Antonov 74-200 RA-74014 der Cargo-Abteilung (Oliver Wendt; SXF)

Bashkir Airlines - BAL Bashkirskie Avialinii

Fluggesellschaft der russischen Teilrepublik Bashkortostan mit Sitz in Ufa
Dreilettercode: BTC.........Zweilettercode: V9.........IATA-Nr.: 940.......ICAO call sign: BASHKIRIAN
Ufa, nahe dem westlichen Rand des Ural gelegen, ist die Hauptstadt der autonomen Republik Baschkortostan, die der russischen Föderation angehört. Schon im Anflug machen die ausgedehnten Felder klar, dass hier eine der Kornkammern Russlands liegt. Klima und Vegetation wirken bereits südländisch.

Die Geburt der Bashkirian Airlines
Zu einer autonomen Republik gehört eine eigenständige Airline, ein "Flagcarrier". Im Falle Baschkortostans dient dazu das bereits 1927 gebildete, in Ufa angesiedelte regionale Direktorat der Aeroflot, das im Jahre 1991 wie zahlreiche andere sogenannte "Babyflots" aus der Aeroflot ausgegliedert wurde. Im selben Jahr erfolgte die Namensänderung zur Bashkirian Airlines, doch zögert das Management der Bashkirian Airlines nicht, die 64 Jahre als Aeroflot-Direktorat nahtlos zur Firmengeschichte hinzu zu zählen und heute stolz darauf zu verweisen, dass man bereits den 72. Geburtstag der Airline feiern kann.

Bei der Umbenennung von 1991 übernahm Bashkirian Airlines Flugzeuge und Strecken des vorherigen Aeroflot-Direktorats. Für den Linienverkehr standen anfänglich acht Tupolev 154 der Versionen B-1 und B-2, sechs Tupolev 134A sowie für regionale Strecken elf Antonov 24 zur Verfügung. Gleichzeitig wurde auch eine umfangreiche Flotte von Helikoptern und Agrarflugzeugen übernommen, darunter elf Mil Mi-8 und rund 30 An-2.

Flotten- und Streckenerweiterung
Inzwischen hat sich die Flotte der Bashkirian Airlines geändert. In den Jahren 1993 bis 1997 stießen fünf werksneue Antonov 74 Frachter zur Airline. Hoffnungen, diese Flugzeuge im Express-Frachtgeschäft vermarkten zu können, zerschlugen sich jedoch, so daß diese derzeit oft etwas unterbeschäftigt in Ufa parken. Auch die Flotte der im Passagierdienst eingesetzten Airliner konnte erneuert werden. Neben drei werksneuen Tupolev 154M, die 1993 bis 1995 übernommen wurden, kaufte Bashkirian von LOT Polish Airlines vier Ende der Achtziger Jahre gebaute Maschinen gleichen Typs und stellte sie zwischen 1995 und 1997 in Dienst. Über den Jahreswechsel 1999/2000 (19.12.'99, 20.1., 30.1.'00) erwarb Bashkirian außerdem drei ehemalige CSA-Tupolev 154M. Es handelt sich hierbei um die ex OK-UCF, OK-UCE und OK-TCD. Nur zwei der älteren Tupolev 154B-2 sind derzeit noch einsatzbereit. Während auch vier der eigenen Tupolev 134A abgestellt wurden, stießen jüngst zwei baugleiche Maschinen der Perm Airlines zur Flotte. Von der umfangreichen An-24 Flotte sind maximal noch zwei Flugzeuge aktiv. Der Rest wurde bereits abgebrochen oder steht abseits des Rollfelds im hohen Gras.

"Rennerstrecke" der Bashkirian Airlines ist die mehrmals täglich beflogene Verbindung nach Moskau-Domodedovo. Auf dem knapp zweistündigen Flug wird ein vollständiger Service inklusive Hotmeal geboten. Neben Moskau werden Querverbindungen in andere Städte der russischen Föderation angeboten. Das Streckennetzes reicht von St. Petersburg im Westen bis nach Sibirien im Osten und das Schwarze Meer im Süden.

Neu hinzugekommen sind mit der Öffnung der früheren UdSSR Charterflüge für Badeferien und Einkaufstouren. Regelmäßig steuern die Tupolevs der Bashkirian Airlines deshalb Istanbul und Antalya in der Türkei, Larnaca auf Zypern, Thessaloniki und Athen in Griechenland oder AI-Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten an.

