DHC-8 Dash 8-314 D-BACH (THF 17.12.98, O.Pritzkow)

Augsburg Airways GmbH

deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Augsburg
Dreilettercode : AUB...........Zweilettercode: IQ.......IATA-Nr.: 614.........ICAO call sign: AUGSBURG AIR
Tochterunternehmen der Interot Spedition GmbH


Es war einmal ein wohlhabender Augsburger Geschäftsmann, gemeint ist nicht Jakob Fugger, der besaß eine Papierfabrik und eine Speditionsgesellschaft. Und dieser Geschäftsmann ärgerte sich gar sehr über die Verkehrsanbindungen in die benachbarten Bundesländer. Besonders die Linienflugverbindungen entsprachen nicht seinen Wünschen und Bedürfnissen. Und so kam es, daß sich der reiche Handelsmann aus Augsburg ein eigenes Flugzeug zulegte, mit dem er unabhängig und frei von Zwängen umherfliegen konnte, gerade so, wie es sein Terminkalender erforderte. Bald aber schon hatte sich diese Begebenheit im ganzen Land, besonders aber in Augsburg und Umgebung, herumgesprochen und viele Geschäftsfreunde waren begierig, dieses Verkehrsmittel ebenfalls benutzen zu dürfen. Da stand dann der reiche Kaufmann eines Tages vor einer vollbesetzten zweimotorigen Turboprop, die ihm zwar gehörte, ihm selbst aber keinen Platz mehr bot. Er hatte das Flugzeug nämlich verchartert, um auch daraus noch einen Gewinn zu schlagen. Abhilfe bot da nur der Kauf eines zweiten Flugzeuges und so entstand im Jahre 1980 ein Charter-Flugbetrieb mit dem Namen Interot. Der Name geht auf die Gründung der Interot, Internationale Rotationsdruckpapierspedition, aus dem Jahre 1922 zurück.

Nur ein Jahr später, 1981, wurde aus der Charter-Fluggesellschaft Interot eine Bedarfs-Fluggesellschaft, die ihren Flugbetrieb mit zwei Turboprops vom Typ Beechcraft King Air aufnahm. Seit 1987 - mit Beginn des Liniendienstes Augsburg-Düsseldorf - gilt die Interot Airways als Linien-Fluggesellschaft. Zu den beiden Beech King Air 200 kamen im selben Jahr noch eine Beech 1900 mit 19 Sitzplätzen hinzu. Als Linienflugverbindungen wurden die Ziele Düsseldorf und Hamburg zwei- beziehungsweise dreimal pro Tag angeflogen. Mit dem Winterflugplan 1989/1990 kam dann noch eine zweite Beech 1900 dazu, mit der die Verbindungen nach Hamburg und Düsseldorf ausgebaut wurden.

Streckennetz und Sitzplatzkapazität ausgebaut

Ab Oktober 1990 wurde das Streckennetz mit der Verbindung Augsburg-Köln (zweimal täglich) und mit dem Sommerflugplan 1991 ab März mit der Verbindung Augsburg-Berlin/Tempelhof erweitert. Dabei kam 1991 auch erstmals eine De Havilland Dash 8-100, Kosten rund 17 Millionen Mark, zum Einsatz, mit der die Verbindung nach Düsseldorf (zweimal täglich) und Berlin-Tempelhof täglich jeweils mittags bedient wurde. Seither geht es mit der Regionalfluggesellschaft aus Augsburg stetig bergauf. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von 44 im Jahre 1990 auf 132 im Jahr 1993.

Das Passagieraufkommen stieg von 26.000 im Jahr 1990 auf über 100.000 Passagiere Im Jahr 1993, wobei der 100.000ste Fluggast am 7. Dezember begrüßt werden konnte. Seit die Fluggesellschaft 1986 den Flugverkehr mit der King Air 200 nach Düsseldorf aufnahm, beförderte sie damit mehr als 300.000 Passagiere insgesamt. Die Anzahl der innerdeutschen Flüge kletterte dabei bis 1993 auf wöchentlich 164 Verbindungen. Im September 1993 kam zur bestehenden Flotte der Interot Airways aus drei De Havilland Dash 8-100 (37 Sitzplätze) und zwei Beech 1900 noch eine vierte Dash 8-300 (50 Sitzplätze) zum Einsatz, von der insgesamt noch zwei weitere Maschinen bestellt wurden.

