Antonov 12B YA-DAA (Sharjah 6.5.1998)
Ariana Afghan Airlines

afghanisches Luftverkehrsunternehmen mit Firmensitzen in Kabul und Delhi

Zweilettercode : FG.....Dreilettercode: AFG........IATA-Nr.: 255....ICAO call sign: ARIANA


Ariana wurde am 27. Januar 1955 als nationales Luftverkehrunternehmen Afghanistans in Kandahar gegründet, wobei die Regierung 51 % des Kapitals und die damalige indische Bedarfsfluggesellschaft Indamer 49 % (gegründet von Peter Baldwin-einem Amerikaner) übernahmen. Die Betriebsaufnahme erfolgte am 14. Juni 1955 mit C-47 nach Beirut. Ein Jahr später unterzeichnete Afghanistan einen Entwicklungshilfevertrag mit den USA und Pan American übernahm den Indamer-Anteil. Gleichzeitig änderte sich die Aussprache des Namens von Aryana (der alte Name für Afghanistan) in Ariana. Pan American entsandte eine kleine Büromannschaft für die Airline sowie Techniker und Bodencrews. Internationale Dienste nach Delhi und Beirut wurden zügig eingerichtet.

1959 wurden die Dienste nach Europa ausgedehnt, wobei auch Frankfurt in das Netz einbezogen wurde (Verlängerung der Beirut-Strecke über Ankara und Prag). Zum Einsatz kamen DC-4 und später DC-6. Wegen des Wettbewerbs der mit Strahlgerät fliegenden Unternehmen wurden die Europadienste 1962 wieder eingestellt. Der Sitz des Unternehmens wurde in dieser Zeit nach Kabul verlagert. 1965 bezog Ariana Taschkent (Usbekistan) ins Netz ein. Das Hauptaufkommen des Unternehmens resultierte aus dem Luftfrachtgeschäft. 1968 erolgte die Umstellung auf Düsengerät in Form von Boeing 727-100C.

Ab dem 1. Januar 1971 war Ariana nur noch international tätig, da Bakhtar Afghan Airlines alle Inlandsverbindungen übernahm. Im gleichen Jahr wurde Ariana Vollmitglied der IATA. Im September 1979 kam eine DC-10-30 zur Flotte. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen Weihnachten 1979 brach der Flugverkehr zusammen, die DC-10 wurde nach einem Raketentreffer verkauft und Flugzeuge sowjetischer Bauart kamen zur Flotte. Am 25. Oktober 1985 stellte Ariana den Betrieb ein und wurde von Bakthar übernommen.

Bakthar Afghan Airlines

Bakthar wurde 1967 aufgrund einer ICAO-Studie von der afghanischen Regierung gegründet mit der Zielstellung, den bis dahin wenig entwickelten Inlandflugverkehr auszubauen, vor allem zu den zerklüffteten und daher schwer zugänglichen Bergregionen des Landes. Bakhtar ist ein "Entwicklungshilfe-Carrier", bei dessen Finanzierung die ICAO ebenso mithalf wie beim Bau geeigneter Flughäfen. Wie schon erwähnt, übernahm sie ab dem 1. Januar 1971 alle Inlandslinien, die bis dahin von Ariana betrieben wurden. In den darauffolgenden Monaten wurden mehrere neue Inlandslinien eröffnet. Zum Einsatz kamen in dieser Zeit drei DHC-6. 1971 erhielt Bakthar drei Jak-40, wodurch weitere Städte in das nationale Flugnetz einbezogen werden konnten. Ab 1981 erolgte eine Erweiterung des Flottenparks durch An-24 und An-26.

Mit der Einstellung der Tätigkeit der Ariana am 25.10.1985 übernahm Bakhtar neben deren Flottenpark auch die Bedienung der internationalen Routen. Zu den beiden 727-100C gesellten sich zwei werksneue Tupolev 154M.

Der Bürgerkrieg

Während der zehnjährigen Kriegszeit wurden lediglich Moskau und Prag, zeitweise Berlin-Schönefeld angeflogen, vorwiegend um Verwundete zu transportieren. Eine Normalisierung des Flugverkehrs ist erst nach und nach zu erwarten, da die politische Lage auch nach dem Abzug der Russen und dem Einsatz einer Übergangsregierung noch immer instabil ist und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Ariana betriebt ihre Flugzeuge aus Sicherheitsgründen überwiegend ab Delhi in Indien.

Anfang der neunziger Jahre ging man eine Partnerschaft mit Air France ein. Als Resultat übernahm Ariana 3 727-228 Adv. im Oktober 1992. Gleichzeitig erfolgte die Umbenennung in Ariana Afghan Airlines. Eine der neu übernommenen Boeing 727-228 (YA-FAY) wurde im September 1994 wegen der kriegsähnlichen Handlungen in Sharjah abgestellt. Eine weitere Maschine (YA-FAZ) mußte am 19. März 1998 abgeschrieben werden. Während des Landeanfluges zerschellte die aus Sharjah kommende 727-228 an einem nahe des Flughafens von Kabul gelegenen Berg. Alle 45 Insassen kamen ums Leben. Wegen des Bürgerkriegs wählen die Besatzungen laufend neue Flugrouten, um etwaigen Beschuß entgehen zu können. Dabei dürfte die Besatzung die Orientierung verloren haben, zumal die Navigationshilfen am Flughafen nur teilweise einsatzbereit waren. Weitere Verluste waren eine Yak-40 (YA-KAE), die bei der Landung in Jalalabad am 29. Oktober 1997 zerstört wurde und ein Toter zu beklagen war sowie eine Antonov 32, die für Ariana unterwegs war. Sie stürzte am 13. Januar 1998 bei schlechten Wetterbedingungen im bergigen Südwest-Pakistan ab. Zur Zeit des Unglücks waren 90 Passagiere (Taliban-Truppen) von Kandahar an Bord.

