Boeing 777-200ER bei der Ablieferung in Seattle (Foto: Boeing)
Asiana Airlines

südkoreanische Fluggesellschaft                                             Sitz: Seoul
2-/3-Lettercode: OZ / AAR                        Call-sign: ASIANA          Web: www.flyasiana.com
privat (u.a. 44,56 % Kumho, 30,53 % Streubesitz, 7,18 % Entwicklungsbank, 11,9 % ausländische Investoren)

Die erst 1988 gegründete Asiana zählt zu den jüngeren Airlines in Fernost. Die bis dahin als Monopolist agierende Korean Air hatte aufgrund mehrerer schwerer Zwischenfälle einen äußerst schlechten Ruf, daher konzentrierte sich Asiana von Anfang an auf einen hohen Sicherheitsstandard und einen ausgezeichneten Service. Da nur modernste Flugzeuge in Frage kommen, beträgt das Durchschnittsalter der Flotte nur 7,6 Jahre. Fortlaufende Neuzugänge werden diesen Schnitt noch weiter drücken. Das Engagement wurde 2003 mit dem Beitritt in die Star Alliance gewürdigt.

Bis Ende der 1980er Jahre hatte Korean Air den Himmel über Südkorea für sich allein. Doch mit dem Wirtschaftswachstum und dem Aufstieg vom Dritte-Welt-Land zum Tigerstaat wandelte sich auch die Reisekultur. Für Geschäftsleute waren internationale Kontakte zunehmend wichtiger und auch wohlhabende Südkoreaner wollten etwas von der Welt sehen. Dies war aber unter der lange Zeit herrschenden Militärregierung Zeit schwierig, denn Übersee-Flüge waren streng reglementiert. Zwar forderte die Wirtschaft schon länger den Wettbewerb ein, doch erst die Olympischen Sommerspiele von 1988 sorgten für eine Lockerung. Zum Neujahrstag 1989 kündigte die Regierung die Aufhebung der Reisesanktionen an, doch es war klar, das der Monopolist Korean Air den Ansturm nicht allein bewältigen konnte. So erlaubte man der Kumho Business Group im Vorfeld die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft. Dieses Firmenkonglomerat begann 1946 als Taxiunternehmen und war mittlerweile in sämtlichen Wirtschaftszweigen des Landes aktiv.
Boeing 737-400
Boeing 737-500
Boeing 767-300ER
Boeing 747-400
Boeing 777-200
Airbus A320-200
Airbus A321-200
Airbus A321-200 in Star Allinace-Bemalung
Airbus A330-300

Von Anfang an modernes Gerät
Als Vorstand konnte man Seong-Hwang Park, einen ehemaligen Minister für Verkehr, gewinnen. Als Arbeitstitel wurde zunächst Air Korea und dann Seoul Air International gewählt. Doch mit Gründungsdatum 17. Februar 1988 entschied man sich für den Namen Asiana Airlines. Als Startkapital standen 35 Mio. US$ zur Verfügung. Die koreanische Entwicklungsbank war mit 35 % beteiligt. Personal wurde bei ausländischen Airlines aber auch bei Korean Air abgeworben, die darüber dermaßen erbost war, dass sie bei der Regierung intervenierte, damit diese ein Gesetzt erlässt, wonach Piloten nicht innerhalb eines Jahres von einer Airline zu einer anderen wechseln dürfen. Aber auch die Flugzeugfrage war noch offen. Im Juni 1988 schloss Asiana mit der irischen Leasingfirma GPA dann einen Vertrag über sechs Boeing 737-400, die alle mit 170 Sitzen ausgestattet waren. Im Gegensatz zu Korean Air, die 26 Jahre zuvor mit zwei heruntergewirtschafteten Flugzeugen an den Start gegangen war, hatte Asiana von Anfang an modernes Equipment. Die beiden ersten Boeings trafen im Dezember 1988 – also noch vor Ablauf der Restriktionen – ein. Somit konnte am 23. Dezember 1988 der Flugbetrieb aufgenommen werden. Erste Routen führten von Seoul nach Pusan bzw. nach Kwangju. Mit dem Eintreffen weiterer Boeing 737 kamen im folgenden Jahr auch Cheju, Taegu und Yechon hinzu.