Mit der Inbetriebnahme ihrer vierten Bombardier Dash-8 erhöhte Interot Airways damit ihre Sitzplatzkapazität auf den stark nachgefragten Strecken von Augsburg nach Berlin-Tempelhof, Leipzig und Dresden, die das Streckennetz der Interot Airways seit dem Winterflugplan im Januar 1992 ergänzen. Der neue 50-Sitzer, die Dash-8-300 des kanadischen Herstellers de Havilland, wird in der Regel auf der Berlin- und der Düsseldorf-Strecke eingesetzt. Auf den Strecken nach Leipzig und Dresden hat sich nach Außerdienststellung der 19plätzigen Beechcraft 1900, die durch die 37sitzige Dash 8-100 ersetzt wurde, das Platzangebot praktisch verdoppelt. Damit setzt Interot die eingeschlagene Firmenpolitik, mittelfristig nur einen Flugzeugtyp zu betreiben, konsequent fort. Endgültig verabschiedet hat sich Interot Airways von der 9sitzigen Beechcraft King Air 200 mit dem Codenamen IMML, die mancher Passagier auf der Köln-Strecke liebgewonnen hatte.

Mittlerweile gibt es in Deutschland ein dichtes Netz an Regional-Flugverbindungen. Dabei richten sich die "Mini-Airlines" in erster Linie nach den Bedürfnissen von Geschäftsreisenden. Vermehrt tauchen dabei in den Flugplänen auch Ziele In den östlichen Bundesländern auf.

Aus der Traum von Pünktlichkeit und Zeitgefühl

Wie die meisten kleineren Flugunternehmen beschränkte sich auch Interot in ihrem Angebot meist auf ein unmittelbares Einzugsgebiet. Der Heimatflughafen von Interot Airways, Augsburg-Mühlhausen weist dabei einen besonderen Standortvorteil auf, nämlich seine Nähe zur bayerischen Landeshauptstadt München. Und mit diesem Standortvorteil rührt die Regionalfluggesellschaft auch kräftig die Werbetrommel. Zugegeben, der Flughafen liegt nur drei Minuten abseits der Autobahn Stuttgart-München. Die westliche Stadtgrenze von München ist dabei nur rund 30 Minuten entfernt. Zitat aus einem Werbeprospekt der Interot: "Es drohen keine langen Check-in-Zeiten und der pünktliche Abflug ist in Augsburg eine Selbstverständlichkeit. Unsere Gäste wissen es zu schätzen, daß Interot Airways über Augsburg keine endlosen Warteschleifen ziehen muß. Vielflieger fürchten lange Warteschleifen, ärgern sich über Verspätungen in überfüllten Lufträumen." Wie wahr! Und weiter: "Interot Airways verspricht Pünktlichkeit. Schon längst nicht mehr der Alltag im Flugverkehr. Passagiere von und nach Augsburg erleben noch dieses Zeitgefühl. So kommen sie entspannt an." Wenn sie denn tatsächlich ankommen. Zweifellos, mit all diesen Argumenten wäre der Abflug aus Augsburg nicht nur für viele Münchner eine echte Alternative. Wenn es da nicht einen kleinen Haken gäbe. Der schöne Zeitvorsprung und die Gemütlichkeit ist nämlich dahin, wenn das Wetter nicht mitspielt und sich Nebel über Augsburg breitmacht. Dann kommt es nämlich schon mal vor, das der eine oder andere Flug ganz einfach ausfällt. Und da steht man dann, in Köln-Bonn oder anderswo und kann sich nur noch wundern. Für eine kurzfristige Umbuchung, bei der man dann eben doch wieder in München landet, ist es dann nämlich meistens schon zu spät. Und wenn man Pech hat, kann es passieren, daß man aufgrund höherer Gewalt noch nicht einmal das Ticket ersetzt bekommt. Da bleibt einem dann nur noch die Möglichkeit, sich in den überfüllten Intercity zu zwängen. Aus der Traum von Pünktlichkeit und Zeitgefühl.

