
Die Geburt der Bashkirian Airlines
Zu einer autonomen Republik gehört eine eigenständige Airline, ein "Flagcarrier". Im Falle
Baschkortostans dient dazu das bereits 1927 gebildete, in Ufa angesiedelte regionale Direktorat
der Aeroflot, das im Jahre 1991 wie zahlreiche andere sogenannte "Babyflots" aus der Aeroflot
ausgegliedert wurde. Im selben Jahr erfolgte die Namensänderung zur Bashkirian Airlines,
doch zögert das Management der Bashkirian Airlines nicht, die 64 Jahre als Aeroflot-Direktorat
nahtlos zur Firmengeschichte hinzu zu zählen und heute stolz darauf zu verweisen, dass man
bereits den 72. Geburtstag der Airline feiern kann.
Bei der Umbenennung von 1991 übernahm Bashkirian Airlines Flugzeuge und Strecken des
vorherigen Aeroflot-Direktorats. Für den Linienverkehr standen anfänglich acht Tupolev 154
der Versionen B-1 und B-2, sechs Tupolev 134A sowie für regionale Strecken elf Antonov 24
zur Verfügung. Gleichzeitig wurde auch eine umfangreiche Flotte von Helikoptern und
Agrarflugzeugen übernommen, darunter elf Mil Mi-8 und rund 30 An-2.
Flotten- und Streckenerweiterung
Inzwischen hat sich die Flotte der Bashkirian Airlines geändert. In den Jahren 1993 bis 1997
stießen fünf werksneue Antonov 74 Frachter zur Airline. Hoffnungen, diese Flugzeuge im
Express-Frachtgeschäft vermarkten zu können, zerschlugen sich jedoch, so daß diese derzeit oft
etwas unterbeschäftigt in Ufa parken. Auch die Flotte der im Passagierdienst eingesetzten
Airliner konnte erneuert werden. Neben drei werksneuen Tupolev 154M, die 1993 bis 1995
übernommen wurden, kaufte Bashkirian von LOT Polish Airlines vier Ende der Achtziger Jahre
gebaute Maschinen gleichen Typs und stellte sie zwischen 1995 und 1997 in Dienst. Über den
Jahreswechsel 1999/2000 (19.12.'99, 20.1., 30.1.'00) erwarb Bashkirian außerdem drei
ehemalige CSA-Tupolev 154M. Es handelt sich hierbei um die ex OK-UCF, OK-UCE und OK-TCD. Nur zwei der älteren Tupolev 154B-2 sind derzeit noch einsatzbereit. Während auch vier
der eigenen Tupolev 134A abgestellt wurden, stießen jüngst zwei baugleiche Maschinen der
Perm Airlines zur Flotte. Von der umfangreichen An-24 Flotte sind maximal noch zwei
Flugzeuge aktiv. Der Rest wurde bereits abgebrochen oder steht abseits des Rollfelds im hohen
Gras.
"Rennerstrecke" der Bashkirian Airlines ist die mehrmals täglich beflogene Verbindung nach
Moskau-Domodedovo. Auf dem knapp zweistündigen Flug wird ein vollständiger Service
inklusive Hotmeal geboten. Neben Moskau werden Querverbindungen in andere Städte der
russischen Föderation angeboten. Das Streckennetzes reicht von St. Petersburg im Westen bis
nach Sibirien im Osten und das Schwarze Meer im Süden.
Neu hinzugekommen sind mit der Öffnung der früheren UdSSR Charterflüge für Badeferien
und Einkaufstouren. Regelmäßig steuern die Tupolevs der Bashkirian Airlines deshalb Istanbul
und Antalya in der Türkei, Larnaca auf Zypern, Thessaloniki und Athen in Griechenland oder
AI-Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten an.
