Airbus A320-200 EI-DBD (Oliver Pritzkow, TXL 30.12.03)
AzzurraAir, SpA
italienisches Luftverkehrsunternehmen                                   Sitz: Mailand-Malpensa
Dreilettercode: AZI                        Zweilettercode: ZS           IATA-Nr.: 864
ICAO call sign: AZZURRA AIR                                             Web: www.azzurraair.it

AzzurraAir wurde im Dezember 1995 von Air Malta (49 %) und Air International Services, einer italienischen Investmentgruppe, gegründet. Im Sommer 1996 verhandelte man mit Air Malta über drei Avro RJ85, um zum Jahresende den Betrieb aufnehmen zu können. Am 10. Dezember 1996 war es dann soweit und die ersten, zweimal täglich bedienten Kurse führten von Bergamo Orio al Sero nach Rom, München, London City und Paris Charles de Gaulle. Dafür standen zu diesem Zeitpunkt zwei Avro RJ85 zur Verfügung. Bis zum Eintreffen der dritten Maschine im Mai 1997 mietete AzzurraAir eine kleinere Avro RJ70 EI-COQ (ex 9H-ACM) der Air Malta via Peregrine Aviation an. Mit Einsetzen des Sommerflugplans 1997 bot man neue Routen von Turin nach London City und Zürich an.

Im Herbst 1997 zeichnete sich eine Änderung der Flottenpolitik beim Mitgründer und Teilhaber Air Malta ab. Diese hatte sich vom Hub-Konzept, wofür die ARJs angeschaft wurden, verabschiedet. und beauftragte Fortiss Aviation mit dem Verkauf ihrer vier Avro RJ85, von denen drei bei AzzurraAir flogen. Folgerichtig nahm man an, dass die drei bei Air Malta verbliebenen Avro RJ70 an AzzurraAir transferiert würden, was aber auch eine Kapazitätsverringerung bedeutete. Im März 1998 wurden die ARJ70 von Air Malta nach East Midlands überführt, wo sie von Fields modifiziert und anschliessend via Peregrine Aviation Leasing an AzzurraAir übergeben wurden.
Ab 26. Oktober 1997 bot man mit ARJ70 eine Route von Bergamo-Orio Al Sero nach London-Luton an, nachdem man mit der britischen Debonair eine Allianz vereinbart hatte, die Codesharing und andere Kooperationen umfasste.

Am 3. November 1998 leaste AzzurraAir von Flightline die BAE 146-200 G-TBIC (wet) für ein Jahr und liess sie in den Farben der Alitalia fliegen, mit der man eine teilweise Zusammenarbeit vereinbart hatte. Auch die Avros erhielten daraufhin die Bemalung des italienischen Flagcarriers. Für Charterdienste wollte man sich nun nach zwei Boeing 737-400 umschauen.
Für die Sommersaison 1999 kündigte AzzurraAir Charterflüge ab Mailand-Malpensa, Bergamo, Bologna und Verona zu Zielen in Spanien, Griechenland und dem Mittleren Osten an. Dafür wollte man von ILFC zwei Boeing 737-700 anmieten, bezog diese dann aber von Pembroke Leasing mit einer Leasingdauer von fünf Jahren. Beide Maschinen (EI-CRP/Q) waren werksneu und trafen am 14. bzw. 15. April direkt aus Seattle ein. Zudem sollten sie wieder die Farben der AzzurraAir tragen. Mit den Boeing 737-700 wurde ab Winterflugplan 1999/2000 auch werktägliche Flüge von Bergamo nach Rom-Fiumicino aufgenommen. Zusätzlich mietete man für die Wintersaison (1. November 1999 bis 31. März 2000) eine Boeing 737-33A 9H-ADH von Air Malta, die eine teilweise AzzurraAir-Bemalung trug.
Zum 1. April 2000 stiess eine weitere ARJ70 EI-CUO (ex VH-NJW) zur Flotte, die von Trident Jet Leasing bezogen wurde.