Dabei könnte alles so schön sein. Wenn nämlich in Augsburg-Mühlhausen endlich das ILS (Instrumenten-Landesystem) installiert wäre, an dem zur Zeit eifrig gebaut wird. Ob sich dann alles zum besseren wenden wird und sich alle Schwierigkeiten in Luft auflösen, bleibt abzuwarten, denn auch mit einem ILS lassen sich die Widrigkeiten des Wetters nicht ganz abschalten. Da wäre dann schon eine Landehilfe erforderlich, die Anflüge nach CAT II /CAT III erlauben. Ansonsten kann es einem passieren, daß man, gefragt nach einer Verbindung nach Hamburg, von der Reservierungsstelle die freundliche und stolze Auskunft bekommt: "Heute sind wir geflogen - und angekommen sind wir auch !"

Es irritiert schon etwas, wenn man L. sich die Kennzeichen der Dash 8 anschaut, die da auf dem Augsburger Flughafen auf ihren Einsatz warten. "D-BACH" oder "D-BIER" erkennt man und fragt sich unweigerlich, ob Interot seine Wurzeln vielleicht doch nicht in der Papierindustrie gehabt hat.

Dagegen wartet im Hangar noch immer eine Beechcraft 1900C in den alten Interot-Farben auf einen Käufer. Die ursprünglich eingesetzten zwei Maschinen mit jeweils 19 Sitzplätzen konnten nicht kostendeckend betrieben werden. Zudem genügten sie nicht mehr den gestiegenen Komfortansprüchen. Die erste Maschine konnte man bereits verkaufen; sie fliegt nun in Rot-Kreuz-Bemalung Einsätze in Afrika. Eventuell kann auch die zweite Beechcraft 1900 an den gleichen Kunden veräußert werden. Als Folge der Flottenumstrukturierung mit dem Kauf größerer und bequemerer Flugzeuge transportiert die Gesellschaft heute auf einem Flug nach Köln mehr Passagiere als zuvor auf drei Round-Trips. Die Auslastung hat jetzt im Sommer wieder das Vorjahresniveau erreicht. Trotzdem werden die Passagierzahlen geringer sein als im letzten Jahr, was vor allem auf die Einstellung der unrentablen Hamburg-Verbindung zurückzuführen ist.

"Wir müssen expandieren"

Nach wie vor waren aber die Kosten zu hoch. Mit nur vier Flugzeugen konnte man die Fixkosten nicht sauber verteilen. Die Anschaffung von zwei oder gar vier weiteren Maschinen würde an der gesamten Fixkostenbelastung nur wenig ändern. Pressesprecher Claus Fischer sagte es daher deutlich: "Wir müssen expandieren, aber dafür muß das Konzept stimmen." Zudem sollte die vorhandene Flotte besser ausgenutzt werden. Mit der Stationierung einer Dash-8 in Köln als erstem Schritt wollte man eine bessere Auslastung der Maschine erreichen. Wie kaum anders zu erwarten, setzt sich die Kundschaft von Interot Airways mehrheitlich aus Geschäftsleuten aus dem Raum Allgäu/Schwaben zusammen, die an einer direkten und zeitsparenden Verbindung zu den größeren Städten interessiert sind. Natürlich ist man ständig auf der Suche nach neuen Strecken, auf denen zusätzliches Potential vorhanden ist. Dabei können Wunschrouten wie Augsburg-Frankfurt mangels Slots am Rhein/Main-Flughafen leider nicht bedient werden.

Die schwäbische Regionalgesellschaft ist der Auffassung, Sitzplätze recht günstig anbieten zu können, und hofft, für andere größere Carrier zusätzliche Maschinen im "Wet Lease" einsetzen zu können. Es gäbe zum Beispiel die Möglichkeit, eine Destination unter fremder Flugnummer anzufliegen und dabei nur die Maschine und die Crew zu stellen. Dies wäre einfacher, als ein komplettes Flugnetz aufzubauen.

Interot ist mit der Dash 8 im großen und ganzen zufrieden. Ein schnelleres Flugzeug wie zum Beispiel die Saab 2000 kann in Augsburg nicht landen, während die Dornier 328 mit 33 Sitzplätzen schon wieder zu klein ist. Eine 70-sitzige 328 wäre ein Wunschtraum der Augsburger Airline. Um die Nutzung der Flotte zu erhöhen, wird man ab dem nächsten Jahr neben den reinen Geschäftsverbindungen und dem Wochenendcharter auch Strecken touristischer Natur zweimal wöchentlich anbieten. Im Charter wäre ein Jet wie die BAe 146 interessant, die aber im Winter nicht über die nötige Reichweite verfügt, um die weiter entfernt liegenden "warmen" Gegenden wie zum Beispiel die Kanaren zu erreichen.

