
Luftverkehrsunternehmen aus Taiwan Sitz: Taipeh Dreilettercode: CAL Zweilettercode: CI IATA-Nr.: 297 Unternehmen der China Aviation Development Foundation
Die Republik China (Taiwan) wurde zwar schon 1949 gegründet, ihre nationale flaggeführende Fluggesellschaft, die China Airlines (CAL), jedoch erst am 10. Dezember 1959. Damals hatte die Regierung einige pensionierte Offiziere der Luftstreitkräfte beauftragt , eine Organisation zu schaffen, die Vermessungsflüge, Such- und Rettungseinsätze sowie Frachtflüge für die Regierung ausführen könnte. Die ersten Maschinen waren zwei PBY-5 Catalina, doch bei Aufnahme des Passagierverkehrs im Jahre 1962 standen bereits Curtiss Commando sowie Douglas DC-3 und DC-4 im Dienst. Die ersten Strecken verbanden die Hauptstadt Taipeh mit den Städten Hualien, Taichung, Tainan, Kaohsiung und Makung.
Nach dem Einsatz eines Teils ihrer Flotte für Hilfsflüge nach Indochina eröffnete China Airlines am 2. Dezember 1966 mit einer einzigen, von der Flying Tiger Line gekauften Lockheed L-1049H Super Constellation ihre erste internationale Strecke, die Taipeh mit Saigon verband. Der durch den Vietnam-Krieg bedingte Luftverkehrsbedarf brachte den wirtschaftlichen Durchbruch und so wurde sie am 9. April 1967 bereits auf dieser Strecke von einer Boeing 727-100 abgelöst; blieb aber noch bis zum Jahre 1970 im Dienst. Die neue Maschine ermöglichte der CAL im selben Monat auch die Aufnahme des Flugbetriebs nach Hongkong, Osaka und Tokio, und als im September ein zweites Exemplar eintraf, wurde das Streckennetz noch um Seoul, Manila, Bangkok, Singapur und Kuala Lumpur erweitert.
Die im Oktober 1946 in Chinas südlicher Provinz Yunnan gegründete und 1950 nach Formosa (Taiwan) verlegte Civil Air Transport (CAT) hatte später ein der CAL sehr ähnliches Streckennetz aufgebaut. Am 29. Mai 1968 stellte CAT den Passagierverkehr jedoch völlig ein. CAL übernahm alle ihre Routen sowie das Personal und wurde so zur nationalen Fluggesellschaft.
1968 erhöhte man auf den meisten Routen die Flugdichte und ab Januar 1969 führte die Linie Taipeh - Osaka über Okinawa. Die Weltausstellung in Osaka füllte das Ka pazitätsangebot, der seit 22. Januar 1969 der IATA angehörenden Gesellschaft (Austritt 1974 aus Wettbewerbsgründen gegenüber den nicht IATA-gebundenen Konkurrenten).
CAL hatte zwei Boeing 707-300 bestellt, die im November und Dezember 1969 eintrafen. Sie ermöglichten der Gesellschaft, am 2.Februar 1970 die Transpazifikstrecke zu eröffnen, die zweimal wöchentlich von Hongkong nach San Francisco über Taipeh und Tokio beflogen und als Dynasty Service bekannt wurde. Im März 1971 kaufte CAL von Northwest Airlines eine dritte Boeing 707-300, die am 25. April eine zweite Linie in die USA, nach Los Angeles über Osaka, Tokio und Honolulu, einweihte.
In der Zwischenzeit hatte CAL ihre Inlandsflotte durch zwei NAMC YS-11 mit zwei Propellerturbinen ausgebaut, die ab 1. Januar 1970 auf der Strecke Taipeh - Hualien die Kolbenmotormaschinen ersetzten. Swissair musterte ihre Caravelle 3 aus und verkaufte zwei an China Airlines, die im Januar und März 1971 dort eintrafen. Sie gingen auf der Strecke Taipeh - Hongkong in Dienst und eröffneten im Dezember auch eine neue Strecke Kaohsiung - Hongkong. Eine der beiden Maschinen wurde im November wahrscheinlich durch Sabotage zerstört, so daß man 1972 die Anzahl der Flüge reduzieren mußte und die Strecke erst nach Auslieferung einer Ersatzmaschine im März 1973 wieder voll befliegen konnte.
1972 beförderte CAL auf internationalen Strecken 410.000 Passagiere. Mit der Lieferung von drei Boeing 707-324C im Zeitraum von 1972 bis 1973, die zuvor bei Continental Airlines flogen, erhöhte sich diese Zahl 1973 auf 667.000 Fluggäste. 1974 gab die japanische Regierung jedoch dem Druck des kommunistischen Chinas nach und entzog CAL am 20. April die Landerechte für Tokio. Die Volksrepublik China hatte sich lange geweigert, ihren Flugzeugen zu gestatten, auf den gleichen Flughäfen zu landen wie die Maschinen Taiwans. Als Antwort auf diese Maßnahme Japans brach CAL ihre Flüge nach Seoul, Osaka und Tokio ab und schloß den Luftraum Taiwans von nun an für japanische Maschinen.
Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Transpazifikstrecken von Taipeh nach Los Angeles und San Francisco über Guam und Honolulu umzuleiten. Doch man verfügte bald über genug Kapazität, um eine Boeing 707 dreimal wöchentlich als Frachtmaschine im transpazifischen Dynasty Cargo Service einzusetzen, der am 1. Juni 1974 den Betrieb aufnahm. CAL leaste im Mai 1975 eine Boeing 747-100 von Delta Air Lines, die ab dem 3. Juni auf Transpazifikrouten flog.
Nur einen Monat später, am 9. Juli, ergab der von der US-Regierung ausgeübte Druck eine Neuverhandlung der chinesisch - japanischen Vereinbarung und CAL konnte ihren US- West-Coast-Dienst über Tokio am 10. August mit allen Verkehrsrechten wieder aufnehmen. Durch genaue Planungen kamen die Maschinen der CAAC auf den Strecken von Peking und Shanghai nicht mit den der CAL in Kontakt. Im Oktober 1978 löste sich dieses Problem durch die Eröffnung von Tokios neuem Airport in Narita. CAL flog weiterhin den alten Flughafen in Haneda an. Die Dienste nach Südkorea wurden 1976 ebenfalls wieder aufgenommen, der Direktflug Taipeh - Seoul am 2. Januar und die Strecke über Fukuoka am 14. Juli.
In der Zwischenzeit hatte man entschieden, die Caravelle zu ersetzen und im April 1976 erwarb man drei Boeing 737-200 von All Nippon Airways (ANA). Die Maschinen flogen am 1. Mai 1976 erstmals auf der Strecke Taipeh - Kaohsiung, doch schon bald übernahm das Muster auch die Linie Kaohsiung - Hongkong. Bis zu diesem Zeitpunkt war CAL in westliche Richtung nur bis Bangkok vorgedrungen, doch der sich intensivierende Handel mit Saudi Arabien und dessen Bedarf an Bauarbeitern (vor allem Koreanern) führte am 9. Oktober 1976 zur Einführung einer wöchentlichen Linie nach Dhahran und Jeddah über Bangkok. Sechs Monate später, am 14. April 1977, nahm CAL mit ihrer ersten Boeing 747SP Nonstopflüge von Taipeh nach Los Angeles auf.
Am 26. Februar 1979 wurde Taipehs neuer Flughafen Chiang Kai-shek International Airport eröffnet, so daß nur noch die drei Boeing 737 und die vergleichbaren Maschinen des inländischen Betreibers Far East Air Transport von Sung Shan aus operierten. Die Gesellschaft nahm am 22. Februar 1980 ihre Flüge nach Okinawa schließlich wieder auf. Im Juli desselben Jahres wurde eine Boeing 747-200F geliefert. Sie sollte die Boeing 707 auf den wöchentlichen Frachtflügen Taipeh - Fairbanks - Los Angeles ersetzen, die im Januar 1981 nach New York erweitert wurden und ab August 1982 über Anchorage statt Fairbanks erfolgten. Zum ersten Kontakt der CAL mit Europa kam es ebenfalls durch eine reine Frachtlinie, die ab dem 10. Mai 1982 wöchentlich über Dubai nach Luxemburg führte.
Mit dem Ende des Vietnamkriegs am 30. April 1975 wurde der Luftraum des Landes für Überflüge durch zivile Linienmaschinen gesperrt, so daß man die gesamte indochinesische Halbinsel umgehen mußte. Dies erhöhte nicht nur die Flugzeit, z.B. zwischen Bangkok und Hongkong, sondern auch die Kosten für CAL beträchtlich. Obwohl die meisten westlichen Fluggesellschaften ab Anfang 1979 Vietnam wieder überfliegen durften, erhielt China Airlines dieses Recht erst am 1. Januar 1983 und nahm daraufhin die Direktflüge wieder auf. Zur gleichen Zeit führte CAL als erster asiatischer Carrier die erste von zwei Boeing 767- 200 ein. Der Airliner wurde am 20. Dezember bei Boeing in Everett übernommen und ging auf der Strecke Taipeh - Hongkong - Bangkok in Dienst. In der Zwischenzeit hatte China Airlines auch drei ihrer vier bestellten Airbus A300B4-200 erhalten. Nach der Übergabe in Toulouse am 22. Juni 1982 setzte sie die erste der Maschinen am 5. Juli 1982 auf den südostasiatischen Strecken nach Hongkong, Bangkok, Seoul und Okinawa für Zahlgäste ein. Die Ankunft des neuen Musters ermöglichte die Außerdienststellung der Boeing 727 - Flotte, die den Luftstreitkräften für VIP - Transporte übergeben wurde.
Im Frühjahr 1983 erhöhte China Airlines durch die Einführung zweier neuer Linien, darunter die erste Passagierverbindung nach Europa, ihre einfache Flugstreckenlänge um 40 %. Ab 20. März flog die Gesellschaft zweimal wöchentlich über Anchorage nach New York und am 12. April führte sie einen wöchentlichen Dienst auf der Strecke Taipeh - Dubai - Amsterdam ein. Genau ein Jahr danach verlängerte sie einen der beiden wöchentlichen New York - Flüge nach Amsterdam, so daß sie jetzt weltumspannende Routen anbieten konnte.