Das Land der Kirschblüte wird eingebunden
Die Nachfrage war enorm, so dass Asiana schon im August 1989 ihren millionsten Fluggast an Bord begrüßen konnte. Kein Wunder, denn man glänzte mit einem ausgezeichneten Service und hoher Betriebszuverlässigkeit. Die Auslastung der Jets stieg von anfänglich 59 % auf 74 %. Rasch hatte man sich einen guten Ruf erarbeitet. Derart beflügelt, besorgte Asiana weitere Boeing 737. Hinzu kamen noch zwei kleinere Boeing 737-500 von der australischen Ansett Worldwide, die je 127 Passagieren Platz boten. Schon im April 1990 durchbrach Asiana nach nur 16 Monaten Flugbetrieb die 3-Millionen-Grenze bei den beförderten Passagieren. Ein Jahr nach Gründung waren auch erste Auslandsdienste möglich und Asiana führte im Dezember 1989 zwei Charterflüge nach Sendai sowie einen simulierten Linienflug nach Tokio durch. Am 10. Januar 1990 eröffnete man dann Seoul – Tokio offiziell. Im Monatsabstand folgten Nagoya, Fukuoka und Sendai. Für Asiana rechneten sich diese Strecken auch weitaus mehr, denn die Tarife im südkoreanischen Inlandsmarkt waren festgesetzt und auf einem sehr niedrigen Level. Aber die Kumho-Gruppe hatte sich von Anfang an auf ein langfristiges Investment vorbereitet. Zu leicht wollte man es den Cho-Brüdern bei Korean Air nicht machen und vorschnell die Flinte ins Korn werfen.

Vom Local zum Global Player
Da der Gründungsgedanke aber der Aufbau einer global agierenden Airline in Konkurrenz zu Korean Air war, hatte Asiana bereits 1988 zwei erste Boeing 767-300ER bestellt. Im April 1989 zeichnete die Airline Optionen über nochmals zwei Maschinen und orderte zwei erste Jumbojets vom Typ Boeing 747-400 Combi. Bei diesem Muster lässt sich der hintere Teil des Hauptdecks schnell für die Beförderung von zusätzlicher Fracht umbauen. Für Südkoreas boomende Elektronik-Industrie ein echter Pluspunkt. Auch hier unterschrieb man Absichtserklärungen über Folgeaufträge, die nicht lange auf sich warten ließen: Auf der Luftfahrtshow 1990 im englischen Farnborough verkündete Asiana einen Großauftrag über acht Boeing 737-400, sechs 747-400, drei 747-400-Frachtmaschinen und zehn 767-300ER. Hinzu kamen fast genauso viele Optionen je Typ. Die Gesamtorder stellte ein Auftragsvolumen von 6 Milliarden US-Dollar dar!

Die beiden ersten Boeing 767-300ER trafen im Herbst 1990 bei Asiana ein, so dass diese erstmals Routen nach Taipeh, Hongkong, Bangkok und Singapur aufnehmen konnte. Asiana steuerte nun die wichtigsten Städte des südostasiatischen Wirtschaftsraumes an. Der nächste große Schritt war die Eröffnung der Route Seoul – Los Angeles im November 1991. Eingesetzt wurde die erste Boeing 747-400 Combi, die neben 279 Passagieren auch 34 Tonnen Fracht mitnehmen konnte. Zunächst wurde die Route 3x wöchentlich angeboten, konnte aber mit Eintreffen des zweiten Jumbos im Januar 1992 auf tägliche Bedienung umgestellt werden. Was für ein Markteintritt! Insbesondere die koreanische Community in Kalifornien sorgte für eine hohe Nachfrage. Nur einen Monat später begrüßte Asiana ihren 10-millionsten Passagier an Bord. Mit San Francisco und New York folgten noch im gleichen Jahr zwei weitere US-Routen. Nie hätte jemand gedacht, dass eine ausländische Airline nach nur drei Betriebsjahren drei der vier wichtigsten US-Brückenköpfe ansteuerte!

Asiana beließ es zunächst dabei und konzentrierte sich wieder auf ihr lokales Einzugsgebiet. Mit Hiroshima, Okinawa, Takamatsu und Toyama kamen 1992 weitere japanische Ziele hinzu. Das auf den nördlichen Marianen gelegene Saipan lag dann schon etwas weiter weg, bevor man ab Juli 1993 mit Honolulu schon wieder auf halbem Weg in die USA war. Aufmerksam hatte Asiana aber auch das sich aus der sozialistischen Umklammerung lösende Vietnam beobachtet und eröffnete im Juli 1993 eine Route nach Ho-Chi-Minh-City mit Boeing 767-300ER – nur einen Monat nach Korean Air. Doch in jenem Jahr lernte Asiana auch die Kehrseite der Luftfahrt kennen: eine Boeing 737-500 zerschellte beim Anflug auf Mokpo an einem Berghang. Wie durch ein Wunder überlebten 42 der 110 Insassen.

Nächster Schritt: Europa
Asiana setzte ihren Wachstumskurs fort und durchquerte mit Seoul – Chaborovsk erstmals russischen Luftraum. Seit dem Abschuss eines KAL-Jumbos über Sachalin sicher mental kein einfaches Unterfangen. Weitaus wichtiger war aber der chinesische Markt, der seit der diplomatischen Anerkennung offen stand. Asiana nahm daher 1994 die Ziele Peking und Shanghai in ihr Streckennetz auf und bot insgesamt elf Frequenzen pro Woche ins Reich der Mitte. Den Konkurrenten Korean Air konnte Asiana aber mit der Aufnahme erster Flüge nach Europa schocken; betrachtete dieser den europäischen Markt ab Südkorea als seine Domäne. Asiana steuerte ab November 1995 Brüssel und Wien mit Boeing 767-300ER an und nahm zwei Jahre später auch Frankfurt hinzu. Gleichzeitig erschloss man mit Australien einen weiteren Kontinent und bediente hier Sydney via Cairns.

