DHC-8-300 PH-DMR im Anflug auf Madrid (A.Oferta)
Air Nostrum - Lineas Aéreas del Mediterraneo

spanisches Luftverkehrsunternehmen                                          Sitz: Valencia
3-Lettercode : ANS         Zweilettercode: YW           IATA-Nr.: 694       ICAO call sign: NOSTRUM AIR
Eigner: 96,8 % NEFINSA und 3,2 % Air Nostrum Senior Management              Web: www.airnostrum.es

Spaniens Luftfahrtszene war bis zu Anfang der 1990er Jahre stark zentralisiert. Die staatliche Iberia kontrollierte direkt oder indirekt über ihre Töchter Aviaco, Binter Canarias, Binter Mediterraneo und Viva Air alle Inlandsflüge sowie die internationalen Verbindungen. Die wenigen privaten Airlines erfüllten ausschließlich Charteraufträge für Reiseveranstalter. Das Angebot an Inlandslinienflügen sowie Verbindungen zwischen kleineren spanischen Städten und Europa war äußerst mager. Einzig die Drehkreuze Madrid und Barcelona waren gut miteinander verbunden.

Im Zuge der Liberalisierung des Luftverkehrsmarktes durften spanische Chartergesellschaften ab Mitte der 1990er Jahre Linienflüge auf internationalen Nischenmärkten anbieten. Ein Jahr später war dies auch im Inland möglich. Vorreiter war hier die Meridiana, Italiens größte private Airline, die eine spanische Tochter zu etablieren versuchte. In Valencia und San Sebastian sollten Drehkreuze entstehen. Doch das Abenteuer dauerte nur kurz. NEFINSA, ein Unternehmen der Serratosa-Familie, die ihr Geld in der Baustoffindustrie, Telekomunikation und Nahrungsmittelindustrie machten, wollte nun auch in der Luftfahrt mitmischen. Das "Proyecto Air Nostrum" wurde am 23. Mai 1994 unter Leitung von Carlos Bertomeu, einem Berater ohne Luftfahrterfahrung, ins Leben gerufen.

Fokker 50 in Berlin-Tegel (M.Mainka)
CRJ200 in Hannover (O.Pritzkow)
ATR72-500 im Anflug auf Madrid (A.Oferta)
Von WDL wurde diese BAe 146-300 D-AMAJ angemietet (A.Oferta)
Bombardier CRJ900 EC-JNB (W.van Audenhove/Skyliner-Aviation)

Der Airlinename leitet sich von Mare Nostrum ab, der lateinischen Bezeichnung für das Mittelmeer, das Spaniens Südküste umgibt. In sehr kurzer Zeit entwickelte man aus Marktanalysen ein Netzwerk, das von Valencia (der Basis) ausgehen nach Barcelona, Bilbao, Ibiza, Madrid und Palma de Mallorca führen sollte. Eine zweite, kleinere Basis sollte in Barcelona entstehen und Routen von dort nach Ibiza und Saragossa führen. Bei der Wahl des Fluggeräts entschied sich Air Nostrum für die Fokker 50. Am 15. Dezember 1994 trafen zwei Maschinen ein. Noch am selben Tag fand der erste Flug YW251 von Valencia nach Bilbao mit 17 Passagieren an Bord statt. Bis zum Jahresende wurden 190 Flüge durchgeführt. Unter dem Motto "a new way to fly", das Kundenorientierung und Qualität beinhaltete, sprach man hauptsächlich Geschäftsreisende an. Auch die Flugpläne wurden für diesen Kundenkreis gestaltet und hauptsächlich Tagesrotationen mit morgendlichem Hinflug und abendlichem Rückflug angeboten. Die "Regional Business Class" lässt dies ebenfalls erkennen.