Die Boeing 707 wurden 1984 aus dem Passagierverkehr abgezogen, obwohl eine Maschine noch eine Weile dreimal die Woche Frachtflüge nach Hongkong, Kuala Lumpur und Singapur durchführte. Im April 1985 kaufte CAL von Cargolux eine zweite Boeing 747- 200F, die die Eröffnung einer neuen Strecke nach Dallas ermöglichte.
Am 2. Oktober 1989 übernahm China Airlines in Toulouse den ersten ihrer bestellten fünf Airbus A300-600R, in der Absicht, ihre regionalen Flüge einheitlich mit zweistrahligen Airbus-Großraumflugzeugen zu betreiben und sich von den Boeing 767 zu trennen. Im Januar 1991 kam ein sechster A300-622R hinzu.
Gegen Ende der achtziger Jahre stockte China Airlines ihre Langstreckenkapazität beträchtlich auf. Fünf Boeing 747-400 waren ab November 1989 zur Auslieferung vorgesehen, doch aufgrund von Verzögerungen im Programm konnte man die erste dieser Maschinen erst am 8. Februar 1990 übergeben. Zwei McDonnell Douglas MD-11 wurden Anfang 1992 in Auftrag gegeben und noch im zweiten Halbjahr ausgeliefert. Weitere zwei Maschinen wurden bestellt. Diese beiden neuen Typen gestatteten eine Neuverteilung auf den Langstrecken der CAL, so daß die Boeing 747SP für andere Einsätze bereit standen. Die Mehrzahl (drei) wurden nun gemeinsam von der CAL und der im Juni 1991 gegründeten Mandarin Airlines, der zweiten privaten Fluggesellschaft Taiwans mit den gemeinsamen Eigentümern China Airlines (66 %) und Kuo's Development Corp.(33 %), betrieben. Im Dezember 1992 ging sie jedoch in den alleinigen Besitz von China Airlines über. Die Boeing 747SP werden von ihr zeitweise für die Strecken von Taipeh nach Auckland, Brisbane, Sydney und Vancouver geleast. 1993 beantragte China Airlines Verkehrsrechte für die europäischen Metropolen Paris und Frankfurt/M.
Im Oktober 1995 präsentierte China Airlines ihr neues Corporate Identy, das sich von den Nationalfarben rot und blau distanzierte und nun eine Pflaumenblüte am Leitwerk zeigt. Dieser mehrere Millionen Dollar teure Identitätswechsel schloß auch die Angestellten- Uniformen, die Kabinenausstattung in allen Klassen und die Neubemalung der Bodenfahrzeuge mit ein. Mit diesem neuen " neutralen " China Airlines- Design hofft das Unternehmen seine Hongkong-Dienste auch nach 1997, wenn die Kolonie an die VR China zurückgegeben wurde, aufrechterhalten und vielleicht irgendwann einmal auch Festland-China anfliegen zu können.
Am 22. Dezember 1995 bestätigte Boeing die Bestellung von sechs 737-800 plus Optionen über neun weitere Exemplare mit Auslieferungsdatum 1998. Sie sollen die Expansion auf den Inlands- und Regionalrouten gewährleisten und die existierende Boeing 737-200-Flotte ( 3 Exemplare) und die geleasten Airbus A320-231 ersetzen. In der Zwischenzeit erhält China Airlines einige Boeing 737-400 auf Leasingbasis.
Aber auch einen Unfall hatte das Unternehmen zu beklagen, als am 12.Dezember 1995 eine Boeing 747-209B in Manila aufgrund eines Bugfahrwerks-Versagen über die Landebahn hinausschoß und teilweise beschädigt wurde. Zur Zeit des Unfalls befand sich die Maschine auf einem Überführungsflug zwecks Reparatur mit nur drei Triebwerken, da sie am Vortag mit einem Bodenfahrzeug zusammenstieß.
Streckennetz :
Europa, Golfregion, Nordamerika, Fernost, Pazifik, Südostasien, Inland
Flotte :
3 Boeing 737-209 Adv.
2 Airbus A320-231......................................lsf Aero Service Leasing 11/94
6 Airbus A300B4-220..................................4 lsf CCAA '82/'83,2 cvtd -120
6 Airbus A300-622R....................................1 lsf ILFC 1/95
4 McDonnell Douglas MD-11....................lsf CCAA '92/'93, 1 transf. an Mandarin, 1 in Mandarin-Farben
4 Boeing 747SP-09.....................................2 lsf WTC Trustee, 3 zeitweise an Mandarin vermietet
2 Boeing 747-209F (SCD)............................lsf CCAA 8/89
1 Boeing 747-209B (F) (SCD).......................cvtd -209B (SCD)
3 Boeing 747-209B
4 Boeing 747-409........................................lsf CCAA '90/'93
1 Boeing 747-412........................................lsf Singapore Airlines 6/94
1 Boeing 747-200F......................................lsf Atlas Air 1/96