BAC 1-11-400 N5016 (Foto: J.Lutz)
Aeroamerica

ehemalige US-amerikanische Fluggesellschaft                             ex-Sitz: Seattle/Berlin-Tegel
ex 2-Lettercode: EO

Boeing 720-027 N733T
Boeing 720-027 N730T (J.Lutz)
Boeing 720-027 N731T in ex-Kibris cs. (M.Gocht)
Douglas DC-8-33F N124AJ (Samml. Pritzkow)

Aeroamerica wurde im Januar 1974 von Joel Eisenberg als Nachfolgerin der Air Club International, welche ebenfalls dem Eisenberg Imperium entstammte, ins Leben gerufen. Dazu gehört auch die im Oktober 1972 gegründete American Aviation Services Inc., welche als Leasingfirma und Wartungsbetrieb fungierte. Der Grundstock der Aeroamerica bestand anfänglich aus einer Boeing 707-131 sowie einer Flotte von ex Braniff Boeing 720, welche von Air Club International bzw. American Aviation Services übernommen wurden. Als Eigener der Flugzeuge waren teilweise die noch im Teenageralter befindlichen Kinder Eisenbergs gelistet. Abgesehen von eigenen Charterflügen wurden auch Flugzeuge samt Besatzung an andere Fluggesellschaften über längere Zeiträume verleast, was heute auch als ACMI-Leasing (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance) bezeichnet wird. Zu den Kunden zählten u.a. Biman Bangladesh, EgyptAir, JAT-Jugoslovenski Aerotransport, KTHY - Kibris Turkish Hava Yollari, Pakistan International, Saudia, Sobelair und Sudan Airways. Auch wurden im Auftrag humanitärer Organisationen Immigrationsflüge für vietnamesische Flüchtlinge in die USA unternommen. In Berlin präsentierte sich Aeroamerica erstmalig am 23. Oktober 1974 anlässlich der offiziellen Eröffnung des neuen Tegeler Terminals als Partner des Berliner Flugringes (BFR) mit der Boeing 720-027 N733T. Ab der Sommersaison 1975 wurde in Tegel eine eigene Station aufgebaut und hierzu viele Mitarbeiter der Modern Air Transport rekrutiert, welche ihre Berlin-Station zum Jahresende 1974 aufgelöst hatte.

Im Schnitt waren vier Boeing 720 in Tegel beheimatet, welche aber auch im Rahmen der Charterverträge anderweitig rotierten was durch ihre Farbenvielfalt für Abwechslung sorgte. Zwischen Mai und Oktober 1976 wurde eigens für den Berlin-Verkehr eine BAC 1-11-401AK (N5016) von der National Aircraft Leasing gemietet, welches sich aber in den Folgejahren nicht wiederholte. Um ihr Ersatzteillager in Tegel aufzustocken, erwarb man im April 1976 von F.B. Ayer in Miami die ex-Alaska Airlines Boeing 720-062 N302AS und flog sie im Juli nach Berlin-Tempelhof, wo sie ausgeschlachtet und bis November 1978 verschrottet wurde.

Das Austauschen von Triebwerken innerhalb der Flotte führte vermehrt zu Verspätungen, was für Unmut beim Berliner Flugring sorgte und dieser die Verträge mit Aeroamerica über das Jahr 1978 hinaus nicht verlängerte. Dies war die Geburtsstunde der Air Berlin USA Inc. In den Staaten hingegen genehmigte das Civil Aviation Bord (CAB) im August 1978 Linienrechte für die Strecken von Seattle/Tacoma nach Spokane und Honolulu. Im November 1979 wurde aber die Betriebsgenehmigung wegen Verstößen gegen Verbraucherschutzregelungen eingezogen. Im Oktober 1980 wurde unter dem neuen Eigentümer Michael Falconer mit Charterflügen zwischen Seattle und Reno ein Neustart versucht, doch nach vielen Problemen mit dem CAB und der FAA wurde der Flugbetrieb 1982 endgültig eingestellt.

Quellennachweis:
Deregulation Knockout Round One Tom Norwood
Boeing720 John Proctor
The Boeing 707,720 and C-135 by Tony Pither
Bac One Eleven Malcolm L. Hill
Luftbrücke nach Berlin, Hans von Przychowski, Brandenburg. V., Bln. Erscheinungsdatum: 1996 ISBN: 389488097X

Erstellt durch David Greer