Iberia steigt ein
1995 erhielt Air Nostrum vier weitere Fokker 50 und zum Jahresende waren bereits 13.000 Flüge absolviert und rund 260.000 Passagiere befördert worden. Die Nachfrage nach Inlandsdiensten war derart stark, dass die Airline in den folgenden Jahren ein enormes Wachstum hinlegte - sowohl in Flottenstärke als auch bei den Zielorten, Routen und Aufkommen.
Nizza war 1995 das erste internationale Ziel, gefolgt von Biarritz, Bordeaux, Toulouse und Amsterdam. Mit Ablauf des Jahres 1996 waren bereits eine halbe Million Passagiere mit Air Nostrum geflogen, die für eine Auslastung von 65 % sorgten. Mit einer Pünktlichkeitsrate von 99 % zeichnete sich Air Nostrum selbst als Qualitätsairline aus. Man begann über die Indienststellung von Fokker 70 nachzudenken.
Inzwischen war das Interesse am Regionalmarkt gewachsen. Der spanische Flag-Carrier musste im Zuge der Deregulierung des europäischen Luftverkehrsmarktes ums Überleben kämpfen und im Inland die Verkehrsströme zu seinen Hubs lenken, um dann die eigenen Flieger insbesondere in Richtung Südamerika zu füllen. Air Nostrum mit ihren 400 wöchentlichen Flügen und einer Kapazität von 200.000 Sitzen kam da gerade recht. Im Dezember 1996 unterzeichneten beide Parteien ein Franchise-Abkommen, das am 12. Mai 1997 einsetzte.
Ticketpreise und Flugplan wurden nun strikt aufeinander abgestimmt. Air Nostrum war aber weiterhin eigenverantwortlich und und konnte auch das Streckennetz weiterentwickeln sowie das Yield-Management und den Bord-Service selbst gestalten. Für beide Seiten war es eine Win-Wn-Situation: Air Nostrum erhielt internationale Aufmerksamkeit und konnte ihren Fluggästen Anschlüsse für Iberiadienste ab Madrid und Barcelona offerieren. Iberia dagegen konnte sich von unprofitablen Routen trennen.
1998, ein Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens, beförderte Air Nostrum 1,5 Mio. Passagiere - mehr als doppelt soviel wie ein Jahr zuvor. Und auch der Umsatz hat sich auf 144 Mio. Euro verdoppelt.

Ausbau der Marke
Im Oktober 1997 stieß mit der 68-sitzigen ATR72-500 ein neuer Typ zur Flotte, der die älteren ATR72-200 ersetze. Einen weiteren Entwicklungsschub gab es am 29. März 1998 als der erste Jet, ein Bombardier CRJ, übergeben wurde. Am Jahresende waren 26 Flugzeuge, darunter zwei CRJs in der Flotte. 1999 wurde Air Nostrum von der ERA (European Regions Airline Association) zum "Best Regional Carrier" ausgezeichnet. 2002 und 2003 ging der Titel ebenfalls an Air Nostrum. Ab 1. September 2003 war man über Iberia Mitglied der OneWorld-Allianz geworden.

Zur Jahrtausendwende war die Flotte auf 45 Einheiten inklusive 13 CRJ angewachsen. Ab 2001 ersetzten 52-sitzige Bombardier DHC-Q-300 die Fokker 50. Binter Mediterraneo, eine Iberia-Tochter, die das Mutterland mit der spanischen Enklave Melilla in Marokko verband, wurde übernommen. Fokker 50 und ATR72 ersetzten die dortigen CASA CN-235. Im Streckennetz waren nun 44 Ziele zu finden, die mit 79 Routen untereinander verbunden waren. Bei der Passagierbeförderung knackte Air Nostrum im Jahre 2002 die 3 Millionen-pro-Jahr-Grenze.

Auf der Farnborough Air Show 2004 bestellte Air Nostrum bei Bombardier zwanzig weitere CRJs (+ 20 Optionen), wobei der Vertrag erlaubt, vom CRJ200ER auf den 70-Sitzer CRJ700, den 86-Sitzer CRJ900 oder den 74/78-sitzigen Prop DHC-8Q-400 zu wechseln. Damit wird die Flotte bis 2008 aus 51 CRJ und 29 DHC-8Q-300 bestehen. Das Wetleasing der Fokker 50 läuft zum Februar 2006 aus. Von WDL wurde eine dritte Bae 146 gemietet (Wetleasing), um Spitzen abzudecken. Im ersten Quartal 2006 trifft ferner der erste CRJ900 ein.

Im Januar 2006 wurden Pläne bekannt, wonach Air Nostrum, Iberia und Iberworld eine gemeinsame Billigtochter gründen wollen, die mit Airbus A320 operieren soll.

Stand Feb. 2006

Autor: L.Vallero
Übersetzung u. Aktualisierung: O.Pritzkow

Streckennetz : (Winter 2005/06)
Inland
Europa (Bari, Basel/Mulhouse, Bologna, Bordeaux, Cagliari, Brüssel, Faro, Frankfurt, Genf, Hannover, Lissabon, London LGW, Lyon, Marseille, Mailand MXP, Neapel, Nizza, Olbia, Oporto/Porto, Palermo, Paris CDG u. ORY, Pisa, Straßbourg, Toulouse, Turin, Verona, Zürich)
Afrika (Casablanca)

Flotte : (jp 2005/2006)

32 CRJ200                  + 19 bestellt
 1 CRJ900
 3 Bae 146-200             von WDL geleast
19 DHC-8Q-300              5 von Denim Air betrieben; + 10 bestellt
 7 ATR-72-200/-500
 4 Fokker 50               von Denim Air betrieben