll der Ableger vor allem Nonstop-Flüge
von Deutschland aus in Nicht-EU-Staaten ermöglichen. Mit britisch registrierten Maschinen ist
dies luftverkehrsrechtlich bislang nicht gestattet und bedeutete bei den bisherigen
Britannia-Operationen für den Reiseveranstaltet Paul Günter Tours PGT, daß die Boeings
umständliche, zeit- und kostenaufwendige Zwischenstops in Manchester oder London-Stansted
einlegen mußten, bevor sie endgültig Richtung Karibik abheben durften. Nach eigenem
Bekunden will man die deutsche Britannia als kostengünstigste deutsche Charterairline überhaupt
am Markt etablieren. Möglich sein soll dies durch die günstige Kostenstruktur der englischen
Muttergesellschaft. Gleichwohl stattete sich der Newcomer mit zunächst 200 Mann deutschem
Personal aus und tätigte in Deutschland Investitionen in Höhe von acht Millionen DM. Darüber
hinaus orientierte man sich bei der Ausnutzung der Maschinen eher an englischen
Gepflogenheiten. Mit 328 Sitzplätzen sind die Boeing 767 hochdicht bestuhlt, die deutsche
Konkurrenz hielt die Jets mit lediglich 276 (LTU) oder 269 (Condor) Plätzen.
Ärger mit etablierter Konkurrenz
Wenngleich etwa die LTU im Vorfeld der Betriebsaufnahme der Britannia GmbH insbesondere
unter Hinweis daraus daß der Newcomer im selben Flugzeugtyp über 50 Passagiere mehr
transportiere und der Kunde daher erhebliche Komfortverluste hinnehmen müsse, offiziell
Gelassenheit an den Tag legte, schien das Auftreten eines neuen Wettbewerbers im
vergleichsweise statischen deutschen Chartermarkt für eine gewisse Beunruhigung zu sorgen.
Als CA Ferntourisitk Ende Juli begann, Werbespots und Printwerbung unter Hinweis auf die
Reise an Bord der "deutschen Ferienfluggesellschaft Britannia" zu schalten und entsprechende
Buchungen entgegennahm, erwirkte der LTU-Veranstalter LTI beim Landgericht Hamburg eine
einstweilige Verfügung wegen unlauteren Wettbewerbs. Unlauter sei es, mit einer Airline zu
werben, die noch keine Betriebsgenehmigung besitze und deren Start nicht sichergestellt sei, da
nicht auszuschließen sei, daß die Passagiere letztendlich doch mit der "britischen Britannia" in
den Urlaub fliegen müßten. Der Reiseveranstalter mußte daraufhin seine Werbung umstellen.
Das Problem entstand vor allem dadurch, daß die Muttergesellschaft der Britannia Airways Ltd.
damals ihrerseits mehrheitlich im Eigentum der kanadisch dominierten Thomson Travel Group
stand und damit nach Ansicht der Konkurrenz keine EG-Privilegien in Anspruch nehmen dürfe,
soweit sie außerhalb Großbritanniens tätig werde. Nach den juristischen Streitereien zwischen
LTU und Britannia arbeiteten beide Airlines unerwartet im Bereich Abfertigung und Technik
zusammen. Dabei fertigt die LTU Aviation Handling, die zum 1. Juli 1997 aus der LTU Süd in
eine eigenständige GmbH ausgegliedert wurde, neben anderen ferienfluggesellschaften die
Britannia GmbH in München ab. Im Bereich Technik hat die LTU Maintenance (ebenfalls
Outsourcing LTU Süd) einen Teil der technischen Betreuung übernommen.
Als Protest gegen die EU-Entscheidung, die Duty-free-Verkäufe innerhalb der EU einzustellen,
ließ Britannia große "Keep Duty free" bzw. "Duty free muß bleiben" auf die hinteren Rümpfe
der Flugzeuge aufbringen. Diese Sticker verschwanden nach dem endgültigen Auslaufen des
zollfreien Einkaufs zum 30. Juni 1999 wieder.