Ein neuer Name muß her

Ein weiteres Problem der Augsburger Gesellschaft war der mangelnde Bekanntheitsgrad. Die Situation hatte sich zwar in letzter Zeit durch die Außendienste in Düsseldorf, Köln und Berlin etwas gebessert, trotzdem sah die Airline die Notwendigkeit, ihren Namen zu ändern. Das Hauptproblem war einfach, daß zu wenig Kunden den Namen "Interot" mit einer Fluggesellschaft in Verbindung brachten, zumal dieser Name ursprünglich ja auch auf die Papierbranche verweisen sollte. In Berlin hingegen assoziierten die Passagiere mit "Inter..." immer noch eine andere, nicht gerade für ihren Komfort berühmte Airline. Interot-Geschäftsführer Eberhard Schmidt dazu: "Da die Plazierung einer Marke "Interot" außerhalb des Stammarktes Schwaben nicht durchführbar ist, soll uns der Namenswechsel ein besseres Standing bringen. Der neue Name soll gut aussprechbar sein und sofort den Bezug zu einer Airline herstellen. Er muß nicht unbedingt auf unsere Region hinweisen. Wir haben durch eine Studentengruppe und Mitarbeiter schon viele Vorschläge erhalten, können aber noch keine Namen nennen, denn wir müssen zunächst klären, welche Namen noch als Marke zu schützen sind." Ausgewählt wurde dann zum 1. Januar 1996 der Name Augsburg Airways. Mit dem neuen Namen änderte sich auch das Erscheinungsbild und so flog am 6. Januar die erste Dash-8-100 im neuen Look.

Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Augsburg ist aus Sicht der Airline gut; für die geplante Expansion waren jedoch dringend bauliche Maßnahmen notwendig. So war nach Meinung von Interot unbedingt eine verbesserte Anflugbefeuerung nötig, vor allem aus Richtung Osten. Bei schlechtem Wetter mußte man gelegentlich auf den nahegelegenen Flughafen Landsberg/Lech ausweichen. Wie so oft war der Ausbau auch hier weniger eine Frage des Wollens als mehr des Könnens. Hinzu kamen leichte Parkprobleme auf dem Vorfeld. Nur vier vorhandene Stellplätze waren nicht genug, wenn neben den Linienverbindungen noch Charterflugzeuge nach Augsburg kamen.

Interot geht weiterhin davon aus, daß der Augsburger Flughafen keine Konkurrenz zu München sein kann. Nur die Passagiere aus dem äußersten Westen Münchens kann man vielleicht in die Fuggerstadt locken. Es wird auch kaum möglich sein, dem benachbarten Großflughafen New-York-Passagiere abzuwerben, aber für den Fluggast, der nach Düsseldorf oder Leipzig muß, kann Augsburg eine Alternative sein.

Mitglied im Team Lufthansa

Zum Winterflugplan 1996/97 konnte Augsburg Airways ihre von langer Hand vorbereitete und geheimgehaltene Allianz mit der Lufthansa starten, wobei anfangs je eine Dash-8-100 und -300 in den Farben von Team Lufthansa eingesetzt wurden. Die Dash-8 wurden dabei in direkter Konkurrenz zu Eurowings von München nach Dortmund sowie zur damaligen Saxonia Airlines (eine der Vorläufer der heutigen TEX-Tempelhof Express) nach Erfurt und Dresen eingesetzt. Die beiden Konkurrenten gingen allerdings vor Gericht, da auf beiden Routen kein Bedarf für zusätzliche Kapazitäten bestand. Augsburg Airways ist für die Wirtschaftlichkeit auf den Routen selbst verantwortlich und übernahm im Vorfeld zwei zusätzliche Maschinen: eine Dash-8-300 wurde im Frühjahr 1996 von Tyrolean für drei Jahre gemietet (war bei Air Creebec zuvor im Einsatz) und eine weitere Maschine im August von Contact Air geleast (arrangiert von Power Aircraft Services).