Zum Jahresbeginn 2001 besorgte man sich von Air Malta erneut die Boeing 737-300 9H-ADH, die wieder in einer Mischbemalung (Azzurra-Farben mit Air Malta-Titeln) bis März 2001 eingesetzt wurde. Dann trafen zwei von Germania gemietete Boeing 737-700 (D-AGEY/Z) ein. Eine der Maschinen wurde dann gleich auf der neuen wöchentlichen Route Bologna-Ilha do Sal (Kapverden) eingesetzt.
Im Dezember 2001 wurde die erste ARJ85 im eigenen Farbkleid der AzzurraAir gesichtet - die enge Zusammenarbeit mit der Alitalia schien vorüber. So kündigte man an, den täglichen Flug Mailand-Malpensa - Stockholm-Arlanda ab 31. März 2001 in eigener Regie mit ARJ85 durchzuführen. Alitalia wollte die Route aufgeben. Weitere ehemalige Alitalia-Flüge, die Azzurra nun selbst vermarktete, führten von Mailand nach Bilbao, Kopenhagen, Porto, Hamburg, Thessaloniki und Rom. Neue Charterflüge führten nach Cap Skirring im Senegal. Für englische Reiseveranstalter stationierte man im Sommer 2002 eine Boeing 737-700 in Manchester. Erstmals flog AzzurraAir für einen isländischen Reiseveranstalter im Charter von Reykjavik-Keflavik nach Bologna und Verona. Von der dänischen Maersk Air mietete man zusätzlich eine weitere Boeing 737-700 an.
Ab 3. Juni 2002 bot man neu die zweimal tägliche Verbindung Mailand-Malpensa - Rotterdam mit ARJ70 an. Ab 28. Oktober wurde die Strecke mit der größeren ARJ85 bedient; aber nur noch sechsmal wöchentlich.
Avro RJ70 EI-COQ in Alitalia-Bemalung
(O.Pritzkow, TXL 21.10.1999)
Avro RJ85 EI-CNJ in Alitalia-Bemalung
(O.Pritzkow, TXL 18.10.1999)
Boeing 737-700 EI-CRQ in eigenen Farben
(O.Pritzkow, TXL 20.5.1999)

Im Herbst 2002 machten Gerüchte die Runde, wonach Air Malta ihren Anteil an AzzurraAir an die australische Investmentgesellschaft Integrated Airline Solutions abtreten wollte. Die potenziellen neuen Inhaber planten, das Regionalgeschäft mit den ARJ70/85 aufzugeben und die Airline mit den verbliebenen Boeing 737-700 in einen Low-cost-Anbieter umzuwandeln. Stattdessen verkaufte aber Air Malta die Avros an Airbus, die die Maschinen weitervermarkten sollte. Vorerst flogen sie aber für AzzurraAir weiter. Für die Wintersaison hielt diesmal Air Malta einen A320-200 per Wet-Lease für die Charterflüge ab Manchester bereit.

Ende März 2003 stellte AzzurraAir die täglich mit ARJ85 bedienten Strecken von Mailand-Malpensa nach Hamburg und Stockholm-Arlanda ein.
In diesem Jahr neigte sich auch die Anmietung der Boeing 737-700 dem Ende entgegen - zukünftig wollte man nun vier Airbus A320-200 leasen und sicherte sich zusätzlich noch zwei Optionen auf diesen Flugzeugtyp. Der erste A320-200 EI-DBC wurde im April 2003 von GATX Leasing übergeben. Es handelte sich um eine Maschine, die zuvor als SE-RCB bei der schwedischen GoodJet/Transair flog. Im Mai erhielt man auch einen A321-200 EI-DBS per Leasing von Singapore Aircraft Leasing. Einen der A320 stellte man von Ende Mai bis Ende Oktober 2003 der in London-Gatwick beheimateten Excel Airways per Wetlease zur Verfügung.
Im August suspendierte AzzurraAir den täglichen Flug von Mailand (Bergamo) Orio Al Sero nach Rom-Fiumicino. Zum 25. Oktober standen weitere Netzwerkkürzungen an und so wurden auch die Routen von Mailand-Malpensa nach Bilbao, Kopenhagen, Porto und Thessaloniki zusammengestrichen. Alitalia übernahm die Strecken nach Bilbao und Thessaloniki wieder in Eigenregie mit MD-82.

Im Herbst 2003 verdichteten sich die Anzeichen einer Übernahme durch die 7 Group Plc, die bereits 50,86 % der Anteile besaß. Nun wollte sie die 49 % der Air Malta. Gleichzeitig kündigte man die Übernahme der französischen Air Littoral an. Die Franzosen sollten ihre ATR42-500 und Fokekr 70 aus der Flotte nehmen und nur noch mit Canadair RJ100 fliegen und die ARJ70/85 der AzzurraAir betreiben. Diese waren seit der Beendigung der Kooperation mit Alitalia seit einigen Wochen abgestellt. Die 7 Group geriet durch diese Übernahme innerhalb weniger Wochen in eine finanzielle Schräglage - Air Littoral sah sich plötzlich vom Bankrott bedroht, den der Kauf durch die Finanzgruppe wurde abgeblasen.
Trotz der Schwierigkeiten hielt AzzurraAir am Vorhaben, zum Sommer insgesamt 6 A320-200 als Ersatz der 4 737-700 zu betreiben, fest. Zwei der Boeings gingen an Germania zurück, die beiden anderen wurden zum März 2004 bei der englischen Astraeus plaziert. Mitte Dezember musste auch die tägliche Route Mailand - Rotterdam wegen finanzieller Probleme aufgegeben werden. Die Avro-Flotte wurde zur Verwahrung nach Großbritannien ausgeflogen. Am 23. Januar 2004 gab AzzurraAir die Betriebseinstellung bekannt. Die beiden bisher gelieferten A320-200 wurden durch Air Malta übernommen.
Eine Woche später gab es allerdings Berichte, wonach Azzurra noch immer mit einer Boeing 737-700 für Charterflüge ab Italien bereit steht und weiterhin zum Sommer mit 6 A320-200 fliegen will.

Februar 2004