Auch flottenseitig hatte sich etwas getan, denn im Herbst 1994 traf der erste reine Frachtjumbo ein, der schon bald koreanische High-Tech um den Globus flog. Für Routen mit etwas geringerem Frachtaufkommen entschied sich Asiana für die Nurfracht-Variante der Boeing 767-300ER und gab mit einem Auftrag über zwei Maschinen den Startschuss für dieses neue Muster. Bis 1998 waren beide Jets einsatzbereit.

Aufbau einer neuen Flotte
Da die Startflotte mittlerweile nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik war, evaluierte Asiana 1996 eine neue Mittelstreckenflotte, da die Nachfrage innerhalb des Fernen Ostens sowie nach Südostasien unvermindert anhielt. Und diesmal konnte sich Airbus Industries durchsetzen und Aufträge über A320/A321 verbuchen. Zusätzlich orderte Asiana auch das Langstreckenmuster A330-200/-300 für aufkommensstarke Langstrecken. Manwandte sich aber nun nicht von Boeing ab, sondern betreibt seitdem eine Zwei-Flotten-Strategie, um nicht von einem Hersteller gänzlich abhängig zu sein. Beim amerikanischen Hersteller bestellten die Koreaner die neue Boeing 777-200/-300 sowie weitere Boeing 767-300 und 747-400. Die Ablieferungen der neuen Flugzeuge begannen 1998 und sollten bis 2005 abgeschlossen sein. Doch die asiatische Wirtschaftskrise und die SARS-Epidemie betrafen auch Asiana, die daraufhin einige Lieferpositionen nach hinten verlegte.
Airbus A320-200 im neuen Look
Airbus A330-300
Boeing 737-400
Airbus A321-200
Boeing 737-500

Im Juni 2002 gab es wieder einen Grund zum feiern, denn Asiana erhielt eine Einladung zum Eintritt in die von Lufthansa und United Airlines geführte Star Alliance. Das globale Bündnis lag hier im Wettstreit mit der sich um Air France und Delta gruppierenden SkyTeam-Allianz, die bereits Korean Air an sich gebunden hatte. Als alle Serviceprodukte und Betriebsabläufe an die Vorgaben der Star Alliance angeglichen waren, erfolgte im März 2003 der offizielle Beitritt. Mit der dort ebenfalls eingebundenen ANA erfolgte 2007 eine Kapitalverflechtung im Wert von 12 Mio. US-Dollar.

Ziel: Klassenbester
Mit den nun eintreffenden, neuen Flugzeugen trieb Asiana den Ausbau des Streckennetzes voran, da sich auch die Wirtschaft wieder zu erholen begann und auch die Star Alliance den Heimatflughafen Seoul an ihr globales Netzwerk binden wollte. So eröffneten die Koreaner u.a. neue Routen nach London, Djakarta, Auckland, Chicago und Paris. Und da man ja der Korean Air weiterhin einheizen will, stehen neue Langstrecken ganz oben auf der Agenda für die kommenden zehn Jahre. Da die derzeit genutzten Airbus A330 und Boeing 777 dann auch schon in die Jahre kommen, orderte Asiana auf der Farnborough Air Show 2008 30 Airbus A350 XWB mit vergrößertem Rumpfquerschnitt und zeichnete Optionen über nochmals zehn Maschinen. Die Auslieferungen sollen 2016 beginnen. Von der ersten Version des A350 war Asiana, wie die meisten anderen Airlines auch, wenig angetan und flirtetete heftig mit dem Dreamliner von Boeing, den man als genauso gut für neue Europa und USA-Routen erachtete. Erst als Airbus das Muster von Grund auf überarbeitete und die Kundenwünsche einband, stellte sich der Erfolg ein.

Mit dieser Flotte ist Asiana auf dem besten Weg zur wichtigsten Airline auf den Routen nach China, Japan und Nordostasien zu werden und zusätzlich ein globales Netzwerk zu unterhalten, das alle fünf Ozeane und sechs Kontinente überspannt.

Stand: Juni 2008
Autor: Oliver Pritzkow

Streckennetz :
Inland, Fernost, Zentralasien, Indien, Südostasien, Australien, Nordamerika, Westeuropa

Flotte :
8 Airbus A320-200
2 Airbus A321-100
12 Airbus A321-200
6 Airbus A330-300
30 Airbus A350 (bestellt)
7 Boeing 737-400
3 Boeing 737-500
2 Boeing 747-400
3 Boeing 747-400 Combi
7 Boeing 767-300ER
9 Boeing 777-300ER (+ 1 bestellt)