Zukunftspläne
Kaum flügge geworden dachte Britannia schon an einen Ersatz der Boeing 767-300ER binnen zwei Jahren, wobei Airbus A330-200 auf Langstrecken zum Einsatz kommen könnten. Auch auf den Einsatz von Narrowbodies bereitete man sich vor. Nach den ersten vier Wochen konnte man auf eine zufrieden stellende Bilanz zurückblicken, denn die Maschinen waren von allen deutschen Abflughäfen nach Puerto Plata bis auf den letzten Platz ausgebucht. Als neue Langstreckenziele hat man im Sommer 1998 Punta Cana und Ziele auf Kuba ins Flugprogramm aufgenommen. Zusätzlich wurden die 767-300ER nach Mombasa sowie auf die Kanaren und nach Mallorca eingesetzt. Ab April 1998 stieg man denn auch ins Mittelstreckengeschäft ein und flog nach Palma.
In Deutschland sehen Britannias Pläne vor, der dritt- oder viertgrößte Chartercarrier mit einer
Flotte von 20 Jets bis 2002 zu werden. Im Juni 1998 erhielt man die zweite 767-300ER (D-AGYF; ex G-OBYF), eine dritte folgte im Winter und zum Sommer 1999 sollten es schon acht
Maschinen sein inklusive bis zu vier Airbus-Narrows. Diese Expansion würde auf der Übernahme
weiterer Reiseveranstalter wie FTI basieren plus einer Erhöhung der Reichweite von
Kurzstreckenflügen und Konzentration auf Vollcharter ohne Einzelplatzverkauf. Dann wäre
Britannia GmbH genauso groß wie Hapag Lloyd, zwar kleiner als Condor und LTU aber noch
vor Aero Lloyd, Air Berlin und Germania. Der britische Mutterkonzern ging inzwischen weiter
auf Shopping-Tour durch Europa und übernahm die Kontrolle über die schwedische Blue
Scandinavia, die erst im Herbst 1996 aus der Transwede hervorging, als diese sich vom
Charterbereich trennte. Zuvor war man an der Übernahme der Sterling Airways interessiert. Man
konnte sich aber mit den Eigentümern nicht über die Modalitäten einigen.
Zum Jahreswechsel 1998/99 wurde der Mutterkonzern wieder britisch: Nach dem Börsengang
des ursprünglich kanadisch dominierten Thomson-Konzerns, hat Britannia wieder den Status
einer europäischen Fluglinie. Damit könnten die deutschen Anteilshaber (Frosch Touristik,
Bankhaus Merck, Fink & Co.) ihre Beteiligungen von 12% bzw. 45 % an der deutschen
Britannia GmbH an die Briten zurückverkaufen.
Ein Jahr nach Gründung als eigenständiges Unternehmen, leitete Britannia GmbH die zweite
Phase des Expansionskurses ein. Mit weiteren Flugzeugen und einem vergrößerten
Mitarbeiterstamm soll die Marktposition gefestigt werden. Darüber hinaus baute die
Chartergesellschaft ihr Programm ab Deutschland zum Winter 1998/99 mit bis zu zwei Abflügen
ab Berlin-Schönefeld, Hannover, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Hahn (ab Sommer 1999 nicht
mehr als Abflugsort), Frankfurt, München und Stuttgart sowie ab Basel und Wien zu sechs
Fernstreckenzielen in der Karibik und Afrika aus. Dann wurde auch eine dritte Boeing 767-300ER eingesetzt; im März 1999 folgte die vierte Maschine. CA Ferntouristik weitete den
bestehenden Vertrag über zwei Maschinen, der bis April 2001 gültig ist, um ein Flugzeug aus.
Somit fliegen drei 767-300ER für weitere anderthalb Jahre exklusiv für diesen Veranstalter.
August 1999
verwendete Quellen:
jetstream/Matthias Kilian
AERO
Streckennetz:
Charter zu beliebten Ferienzielen in der Karibik, Afrika, Mittelmeerregion
Flotte: 4 Boeing 767-304ER...................geleast von Britannia Airways Ltd.