Auch die Agrarflieger sind noch aktiv
Während die als Sprayer und Verbindungsflugzeuge genutzten Antonov 2 auf den meisten russischen Flugplätzen diesseits des Urals meist seit der Ausgliederung aus der Aeroflot nicht mehr geflogen sind und dementsprechend vernachlässigt aussehen, hat Bashkirian Airlines ihre Antonov 2 überdurchschnittlich gut behandelt. Bis auf wenige Ausnahmen tragen sie alle - dies als eine Seltenheit - die volle Bashkirian Airlines Bemalung anstelle abgeschossener Aeroflot-Farben. Wenn auch bei weitem nicht alle 30 Antonov 2 noch einsatzfähig sind, fliegen doch einige dieser urtümlichen Arbeitspferde noch regelmäßig. Ihnen steht auf dem Flughafen Ufa, versteckt hinter dem Hangar der Bashkirian Airlines, ein eigener Tarmac mit "stilechter" Graspiste zur Verfügung. Am gleichen Ort haben auch die Helikopter der Bashkirian Airlines ihre Basis. Neben den bereits erwähnten Mil Mi-8 verfügt die Airline seit 1997 über die kleinere und immer noch seltene Mil Mi-34 sowie Kamov Ka-26 Helikopter. Während die großen Mi-8 zu Transportzwecken oder zum Löschen von Waldbränden verwendet werden, fliegen die kleineren Muster auch für die Polizei.

Ausblick
Prognosen über die Erfolgsaussichten und die Zukunft russischer Airlines sind schwierig, kommt doch auch die Unsicherheit über die wirtschaftliche Großwetterlage der russischen Föderation hinzu, die sich bekanntlich sprunghaft zum Besseren oder Schlechteren wenden kann. Trotz aller Schwierigkeiten machen die Operationen der Bashkirian Airlines einen positiven Eindruck: Die in der Regel recht gut gefüllten Flüge verkehren sehr pünktlich, wozu auch die typisch russische Praxis beiträgt, alle Passagiere möglichst bereits 30 Minuten vor Abflug festgezurrt auf ihren Plätzen sitzen zu haben. Die diversen abgestellten Flieger machen deutlich, daß die überdimensionierte Flotte aus Sowjet-Zeiten auf das erforderliche Maß reduziert worden ist. Die derzeit noch aktiven Tupolevs und Antonovs stehen entsprechend intensiver im Einsatz und machen - in den alten Zeiten eine Seltenheit - mehrere Umläufe pro Tag. Mit dem Zukauf der relativ modernen Tu-154M konnte Bashkirian Airlines das Rückgrat ihrer Flotte zudem wesentlich verjüngen.

Investitionen tätigt Bashkirian auch am Boden. Während die Renovierung und Modernisierung des Verwaltungsgebäudes noch im Gange ist, wurden im Terminal bereits zwei selbst nach westlichen Maßstäben sehr ansprechende Business- und VIP/First-Class Lounges eingerichtet: Ein eigener Check-in Schalter in der Lounge, eine Cafeteria und ein kleines, aber modernes Business Center mit PC, Fax und Telefon lassen keine Wünsche offen. Auch der dem "Fußvolk" vorbehaltene allgemeine Teil des gut unterhaltenen, sauberen Terminals braucht sich nicht zu verstecken. Einzig der düstere Durchgang, in dem die Sicherheitskontrolle angesiedelt ist, wirkt noch etwas beklemmend, dafür stehen dem wartenden Passagier neben einer (sehr kleinen) Halle am Gate auch die Option offen, die Wartezeit bis zum Boarding seines Fliegers in einem nur mit einem hüfthohen Metallzaun abgetrennten, mit Bänken und Tischen möblierten Areal auf dem Vorfeld (!) zu verbringen und bei schönem Wetter in "Gartenatmosphäre" auf seinen Abflug zu warten.

Juni 2000

Quelle:
jetstream 11/99; Lukas Lusser


Streckennetz:

reicht von St. Petersburg im Westen bis nach Sibirien im Osten und das Schwarze Meer im Süden.
Charter z.B. Türkei, Griechenland, VAE, Zypern

Flotte:

31 PZL Mielec (Antonov) An-2.....24 Sprüh-, 2 Passagier-, 5 Combiflugzeuge
..5 PZL Mielec (Antonov) An-28
..1 Mil Mi-8
12 Mil Mi-8T.................................1 VIP
..4 Antonov An-24RV
..4 Antonov An74-200
..1 Tupolev Tu-134A
..3 Tupolev Tu-134A-3
..1 Tupolev Tu-154B-1
..2 Tupolev Tu-154B-2
11 Tupolev Tu-154M