Nach einem halben Jahr im Team Lufthansa wurde Bilanz gezogen: Das Gesamtaufkommen stieg dank der neuen München-Routen um 130 %, aber auch die "alten" Routen nach Berlin-Tempelhof, Köln/Bonn, Dresden und Düsseldorf hatten um 23-39 % angezogen. Etwa ratlos war man aber wegen der zögerlichen Annahme der im Januar 1997 aufgenommenen neuen Zubringer nach Frankfurt, die trotz dortiger zahlloser Anschlüsse nicht wie erwartet benutzt wurden. Zunächst saisonal flog man im Team Lufthansa-Rahmen von Mitte Juni bis Ende September in Konkurrenz zu Eurowings eine Rotation München-Westerland auf Sylt. Dieser Dienst wurde im darauffolgenden Winter aber beibehalten. Ferner schob man über Mittag mit Dash-8-300 einen Team Lufthansa-Umlauf Köln/Bonn-Nürnberg-Köln/Bonn ein. Auf der Linie Paderborn/Lippstadt-München wurde nun auch eine Dash-8-300 eingesetzt. Ab Spätsommer sollte der Hub München als Team Lufthansa mit Lugano und Bern verbunden werden. Neue Wochenendflüge waren Dresden-München (Sa, So), Dresden-Stuttgart (So), Düsseldorf-Dresden-Augsburg (So) und ab 12. Januar 1998 ein neuer Dienst Paderborn/Lippstadt-Frankfurt dreimal täglich bedient mit Dash-8-100. Dagegen verzichtete Team Lufthansa-Mitglied Augsburg Airways auf die geplante Bedienung der Linie zwischen Saarbrücken und Berlin-Tempelhof und überließ diese Route zunächst der Eurowings.

Am 16. Januar konnte man die erste von zwei neuen Dash-8-300Q (D-BHAT) übernehmen. Sie trug Team Lufthansa-Bemalung und war Augsburg Airways' 12. Dash-8 - davon trugen aber nur noch vier Maschinen die Augsburg-Farben.

Expansion auf den Trümmern von Hamburg Airlines

Nach der Ankündigung von Eugen Block, Hauptgesellschafter der Regionalfluggesellschaft Hamburg Airlines, sich künftig auf seine Kerngeschäfte Gastronomie und Hotellerie zu konzentrieren, kreisten allerlei Spekulationen um die Zukunft des Regiocarriers. Tatsächlich stand einige Zeit die Firmenübernahme durch den Lufthansa-Partner Augsburg Airways zur Debatte. Dieser zeigte Ambitionen, sein Geschäft mit der Strecke Augsburg - Hamburg ab Januar 1998 gen Norden auszuweiten. Die Schwierigkeiten der Hamburger kamen da wie gerufen, denn in der Kürze der Zeit, die man bis zur Eröffnung dieser Strecke anberaumt hatte, hatten die Schwaben wenig Chancen, die erforderliche Manpower vor Ort aufzubauen. Es sei denn, sie könnten auf erfahrene Leute, Techniker, Mechaniker und Piloten der Hamburg Airlines, zurückgreifen.

Übernahmeverhandlungen waren, so der Geschäftsführer von Augsburg Airways Olaf Dlugi, aufgrund arbeitsrechtlicher Bestimmungen nicht sinnvoll gewesen, denn nach deutschem Arbeitsrecht hätte der schwäbische Regiocarrier im Falle einer Betriebsübernahme sämtliche rund 300 Mitarbeiter der Hamburger Airline mit übernehmen müssen - bei selber nur 230 Angestellten schlichtweg utopisch. Auf die Profis der norddeutschen Linie wollte und konnte Dlugi bei seinen Expansionsplänen dennoch nicht verzichten. Da einem Teil der Hamburg-Airlines-Mitarbeiter bereits zum 31. Dezember 1997 gekündigt wurde, so Dlugi, hatte man auf eine daraufhin gestartete Anzeigenkampagne in Hamburger Blättern schon Interessenten gewonnen, die den Hamburger Hub betreiben sollten. Zumindest zwei Strecken, Augsburg - Hamburg und Hamburg - Dresden/Leipzig, hatte die Augsburg Airways bereits bekanntgegeben, die mit bis zu fünf neuen Dash 8-300Q (Quiet) betrieben werden sollten. Ob überhaupt und bis wann welche Strecken noch ex Hamburg aufgenommen werden sollten, war von der Personaldecke abhängig, die Augsburg Airways bis dahin in Hamburg aufbauen konnte, zumal die maximal fünf neuen Dashs in der Hansestadt stationiert und gewartet werden sollten.