Es gab aber auch Flottenzugänge. So wurde von Express City aus Zaire im Dezember 1995 eine Boeing 707-320 gemietet; hauptsächlich für Flüge zwischen Kabul und Bulgarien. Im Februar 1996 wartete eine Boeing 707-324C (EL-LAT) auf ihre Ablieferung an Ariana Cargo. Diese Maschine stand zuvor als G-HEVY bei HeavyLift Cargo Airlines in Dienst. Des weiteren sichtete man eine voll lackierte An-12 (YA-DAA) am 6. Mai 1998 in Sharjah.

Im März 1999 stand Ariana einer Meldung nach kurz vor dem Erwerb einer 747-200 von Kuwait Airways. Mit Air France sollte schon ein Wartungsvertrag geschlossen worden sein. Die 747 war für noch nicht näher bezeichnete Dienste nach Europa gedacht.

Die afghanische Fluggesellschaft steht seit November 1999 unter Sanktionen der UN, da die Taliban-Miliz sich weigert, den unter Terror-Verdacht stehenden saudiarabischen Geschäfts mann Osama bin Ladin auszuliefern. Daher sind Flüge ins Ausland nicht erlaubt. Der Inlands verkehr wird von Ariana aber weiter aufrechterhalten.

Entführung

Sechs Luftpiraten hatten am 6. Februar 2000 die Boeing 727-228 (A) YA-FAY zu einem Irrflug über die frühere Sowjetunion gezwungen. Nach Zwischenstops in Usbekistan und Kasachstan landete die Boeing 727-200 schließlich am Abend in Moskau. An Bord befanden sich nach 186 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder.
Die Maschine wurde während eines Inlandsflugs von Kabul ins rund 350 km nördlich gelegene Masar-i-Scharif entführt. Die russische Luftfahrtbehörde hatte kurz vor der Landung auf dem Moskauer Scheremetjevo-Flughafen mitgeteilt, die Maschine solle dort aufgetankt werden. Die Antiterroreinheit Alpha des Geheimdienstes wurde alarmiert, Polizisten und Ärzte wurden zum Flughafen gebracht; Scharfschützen gingen in Stellung.

Nachdem der Funkkontakt mit der Boeing 727 abgebrochen war, hatten die Behörden in Kabul zu Anfang einen Absturz vermutet. Das internationale Rote Kreuz und die afghanische Luftwaf fe hatten bereits eine Suchaktion eingeleitet. Nach der Landung in Usbekistan wurden zehn Menschen freigelassen; in Moskau konnten weitere Passagiere die Maschine verlassen. Am späten Abend hob das Flugzeug in Richtung London-Stansted ab, wo sie abseits abgestellt wurde. Acht weitere Entführungsopfer wurden freigelassen. Die Polizei hatte seit den frühen Morgenstunden mit den Luftpiraten verhandelt. Nach der Freilassung von zunächst fünf Insassen durften am Nachmittag drei weitere die Maschine verlassen. Damit sind noch 157Menschen an Bord, darunter die 14-köpfige Besatzung.

Das afghanische Taliban-Regime hatte zuvor jegliche Verhandlungen mit den Entführern ausgeschlossen. Nach unbestätigten Berichten verlangen die Luftpiraten die Freilassung eines von den radikal-islamischen Taliban gefangen gehaltenen Oppositionspolitikers. Zuvor waren in London Lebensmittel, Babynahrung und Medikamente an Bord gebracht worden. Die Polizei bezeichnete die Atmosphäre in dem Flugzeug als "ruhig". Die britischen Behörden hätten das Ziel, die Entführung in Stansted zu einem friedlichen Ende zu führen, sagte ein Sprecher.

Am 10. Februar morgens gegen 7 Uhr ließen die Hijacker alle verbliebenen 65 Geiseln frei. Sie hatten in der Nacht bereits 85 Geiseln aus der gekaperten Boeing 727 gelassen. Am 8. Februar waren bereits die Piloten aus der Maschine geflüchtet und sorgten mit dieser Aktion für eine Krise. Damals verdichteten sich auch schon die Gerüchte, dass die Entführer einen Teil ihrer Angehörigen an Bord hatten und Asyl erpressen wollten.

Das britische Fernsehen zeigte, wie ein Insasse nach nach dem anderen mit erhobenen Händen die Maschine über eine Treppe am Heck verließ. Offenbar stiegen die rund zehn Entführer im Anschluss an die Geiseln aus der Maschine und wurden von der Polizei in Empfang genommen.

Erst im Dezember hatte es zuletzt eine spektakuläre Flugzeugentführung gegeben. Luftpiraten hatten ein indisches Passagierflugzeug in ihre Gewalt gebracht und die 155 Flugzeuginsassen nach langwierigen Verhandlungen am Silverstertag freigelassen. Im Gegenzug hatte Indien drei Mitglieder der Gruppe Harkat ul-Mujahedeen auf freien Fuß gesetzt, die dort im Gefängnis saßen. Die Entführer wurden bislang nicht gefasst.

Februar 2000

Verwendete Quellen:

Flieger-Revue/Partner der Interflug
B.I.Hengi: Fluggesellschaften weltweit
Reuters


Streckennetz:

nur Inland wegen UN-Sanktionen

Flotte:

1 Boeing 727-113C

1 Boeing 727-155C

1 Boeing 727-228 Adv.

1 Tupolev 154M....................geleast von Caspian Airlines

1 Antonov 24B

1 Antonov 12B

1 Antonov 12BP