Auch die Agrarflieger sind noch aktiv
Während die als Sprayer und Verbindungsflugzeuge genutzten Antonov 2 auf den meisten
russischen Flugplätzen diesseits des Urals meist seit der Ausgliederung aus der Aeroflot nicht
mehr geflogen sind und dementsprechend vernachlässigt aussehen, hat Bashkirian Airlines ihre
Antonov 2 überdurchschnittlich gut behandelt. Bis auf wenige Ausnahmen tragen sie alle - dies
als eine Seltenheit - die volle Bashkirian Airlines Bemalung anstelle abgeschossener
Aeroflot-Farben. Wenn auch bei weitem nicht alle 30 Antonov 2 noch einsatzfähig sind,
fliegen doch einige dieser urtümlichen Arbeitspferde noch regelmäßig. Ihnen steht auf dem
Flughafen Ufa, versteckt hinter dem Hangar der Bashkirian Airlines, ein eigener Tarmac mit
"stilechter" Graspiste zur Verfügung. Am gleichen Ort haben auch die Helikopter der
Bashkirian Airlines ihre Basis. Neben den bereits erwähnten Mil Mi-8 verfügt die Airline seit
1997 über die kleinere und immer noch seltene Mil Mi-34 sowie Kamov Ka-26 Helikopter.
Während die großen Mi-8 zu Transportzwecken oder zum Löschen von Waldbränden
verwendet werden, fliegen die kleineren Muster auch für die Polizei.
Ausblick
Prognosen über die Erfolgsaussichten und die Zukunft russischer Airlines sind schwierig,
kommt doch auch die Unsicherheit über die wirtschaftliche Großwetterlage der russischen
Föderation hinzu, die sich bekanntlich sprunghaft zum Besseren oder Schlechteren wenden
kann. Trotz aller Schwierigkeiten machen die Operationen der Bashkirian Airlines einen
positiven Eindruck: Die in der Regel recht gut gefüllten Flüge verkehren sehr pünktlich, wozu
auch die typisch russische Praxis beiträgt, alle Passagiere möglichst bereits 30 Minuten vor
Abflug festgezurrt auf ihren Plätzen sitzen zu haben. Die diversen abgestellten Flieger machen
deutlich, daß die überdimensionierte Flotte aus Sowjet-Zeiten auf das erforderliche Maß
reduziert worden ist. Die derzeit noch aktiven Tupolevs und Antonovs stehen entsprechend
intensiver im Einsatz und machen - in den alten Zeiten eine Seltenheit - mehrere Umläufe pro
Tag. Mit dem Zukauf der relativ modernen Tu-154M konnte Bashkirian Airlines das Rückgrat
ihrer Flotte zudem wesentlich verjüngen.
Investitionen tätigt Bashkirian auch am Boden. Während die Renovierung und Modernisierung
des Verwaltungsgebäudes noch im Gange ist, wurden im Terminal bereits zwei selbst nach
westlichen Maßstäben sehr ansprechende Business- und VIP/First-Class Lounges eingerichtet:
Ein eigener Check-in Schalter in der Lounge, eine Cafeteria und ein kleines, aber modernes
Business Center mit PC, Fax und Telefon lassen keine Wünsche offen. Auch der dem
"Fußvolk" vorbehaltene allgemeine Teil des gut unterhaltenen, sauberen Terminals braucht sich
nicht zu verstecken. Einzig der düstere Durchgang, in dem die Sicherheitskontrolle angesiedelt
ist, wirkt noch etwas beklemmend, dafür stehen dem wartenden Passagier neben einer (sehr
kleinen) Halle am Gate auch die Option offen, die Wartezeit bis zum Boarding seines Fliegers
in einem nur mit einem hüfthohen Metallzaun abgetrennten, mit Bänken und Tischen
möblierten Areal auf dem Vorfeld (!) zu verbringen und bei schönem Wetter in
"Gartenatmosphäre" auf seinen Abflug zu warten.
Juni 2000
Quelle:
jetstream 11/99; Lukas Lusser
reicht von St. Petersburg im Westen bis nach Sibirien im Osten und das Schwarze Meer im Süden.
Charter z.B. Türkei, Griechenland, VAE, Zypern
Flotte:
31 PZL Mielec (Antonov) An-2.....24 Sprüh-, 2 Passagier-, 5 Combiflugzeuge
..5 PZL Mielec (Antonov) An-28
..1 Mil Mi-8
12 Mil Mi-8T.................................1 VIP
..4 Antonov An-24RV
..4 Antonov An74-200
..1 Tupolev Tu-134A
..3 Tupolev Tu-134A-3
..1 Tupolev Tu-154B-1
..2 Tupolev Tu-154B-2
11 Tupolev Tu-154M