Am 12. Januar 1998 trat man dann das Erbe an: fünfmal werktäglich als Team Lufthansa auf der Route Hamburg-Dresden sowie Samstags und Sonntags je zweimal. Viermal werktäglich und am Wochenende ebenfalls je zweimal geht es von Hamburg nach Leipzig/Halle. Die dritte neue Dash-8-300Q bediente ab 4. Mai die Linie Hamburg-Augsburg am Tagesrand sowie ab 30. März Hamburg-Nürnberg werktags. Auf einem Mittagsumlauf Dresden-Düsseldorf mit Dash-8-100 operierte Augsburg Airways ebenfalls als Team Lufthansa. Als Ergänzung zur Lufthansa wurde ebenfalls ein täglicher Mittagsumlauf Köln/Bonn-Leipzig eingeführt. Mangels Fluggerät mußten die Routen von Dresden nach Augsburg und Brüssel gestrichen werden; letztere brachte auch erhebliche Verluste. Dafür konnte das Sommerangebot 1998 ausgebaut werden: Sylt wurde von München (samstags und 2 x Sonntag), Frankfurt (So) und Düsseldorf (Sa) bedient. Marina di Campo auf der Insel Elba von München aus bedient (2 x Sa, 1 x So). Saisonal flog Augsburg Airways wieder von Mai bis September von Tempelhof zur "Berliner Badewanne" an die Ostsee nach Heringsdorf (Mo, Fr ab August auch So). Vom Heimat-Airport Augsburg gab es Linienflüge nach Alghero/Sardinien und Neapel (beide Sa).

Dann plazierte die Airline bei Bombardier eine Festbestellung über vier 50-sitzige Dash-8-300Q und zwei 37-sitzige Dash-8-200Q. Für sieben weitere Maschinen unterschrieb man Optionen.

Der Expansionsdrang wurde aber darauf stark gebremst, nachdem der Markt für Piloten und Techniker zu Low-fare-Konditionen wie leergefegt zu sein schien. Ärger mit den Cockpit-Gewerkschaften handelten sich die Augsburger ein, als sie wegen des Pilotenmangels rumänische Kollegen, die bei Dac-Air im Einsatz standen, befristet für zwei Jahre einstellten. Claus Fischer, Verkaufs- und Marketingmanager zeigte sich aber zuversichtlich, daß seine Airline die Expansion weiterführen kann. Man befaßte sich aber auch mit strategischen Überlegungen, wie die Finanzierung derselbigen zu bewältigen sei. Die mögliche Kapitalisierung über die Börse schien dabei mittelfristig eine sinnvolle Alternative zu sein.

Die Strecke von Hof und Bayreuth nach Frankfurt bediente Augsburg Airways ab 1. November dreimal werktäglich unter LH-Flugnummer. Als einzige Airline hatte man die Bewerbung für diese Route bei der bayrischen Staatsregierung eingereicht. Im Code-Share mit den Lufthanseaten flogen die Augsburger einmal täglich von Frankfurt nach London City Airport. Die Frequenzen auf der Strecke Augsburg-Hamburg wurden um eine weitere Verbindung am Samstag aufgestockt; sonntags geht es nun von Köln/Bonn nach Augsburg. Ab Hof offeriert man auch ein neues Ziel: Düsseldorf. Als Positionierungsflug wird samstags früh Hof-Düsseldorf geflogen; der Rückflug DUS-Hof wird Sonntag abend durchgeführt. Ende November 1998 konnte Augsburg Airways ihren 500.000. Passagier an Bord begrüßen und somit noch vor Jahresende die gesetzte Ziellinie überschreiten. 1996 hatte man noch 145.600 Fluggäste befördert.

Heimat adé?

Wie die kleine schwäbische Regionalfluggesellschaft Augsburg Airways im Jahr 2000 heißt, das weiß noch niemand. Fest steht allerdings, daß sie nicht mehr Augsburg Airways genannt sein wird. Denn das Unternehmen steht vor einem Jahr mit voraussichtlich so vielen Veränderungen wie lange nicht mehr. Die nach außen am deutlichsten sichtbare Umstellung wird der Wechsel des Namens sein, denn die Airline will künftig regional ungebundener sein, nach dem Vorbild der Eurowings also nicht mehr nur mit einem Standort identifiziert werden. Ob dies tatsächlich nur eine Veränderung des Make-ups ist oder darauf hindeutet, daß sich Augsburg Airways eines Tages aus Augsburg verabschiedet, das will Geschäftsführer Olaf Dlugi jetzt noch nicht eindeutig beantworten.

