Boeing 737-300 G-EURR (Foto: Samml. Pritzkow)
Berlin European U.K. Ltd.

ehemalige britische Fluggesellschaft                                           ex-Sitz: Berlin-Tegel
ex 2-/3-Lettercode: WZ / RGN
ex-Call-sign 04/1987 - 06/1990: REGIONAL
ex-Call-sign 07/1990 - 03/1991 ECHO JET

Gegründet im Dezember 1985 durch den ehemaligen Deutschland Direktor der British Airways, Captain Richard A. "Dick" Twomey, wollte Berlin Regional U.K. den Trend der Commuter Airlines auch im Berlinverkehr etablieren. Captain Twomey hatte durch seine Erfahrung bei BA einen Einblick in das Wirken der Alliierten Luftfahrtattaches erhalten und nach seiner Pensionierung bei BA sich entschlossen, da anzusetzen, wo erst Monate vorher die US-Fluglinie Direct Air gescheitert war. Als Ziele wurden u. a. Basel Brüssel, Friedrichshafen, Genf, Kiel, Kopenhagen und Zürich auserkoren. Mit British Aerospace konnte man sich über einen Mietkauf von zwei Bae Jetstream 31 einig werden. Dafür wurden bei BAe zunächst die Jetstream 31 G-BRGL (cn 720) und G-BRUK (cn 727) reserviert. Verzögerungen seitens der Alliierten Luftfahrtattachés führten jedoch dazu, dass der Betrieb erst zum Sommerflugplan 1987 aufgenommen werden konnte. BAe platzierte G-BRGN und G-BRUK anderweitig bei der italienischen Aliblu und somit übernahm Berlin Regional die zwei gebrauchten J31 G-BRGL (cn 637) und G-BTXL (cn 621). Genehmigungen wurden für Strecken nach Basel, Friedrichshafen, Genf, Kopenhagen und Zürich erteilt. Zeitgleich wurde mit Hilfe der in Scottsdale, Arizona/U.S.A. ansässigen Ratliff Aero die Berlin Regional U.S.A. aus der Taufe gehoben, welche mit einem Lear 25D (N973, cn25d-254) und einer Gulfstream G-159 Gulfstream 1 (N750BR, cn99) in den Buiness und Ambulanzverkehr einsteigen sollte.

Foto: Sammlung Pritzkow
Gulfstream I N750BR (Samml. Pritzkow)
Foto: Sammlung Pritzkow
BAe Jetstream 31 G-BTXL (Samml. Pritzkow)
Foto: Sammlung Pritzkow
Boeing 737-300 G-EURR (Samml. Pritzkow)
Die Verbindungen nach Zürich und Kopenhagen waren als Zubringer für das Netz der Swissair bzw. SAS ausgelegt. Jedoch dauerte es nicht lange und Pan Am Express stieg ab November 1987 mit einer Flotte von ATR42 in das gleiche Marktsegment ein. Mit dem Sommerflugplan 1988 wurde das Netz bis auf die Ziele Friedrichshafen und Kopenhagen zusammengestrichen und die J31 G-BRGL and BAe retourniert. Am 4. Mai 1988 lud Captain Twomey zu Pressekonferenz. Nach dem wörtlichen Motto "Märkte entwickeln, um sie an Größere zu verlieren" wurde ein neues Konzept vorgelegt. Aus "Berlin Regional U.K." wurde "Berlin European U.K." und ab dem Winterflugplan wollte man nun mit einer Boeing 737-300 montags bis freitags 4x täglich Berlin Tegel - Frankfurt bedienen und am Wochenende im Charterbereich tätig sein. Mit der SAT Leasing des Dr. Hinrich Bischoff, welche damals ihren Sitz in der Berliner Kurfürstenstraße hatte, wurde man sich einig. Doch wieder einmal waren es die Großen, welche es nicht gönnen wollten. Ausgehend von Ronald Reagans sogenannter "Berlin Initiative" bewarben sich erfolgreich auch British Airways und TWA um Linienrechte auf der Stecke Tegel - Frankfurt a.Main. Obendrein gründeten Air France und Lufthansa auch noch die EuroBerlin France. Twomey legte das Thema Frankfurt und Charter erst einmal auf Eis. Nicht aber den Leasingvertrag über die Boeing 737. Mit Monarch Airlines hatte man nämlich schon einen Beratervertrag über technische Dienstleistungen abgeschlossen und konnte in ihr auch einen Leasingnehmer gewinnen. Die Boeing 737-300 G-EURP (24237/1624) wurde im Oktober 1988 von Seattle nach Luton überführt, nicht ohne aber vorher schon den vollen Berlin European Anstrich erhalten zu haben. Mit Beginn des Winterflugplans wurde auch die Strecke nach Friedrichshafen als auch Berlin Regional U.S.A. eingestellt. Der Learjet ging als als I-AVJE an AVIORIPRESE nach Neapel/Italien und die Gulfstream wurde Ersatzteilspender bei Air Provence in Marseille.

Da sich die Auslastung auf der Kopenhagen Route recht gesund entwickelt hatte, begab sich Twomey auf die Suche nach einem größeren Flugzeug und platzierte eine Option auf eine Embraer EMB-120 Brasilia. Als neue mögliche Destination wurde Mailand ins Auge gefasst, um welche sich zeitgleich auch Tempelhof Airways beworben hatte. Beide gingen jedoch leer aus. Bristish Airways verpflichtete indes Berlin European, um im Winterflugplan 1989/90 einmal täglich die Strecke Berlin Tegel - Brüssel zu befliegen.

Der finanzielle Einstieg von Dr. Hinrich Bischoff beim Reiseveranstalter "Berliner Flugring" eröffnete der Berlin European U.K. eher unerwartet eine neue Möglichkeit für den Betrieb einer Boeing 737-300 ab dem Sommerflugplan 1990. Wiederum über die SAT Leasing stieß im März 1990 die Boeing 737-300 G-EURR (ex OY-MMM) der Maersk Air (23717/1365) zur Flotte , während die Strecke nach Kopenhagen eingestellt wurde und Dr. Bischoff die Jetstream 31 G-BTXL in Zahlung nahm und erstmal in Bremen abstellte, bevor diese drei Jahre später in der norwegischen Coast Air einen Abnehmer fand. Der erste Einsatz der G-EURR erfolgte im Auftrag der Air Berlin USA um einen Wartungsintervall zu überbrücken. Zum 1. Juli 1990 schied Captain Richard Twomey anlässlich seines 60. Geburtstages aus dem fliegerischen Dienst aus und veräußerte die Fluggesellschaft an die Germania Fluggesellschaft des Dr. Bischoff. Per 1. April 1991 erlosch das Zertifikat (AOC) der Berlin European U.K. und aus der G-EURR wurde die D-AGEH. Die G-EURP wurde als D-AGEG samt einiger weniger Mitarbeiter in die Flotte der Germania eingegliedert. Richard "Dick" Twomey jobbte noch ein paar Jahre bei Air Mauritius.

Quellennachweis:
Berlin Flugplan Mai 1984 und Juni 1988
Berliner Morgenpost 5 Mai 1988, 1 Juli(?) 1990
Berlin Regional Infoflyer April 1987
Luftbrücke nach Berlin, Hans von Przychowski, Brandenburg. V., Bln. Erscheinungsdatum: 1996 ISBN: 389488097X

Erstellt durch David Greer