DHC Dash-8-311 G-WOWA im Anflug auf London/Gatwick (S.Pipjorke)

Air Southwest Ltd.

britische Low-cost Airline                                                    Sitz: Plymouth
Dreilettercode: WOW                 Call sign: Swallow                        Web: www.airsouthwest.com
Tochter der Sutton Harbor Holdings Plc

Als British Airways CitiExpress (BACE) im Sommer 2003 ihre Dienste ab Plymouth City Airport (PLY) einstellte, sah es zunächst so aus, als ob sich die Region darauf einstellen müsste, künftig ohne Luftverkehrsdienste auszukommen. In den letzten 20 Jahren konnten Reisende, die in den westlichen Teil Großbritanniens wollte, eine Reihe lokaler Inlandsflüge inklusive einer dicht beflogenen Strecke von und nach London dafür nutzen. Der Vorgänger Brymon Airways, der eine Reihe unterschiedlicher Firmierungen trug, flog in den letzten zwei Jahrzehnten mit unterschiedlichen Turboprops Dienste wie Plymouth - Newquay - London/Heathrow, Newquay - London/Heathrow und Plymouth - Exeter - London/Gatwick, bevor man sich auf die profitabelste Route Plymouth - Newquay - London/Heathrow festlegte. Nach der Übernahme durch British Airways 1993 wurden die Heathrow-Operationen nach Gatwick verlegt. Trotz Unkenrufen verringerte sich die Passagierzahl nicht und die Strecke blieb weiterhin eine gute Geldeinnahmequelle - auch nach der Fusion mit British Regional Airlines zu BACE in 2001. Aber nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte die Airlineindustrie schwere Einnahmeverluste hinzunehmen und die Muttergesellschaft British Airways (BA) suchte nach Einsparpotenzialen unter dem Programm "Future Size and Shape". BACE's Plymouth-Dienste gehörten dazu.
Der Airport-Eigner Sutton Harbour Holding (SHH) verlor somit den größten Kunden. Um die eigene Zukunft abzusichern, entschloss sich SHH eine Airline zu gründen.

Neustart
SHH entwickelte einen Plan, nach dem Rückzug der BACE sofort auf der London-Route einzusteigen. Von BA konnte man die notwendigen Slots in London/Gatwick ergattern. Auch bei der Anwendung von Personal war man frohen Mutes, denn viele der BACE-Angestellten in Plymouth und Newquay wollten in der Region wohnen bleiben und lieber zur neuen Airline gehen. Langsam rückte die Namenswahl für den Newcomer auf die Tagesordnung und auch Brymon wurde dabei ins Feld geführt - war es doch eine starke Marke im Südwesten des Vereinigten Königreiches und sicher von Vorteil für Marketingkampagnen. Dann entschied man sich für den Namen Air Southwest - teils weil man dem Namen Brymon außerhalb des Südwestens keine so große Zugkraft zutraute und weil der potenzielle Kunde sofort erkennen sollte, in welche Region ihn sein Flug führen würde.
Aber man legte sich nicht nur einen neuen Namen zu, sondern operierte mit neuer Philosophie und übernahm das traditionelle Low-cost-Businessmodell, das in den letzten Jahren so erfolgreich war. Die einzige Auffälligkeit war die Wahl des Flugzeugtyps: traditionell ist das der Airbus A320 oder die Boeing 737.