Fest steht für ihn: Wir sind nicht auf Augsburg angewiesen." Und: In Augsburg entscheiden Leute, die keine Ahnung haben." Gemeint sind damit Vertreter der Stadt und des Landkreises, die für den Augsburger Flughafen verantwortlich sind. Die Ansprüche der Airline sind dem Standard des Flughafens mittlerweile weit entwachsen, das Terminal ist zu klein und unbequem für die Passagiere, die Landebahn zu kurz. Dlugi vermißt Initiativen der Stadt, den Flughafen mit einer echten Strategie im Hintergrund zu entwickeln. Deswegen kümmere sich sein Unternehmen derzeit um Aufgaben, die eigentlich Ding des Flughafenbetreibers sein müßten. Dlugi hat den Aufsichtsräten der Flughafengesellschaft auch schon unverhohlen klargemacht: Wenn sich nicht bald etwas tut, dann muß sich Augsburg Airways anderweitig orientieren. Wohin? Hamburg ist durchaus eine Variante, die Sinn

Ein klein wenig sind die Dinge mittlerweile schon in Bewegung geraten: Der Aufsichtsrat hat dem Strukturplan 2000" - allerdings nicht einstimmig - zugestimmt. Demzufolge sollen für 50 Millionen Mark ein neues Terminal gebaut und die derzeitige Landebahn verlängert werden. Doch dies geht Dlugi noch nicht weit genug: er verlangt ein Marketingkonzept und Erschließungsperspektiven für den Flughafen:

Frachtzentrum, Hotel, Gewerbepark, all dies wäre seiner Ansicht nach möglich, wenn die Sache entschlossen verfolgt würde. Ein Wunsch Dlugis ist mittlerweile in Erfüllung gegangen. Die Flughafen München GmbH (FMG) will den Augsburger Flughafen übernehmen. Nach seiner Vorstellung könnte Augsburg das Münchner Angebot abrunden. Airlines, denen der große Flughafen zu teuer ist und die auch nicht auf Umsteigemöglichkeiten angewiesen sind, könnten ins nahe Augsburg ausweichen. Ein Anfang ist gemacht: Augsburg steht in den internationalen Flugplänen seit Jahren unter MUC.

Nach einer Phase starker Expansion will die Augsburg Airways selbst im kommenden Jahr nicht mehr wachsen. Das Cockpit-Personal fliegt derzeit am Anschlag" (Dlugi), im kommenden Jahr ist eine kleine Verschnaufpause geplant. Obwohl keine neuen Flugzeuge dazukommen, sollen noch mehr Piloten eingestellt werden. Derzeit fliegen 60 Kapitäne und 53 Co-Piloten, zu wenig, zumal einige Leute zu viel Geld haben und neue Airlines gründen" (Dlugi) - und dann Besatzungen abwerben. Augsburg Airways hat deswegen selbst in Rumänien von DAC Air Piloten geholt - und sich kräftig Ärger mit der Vereinigung Cockpit eingehandelt. Die VC will ihre eigenen Mitglieder vor unliebsamer Konkurrenz schützen und hat mittlerweile nach eigenen Angaben bei der Bundesanstalt für Arbeit durchgesetzt, daß Ausnahmegenehmigungen wie im Fall Augsburg Airways nicht mehr durchgehen. Dlugi ist allerdings von der guten Ausbildung der rumänischen Piloten überzeugt und hat seinerseits erreicht, daß sie ab dem Sommer auch auf Team Lufthansa"-Flügen eingesetzt werden können.

Flottenwechsel

In der für 1999 vorgesehenen Konsolidierungsphase will Dlugi über die künftige Zusammensetzung der Flotte entscheiden. Die reine Dash-8-Flotte soll in den nächsten Jahren umgestellt werden. Augsburg Airways steigt zumindest teilweise auf Jets um: "Wir haben sehr großes Interesse an der Fairchild 528/728." Für Augsburg Airways und für Fairchild sei die örtliche Nähe zueinander ein Glücksfall. Gemeinsam mit Lufthansa Cityline können das Flugzeug spezifiziert, Ausbildung und Training zusammengelegt werden. Dlugi will noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen. In der Zwischenzeit wird Augsburg Airways wahrscheinlich die sieben Optionen, die bei Bombardier noch offenstehen, einlösen. Und zumindest ein Teil davon dürfte auf die neue gestreckte Dash 8-400 mit 70 Sitzplätzen gehen. Der Turboprop ist aber nur als Zwischenlösung" vorgesehen, bis die Jets von Fairchild Aerospace lieferbar sind. Über kurz oder lang will Dlugi nämlich auf eine reine Jet-Flotte umsteigen. Voraussetzung dafür und für den Einsatz der Dash 8-400 ist die jetzt auf den Weg gebrachte Verlängerung der Landebahn in Augsburg.

Mit den neuen Flugzeugen steigt dann auch die Kapazität der Airline drastisch an. Schon jetzt wächst die Passagierzahl jährlich um 20 Prozent, vor allem dank der Flüge im Team Lufthansa". Dlugi will die Expansion, aber in Augsburg fehlen dazu noch die Bedingungen. Ein neues Terminal und vier gebäudenahe Positionen wie bei Eurowings in Dortmund stellt er sich vor, damit die Vorteile eines kleinen Flughafens besser zur Geltung kommen. Heute muß man nämlich in Augsburg mit dem Bus zum Flugzeug gefahren werden - wie bei den Kollegen in München und Frankfurt.

Grund zur Freude gleich am Jahresbeginn 1999: Bei der jährlichen Umfrage der Zeitschrift "Business Traveller" unter mehr als 3000 Lesern belegte die süddeutsche Regionalgesellschaft hinter der Crossair Platz Zwei. Erfahrene Vielflieger bescheinigten der Airline, daß sie in den Kategorien Pünktlichkeit, Sicherheit, Freundlichkeit und beim "Wohlfühlfaktor an Bord" zur absoluten Spitzenklasse gehört. Zur Bestätigung bekam der Geschäftsführer Olaf Dlugi in Frankfurt den "Business Traveller Award 1998" verliehen.

Zur Lieferung im Juni und August 2000 sowie März 2001 orderte Augsburg Airways Anfang 1999 drei Dash-8Q-400 und zeichnete Optionen auf zwei weitere Maschinen.

Die Expansion Richtung München geht weiter: die Strecke Paderborn/Lippstadt-München wird seit 28. März 1999 vier- statt bisher dreimal täglich (Mo-Fr) beflogen. Samstags und sonntags stehen weiterhin zwei bzw. drei Flüge zur Auswahl. Saisonale Fluglinien unter "Team Lufthansa" erfolgen ab München nach Elba (April-Oktober), nach Bastia/Korsika (Sa), nach Sylt (Sa, Mai-Oktober; Mitte Juli-Mitte September auch Fr./So). Frankfurt-Sylt wird samstags geflogen. München-Calvi/Korsika wird im Charter bedient (So; Ende Mai-September). In Konkurrenz zu Eurowings wird Augsburg Airways von Berlin-Tempelhof nach Sylt fliegen: von Juli bis Anfang Oktober (Do, Fr, So) mit Dash8Q-300. Vom 22. Mai bis 28. September fliegt Augsburg Airways auch wieder nach Heringsdorf.

Mai 1999

Streckennetz: Inland, saisonal nach Italien

Flotte:
1 De Havilland DHC-8-102 Dash 8...........lsf ELVE; in Team Lufthansa-Farben
3 De Havilland DHC-8-103 Dash 8...........1 lsf ELVE; 2 in Team LH-Farben
1 De Havilland DHC-8-106 Dash 8...........lsf Tyrolean in Team LH-Farben
2 De Havilland DHC-8-202 Dash 8Q.........in Team Lufthansa-Farben
2 De Havilland DHC-8-311 Dash 8...........lsf GECA bzw. ELVE; Team LH-Farben
4 De Havilland DHC-8-311 Dash 8Q.........in Team Lufthansa-Farben; + 4 Opt.
2 De Havilland DHC-8-314 Dash 8...........1 lsf ELVE; beide Team LH-Farben
3 De Havilland DHC-8-400 Dash 8Q.........bestellt; Lief. 6,8/2000 u. 3/2001; + 2 Opt.

verwendete Quellen:
Luftfahrt 2/94 Ralph Peter Breuer
Aero 1994 Achim Figgen
Aero BR
Aero 2/99 Jens Flottau