Flugzeugtyp
Da die Landebahn am Plymouth City Airport (PLH) 1160 m (3805 ft) lang ist, können hier nur einige kommerzielle Flugzeugmuster starten und landen. Im Juni 2003 war Air Southwest in Verhandlungen mit der flämischen VLM, damit diese die Dienste mit ihren Fokker 50 durchführt. Da die Vorläufer der Air Southwest aber schon seit über 20 Jahren auf den 50-Sitzer Dash-8 setzten und sich die vorhandenen Wartungseinrichtungen und Flight Operations auch daran orientieren, war es eigentlich nur logisch, auch auf diesen Flugzeugtyp zu setzen. So besorgte man sich beim Hersteller Bombardier zwei ehemalige Brymon/BACE Dash-8-311 (ex G-BRYS, c/n 296 und ex G-BRYT, c/n 334) die dann den neuen Anstrich und die Registrationen G-WOWA bzw. G-WOWB erhielten.
Im Kabineninnern der Dash-8-300 musste der Vollservice an Getränken und Verpflegung aus alten Brymon-Tagen der neuen Low-cost-Version weichen. Die Passagiere können nun Getränke und Snacks käuflich erwerben. Dies erlaubt den Einsatz von meist nur einem Kabinencrew-Mitglied - nahezu undenkbar auf sonstigen normalen Kurzstrecken. Die Cabin-Crew-Mitglieder übernehmen während des Turn-arounds auch andere vielfältige Aufgaben außerhalb der Heimatbasis wahr, um weitere Kosten zu sparen. Aber eines blieb vom Service der Brymon: Passagiere können sich von der Kabinencrew ein Taxi zur Abholung vom Flughafen bestellen lassen.

Streckennetz
Neben der bereits erwähnten London-Route, die zum 26. Oktober 2003 anlief, begann die Airline noch mit Flügen von Plymouth nach Manchester zum 1. März 2004 (via Bristol) und ab 2. April saisonal nach Jersey (6x wöch.). Beides sind ehemalige Brymon/BACE-Strecken, die Gewinn abwerfen. Man prüfte auch die Möglichkeiten, Routen von Plymouth nach Amsterdam, Edinburgh, Glasgow International oder Paris CDG aufzunehmen. Doch zunächst wird man ab 11. April 2005 wird zweimal täglich die Strecke Newquay - Bristol - Leeds/Bradford sowie einmal täglich Newquay - Dublin mit den Dash-8-300 bedienen.

Profit und Zukunft
Die Rücklagen eines jeden Start-ups sind normalerweise recht mager. Air Southwest ist da keine Ausnahme. Mit nur zwei Flugzeugen in der Flotte, zwingt das Streckennetz zur vollen Auslastung der Maschinen von Montag bis Freitag. Lediglich an den Wochenenden ist etwas Luft. So hat man eine schlanke Gesellschaftsstruktur - wenn alles gut geht. Sollte aber mal ein technisches Problem auftreten, kann der eitel Sonnenschein auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen, denn nur wenige Dash-8 stehen bei Subcharterunternehmen als schnelle Eingreiftruppe bereit. So besorgte man sich eine dritte Dash-8-300 von Bombardier (ex G-BRYO, c/n 311), die im Falle eines Falles einspringen könnte. Die Auslieferung erfolgte im Oktober 2004 als G-WOWC. Da man sich auf die Dash-8 festlegte und somit in der 50-Sitzer-Nische operiert, sieht man das Wachstum bei 4-5 Maschinen ausgereizt.

Die Airline zahlt an Agenten keine Provisionen, sondern wählte die Online-Reservierung übers Internet als Buchungsmethode. Für die Offline-Kunden steht aber ein Call-Center bereit. Viele Buchungen kommen trotzdem von Reisebüros, denn für die Agenten geht es schneller und einfacher, wenn sie für den Kunden, der einen Anschlussflug in den Südwesten will oder von dort nach London, online den Flug bei Air Southwest buchen. Der Kunde spart Geld und das Büro zeitraubende Recherchen.

Für das erste Betriebsjahr wird bereits ein Gewinn angestrebt - eine seltene Ausnahme im Airline-Business - bei geschätzten 190.000 Passagieren für das Gesamtjahr 2004. Damit flogen fast ebenso viele Passagiere mit Air Southwest nach London (Newquay - London/Gatwick) wie mit der viel größeren und stärkeren Ryanair und deren Boeing 737 (Newquay - London/Stansted).

Stand Dezember 2004

Quelle: Tom Allet, Airliner World 11/04, S. 47f
aus dem Englischen übersetzt und aktuell ergänzt von Oliver Pritzkow

Streckennetz:
regional im Südwesten Großbritanniens, nach London LGW, Dublin

Flotte:
3 DHC-8 Dash-8-311                geleast von Avmax Group